"Gegen die virtuelle Umweltverschmutzung"
Suchmaschinen-Spammer sorgen dafĂĽr, dass selbst Google zunehmend nutzlos wird: Indizierungsalgorithmen fallen noch immer oft auf so genannte "Suchoptimierungen" herein. Zeit, das Web wie einst von Hand zu organisieren? Das US-Start-up Mahalo versucht es.
Der Internet-Benutzer von heute hat es wirklich nicht leicht. Sucht er beispielsweise nach einem neuen Gadget und will Testberichte dazu lesen, findet er diese nur schwer. Tippt er die genaue Bezeichnung bei Google oder anderen populären Suchmaschinen ein, sind die ersten paar Ergebnisseiten häufig voll mit so genannten Affiliate-Angeboten, die versuchen, mit jedem Produkt der Erde über bezahlte Links zu Online-Shops ein paar Euro zu verdienen.
Die meisten dieser Angebote bieten keinerlei Inhalte. Schlimmer noch: Häufig verstopfen solche Werbeseiten die Ergebnislisten derart, dass nicht einmal die offizielle Produktseite des Herstellers unter den vorderen Treffern landet, geschweige denn interessante Websites zum Thema.
Besonders fĂĽr unbedarfte Nutzer, die keine anderen Suchwege kennen, mache dies Google & Co. zunehmend nutzlos, meint Jason Calacanis, Internet-SeriengrĂĽnder aus den USA. Nachdem er sein Medien-Start-up "Weblogs, Inc." vor nicht ganz zwei Jahren an den Online-Riesen AOL verkauft hat, bringt Calacanis derzeit sein neuestes Firmenprojekt auf den Weg: Die Website Mahalo, was auf Hawaiisch so viel wie "Danke" bedeutet.
Die Neugründung aus dem kalifornischen Santa Barbara soll das Problem der "virtuellen Umweltverschmutzung", wie Calacanis die mit uninteressanten Inhalten vollgestopften Ergebnislisten nennt, zumindest für die wichtigsten Suchbegriffe lösen: "Nachdem ich AOL verlassen hatte, wollte ich ein Projekt machen, das zwei Kriterien erfüllt: 1. sollte es möglichst vielen Leuten helfen und 2. von jedem jeden Tag benutzt werden können."
Der Ansatz, den Mahalo wählt, ist dabei äußerst traditionell: Es ist eine Art Web-Katalog der Neuzeit, wie ihn einst Yahoo oder Netscape vorhielten, bevor sich "Nur-Suchmaschinen" wie Google durchsetzten. Anstatt sich auf maschinelle Suchalgorithmen zu verlassen, setzt Calacanis' Firma auf menschliche "Guides", die sich besonders gut auf dem jeweils von ihnen bearbeiteten Gebiet auskennen. Mindestens die wichtigsten 10.000 Suchbegriffe der englischen Sprache will Mahalo so abdecken – nicht ganz 4000 sind laut Firmenangaben bereits fertiggestellt.
Calacanis gibt an, einen langen Atem zu haben: Mindestens fünf Jahre will er in Mahalo investieren. Dazu hat er sich einige potente Investoren ins Boot geholt: Sequoia Capital, wo man auch schon Yahoo und Google unter die Arme griff, den PayPal-Gründer und Weltraum-Unternehmer Elon Musk sowie den Murdoch-Medienkonzern News Corporation. Darüber hinaus versammelt Mahalo noch einige weitere illustre kleinere Geldgeber – etwa den TV-Sender CBS und die deutsche Hubert Burda Media. Gut kapitalisiert ist Calacanis also.
Den Unterschied zu älteren Internet-Katalogen sollen Elemente des Web 2.0 liefern: Mahalo setzt nicht nur stur auf Redakteure, sondern lässt sich von der Nutzerschaft helfen. Sie macht Vorschläge und debattiert Suchresultate, sorgt außerdem dafür, dass Mahalo nicht ebenfalls ein Spam-Problem bekommt. Gleichzeitig bedienen sich die "Guides" aller vorhandenen Ressourcen, die das "Mitmach-Web" inzwischen bietet – Wikipedia, alle Suchmaschinen, Online-Tagebücher, Bilderdienste oder Social-Networking-Angebote.
Calacanis betont, dass Mahalo auch von der Bedienmethodik her anders arbeite als einst Yahoo und Co. Man könnte das Angebot zwar auch wie eine Bibliothek durchstöbern, doch an die von Guides gepflegten Ergebnisse sollten die Leute vor allem so kommen, wie man es von Google kenne: "Suchbegriff eingeben und Boom." Mahalo verstehe sich als "Kurator für die besten Links". Man wolle nicht mit Blogs, Wikis, Zeitungen oder Communitys in Konkurrenz treten, sondern die Nutzer zu ihnen führen.
Einen Lieblingsfeind hat Calacanis bereits ausgemacht: Die so genannte Suchmaschinenoptimierer oder auch SEOs, die bei Google und anderen die Ergebnisse verfälschten: "Die Leute haben ihre Seiten zu lange darauf optimiert, dass sie von Maschinen besonders gut verstanden werden. Dabei sollten Websites für Menschen gemacht sein", meint er.
Trotz der Investorengelder, die Mahalo lange über Wasser halten sollen, hat Calacanis bereits eine gute Strategie zur Monetarisierung. Die 10.000 wichtigsten Suchbegriffe, die der Dienst später abdecken soll, sind nämlich gleichzeitig diejenigen, die die teuerste Online-Werbung abbekommen. Dank automatisierter Reklame-Einblenddienstleister wie Google Adsense kann Mahalo also recht schnell erste Umsätze erzielen: "Aktuell testen wir noch, aber wir werden in den nächsten Monaten verschiedene Werbeeinheiten haben." (bsc)