Himmlischer Netzzugang?
Internet über Satellit hat unschlagbare Vorteile: Er ist nahezu überall verfügbar und dennoch breitbandig. Doch erst jetzt bieten die Betreiber interessante Gesamtpakete an, die auch den Rückkanal einschließen.
Wer in einer der zumeist ländlichen Regionen in Deutschland lebt, in denen es weder drahtgebundes DSL noch Kabel-TV-Internet noch UMTS gibt, hat eigentlich nur eine Chance auf einen schnellen Netzzugang: Internet per Satellit.
Doch der Netzzugang vom Himmel, der seit einigen Jahren unter anderem von Teles sowie von der Deutschen Telekom vermarktet wird, hatte bislang einige entscheidende Nachteile. Neben den verhältnismäßig starken Schwankungen bei der Bandbreite (Satelliten-Transponder haben nur eine beschränkte Kapazität) benötigte man immer auch ein Analog-Modem oder besser eine ISDN-Leitung, um einen Rückkanal zum Satelliten zu bilden. Der Datentransfer funktionierte nur in eine Richtung durch die Luft, der Rest der Verbindung durch das langsame Telefonnetz. Dies sorgte unter anderem dafür, dass sich die Technologie nicht unterwegs (z.B. im Wohnmobil) verwenden ließ, wenn kein Festnetzanschluss verfügbar war.
Das soll sich nun ändern. Sowohl SES (Astra) als auch Eutelsat (Hotbird) bieten inzwischen Technologien an, bei denen sowohl Downlink als auch Uplink über den Satelliten erfolgen. Neben dem üblichen Modem wird dazu eine spezielle Sender- und Empfänger-Kombinationseinheit ("iLNB-Transmitter") benötigt, die zumeist eine eigene Schüssel mit einer Größe zwischen 66 und 85 Zentimetern verwendet. Damit fällt die Notwendigkeit einer zusätzlichen Festnetzleitung weg: Die Internet-Daten kommen vom Satelliten und werden auch an ihn geschickt.
Damit ist es erstmals möglich, überall im "Footprint" der Satelliten Eutelsat und Astra (also in ganz Europa und in einigen Gebieten darüber hinaus) online zu gehen – Schüssel ausrichten, fertig. Doch wird damit der Traum vom "Überall-Internet" wirklich wahr? Leider nicht ganz. Zwar werben die Firmen mit "16-facher ISDN-Geschwindigkeit", doch dies muss man im Kontext sehen. Die möglichen Bandbreiten schwanken zum Teil stark und fallen gegenüber aktuellen DSL-Technologien (mit ADSL2+ sind 16 Megabit möglich) grundsätzlich deutlich zurück.
Bei Astra liegt der mögliche Maximaldurchsatz aktuell bei einem Megabit, bei Hotbird bei immerhin zwei. Die Upload-Rate ist hingegen nach wie vor gering: Die möglichen 128 Kilobit, die man künftig auf den Satelliten schicken kann, sind mit einer doppelten ISDN-Leitung schon lange möglich. Bei Hotbird ist zumindest theoretisch mehr Leistung vorhanden: Vermarkter des Dienstes verkaufen einen Transmitter, der mit 2 Watt technisch bis zu 2,5 Megabit schaffen könnte, wenn es ein entsprechendes Angebot gäbe. Astra begnügt sich hingegen mit schlappen 0,5 Watt, was den technischen Durchsatz von vorne herein beschränkt; hier fürchtet man offensichtlich auch die Tauschbörsennutzung mit starker Upload-Beanspruchung.
Eigenwillig ist auch die Distribution, die sich Eutelsat und SES für ihre Technologien ausgedacht haben. Statt selbst ihre Markt- und Markenmacht zu nutzen, überlassen die Satelliten-Konzerne den Verkauf der neuen Technologien lieber kleineren Playern – ins Endkundengeschäft mag man sich offenbar nicht begeben. So ergibt sich ein bunter Strauß mittelständischer Unternehmen, die die Hotbird- und Astra-Satelliten-Internet-Pakete verkaufen und von denen viele Konsumenten noch nichts gehört haben – Filiago etwa oder dsl2u. (SES betreibt mit AstraNet zwar einen eigenen Endkundenprovider als Tochter, bietet seine Zwei-Wege-Lösung mit Rückkanal über Satelliten dort aber noch nicht an.)
Die Tarifierung bewegt sich durchweg oberhalb der Angebote im DSL-Markt, teilweise werden zweijährige Vorauszahlungen verlangt, um den günstigsten Preis zu erhalten. Daneben muss man sich auch die passende Hardware kaufen oder sie mieten – mit 200 bis 300 Euro ist sie teurer als bei DSL. Bedenken muss der Nutzer auch, dass die Latenz zum Satelliten Anwendungen wie Online-Actionspiele oder VoIP behindert. Spezielle Internet-Telefoniedienste, die die Latenz mit einberechnen, werden zwar inzwischen angeboten, sind technisch aber komplex.
Ingesamt bietet der Markt Experten zufolge ein eher durchwachsenes Bild: Das Satelliten-Internet entwickele sich, doch bislang noch immer im Kriechgang. Mit dem Rückkanal über die Schüssel könnte sich nun zumindest ein zentrales Problem lösen. Bislang war diese Technologie nur professionellen Nutzern vorbehalten, die hohe Gebühren zahlen mussten. (bsc)