Soziales Netzwerk im Do-It-Yourself-Verfahren

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"Wir befinden uns in einer andauernden Evolution", meint Bianchini, die auch Ning-CEO ist. "Die Web-Seiten der Neunziger wurden zu den Blogs des Jahres 2000. Nun werden aus Blogs soziale Netzwerke und eigene Gemeinschaften."

Um sein Netzwerk einrichten zu können, muss man sich bei Ning zuerst einen kostenlosen Account besorgen. Die Software führt den Nutzer im Browser dann Schritt für Schritt durch das weitere Design - Namen und Beschreibung, Funktionen (Blogs, Fotos, Chats, Foren) auf der Hauptseite, Reihenfolge der Rubriken und mehr. Dazu lassen sich einige Dutzend Themen und Farbschemata verwenden oder ein eigener Look mit HTML und CSS bestimmen. "Alles ist einstellbar", so Bianchini.

Selbst die Mitglieder eines Ning-Netzes können ihr eigenes Design wählen und ihre persönlichen Seiten frei gestalten. Die Kontrolle bleibt also die ganze Zeit beim Nutzer. "Die Menschen machen interessante Sachen mit ihren MySpace-Seiten, aber grundsätzlich ist das eine Gemeinschaft hinter einer Mauer, wie man das damals von AOL, Compuserve oder Prodigy kannte", meint Bianchini. MySpace schränke die Nutzer ein - und diese stießen schnell an Grenzen.

Ning an sich soll kostenlos bleiben, so lange man die Google-Anzeigen akzeptiert, die rechts auf jeder Seite stehen. FĂĽr 20 Dollar im Monat kann man sich von diesen aber freikaufen oder eigene Anzeigen platzieren. AuĂźerdem lassen sich mehr Speicherplatz (das freie Maximum liegt bei 5 GB) und mehr Datenverkehr (Freiwert: 100 GB im Monat) zukaufen.

Wer Ning länger nutzt, wird feststellen, dass sich das Angebot nicht für jeden eignet. Trotz der vielen Einstellmöglichkeiten sehen die Seiten recht einförmig aus - wirklich interessante Gestaltungsvarianten lassen sich nur mit fortgeschrittenen Webdesign- und PHP-Kenntnissen verwirklichen. Fortgeschrittene Entwickler aus der Open-Source-Ecke werden sich außerdem darüber ärgern, dass man an die zentralen Komponenten von Ning, sprich: das "Betriebssystem", nicht herankommt. Pete Cashmore vom bekannten Social Networking-Blog "Mashable" hält Ning daher für "zu schwer für Einsteiger und nicht mächtig genug für Fortgeschrittene".

Gleichzeitig kommt es zu einer starken Fragmentierung. Eigene Ning-Netze werden zwar auf Ning.com rudimentär gelistet und von Suchmaschinen indiziert, es gibt jedoch keine richtige "Community", wie man sie von MySpace und Co. kennt. Doch ohne diese interne Gemeinschaft dürfte Ning auch weniger schnell wachsen. Dennoch kommt die Idee bislang offenbar an: Seit dem Start der Plattform Ende Februar wurden bereits über 13.000 neue Mini-Netze geschaffen, wie Bianchini sagt.

Ein weiterer möglicher Wachstumsbereich für Ning sind Konzerne, die ihre Seiten mit Social Networking-Komponenten verschönern wollen. So kaufte sich etwa Cisco kürzlich die beiden Social Networking-Anbieter Five Across und Tribe.net. Während Five Across zuletzt eine Standard-Software-Plattform für eigene soziale Netzwerke vertrieb, gehört Tribe.net zu den bekanntesten sozialen Netzen der ersten Boomphase 2003 bis 2004. Von letzterem sicherte sich Cisco allerdings nur die Technik. Der Netzwerkriese will mit seinen Aufkäufen nun Kombinationsprodukte schaffen. Kunden sollen Social-Networking-Anwendungen damit an Cisco outsourcen können.

"Künftig wird man Community- und Social Networking-Elemente auf nahezu jeder Firmenwebsite sehen", meint Scott Brown, Marketing Manager in der Cisco Media Solutions Group. "Die Firmen wollen mit den Kunden interagieren, weil sie sich in solchen sozialen Strukturen anders verhalten und mehr Daten von sich preisgeben", glaubt er. Cisco begebe sich in dieses Feld, weil Firmen inzwischen schlüsselfertige Lösungen nachfragten, die in die bestehenden IT- und Web-Infrastrukturen passten. (wst)