Gadgets fĂĽr Energiesparer

Wenn dieses kleine Kästchen aufleuchtet, wird es Zeit, die Klimaanlage abzuschalten: Neue Geräte sollen dem Menschen helfen, Strom zu sparen.

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Von
  • Peter Fairley

Können diese kleine Kiste wirklich Energiekosten senken und Netzüberlastungen verhindern? Die US-Firma ConsumePowerline aus New York glaubt fest daran. In diesem Winter will sie rund 1000 Testkunden ein Minigerät überlassen, das immer dann rot glüht, wenn die Energienachfrage auf dem Höhepunkt ist. Dann sollen sie ihre Elektroheizungen abschalten, einen geplanten Geschirrspülerdurchlauf besser verschieben und auch andernorts Strom sparen.

Energielieferanten müssen bei Nachfragespitzen schließlich zusätzliche Produktionskapazitäten anwerfen. Das kann so teuer sein, dass es genügend Stromkonzerne gibt, die Geld dafür ausgeben würden, das Energiesparen während dieser Zeiten erhöhen. Darauf basiert auch das Geschäftsmodell von ConsumerPowerline: Die Firma bezahlt Mietwohungskomplexe, Firmen und Institutionen dafür, "auf Zuruf" Energie zu sparen. Die daraus resultierenden "Negawatt", die Reduktion der Nachfrage, wird dann wiederum an Energieversorger in New York, Massachusetts und Kalifornien verkauft.

Aktuell werden diese "Negawatt" noch recht konventionell nachgefragt: Die Teilnehmer erhalten die Information aufs Handy, aufs Fax oder per Mail. Ab diesem Monat wird das einfacher: Die Firma erhielt ihre erste Lieferung digitaler Anzeigegeräte, die nicht größer als ein Lufterfrischer sind. Sie empfangen ihre Informationen über ein Satelliten-Pager-Netzwerk mit geringer Bandbreite. In den kommenden Wochen werden die ersten Geräte verteilt; einige sollen auch im öffentlichen Raum aufgestellt werden. Humphrey Wong, zuständiger Manager, hofft, dass das Gerät zu einer Reduktion des Energieverbrauchs bei teilnehmenden Organisationen um 5 bis 10 Prozent führen wird – und zwar noch zusätzlich zu den aktuellen Reduktionen von 15 Prozent und mehr.

"Wir versuchen, den Leuten ein relativ billiges Werkzeug an die Hand zu geben, um informiert zu bleiben, wann sie gute Energieentscheidungen treffen sollten", erklärt Wong. Das Werkzeug mit dem Namen "Joule" wurde zusammen von ConsumerPowerline und dem MIT Media Lab-Spinoff Ambient Devices aus dem amerikanischen Cambridge entwickelt.

Sobald ein Stromversorger eine so genannte "Anpassung an die Nachfrage" vornimmt, werden die passenden Joule-Geräte von Grün auf Blau umgeschaltet und zählen dann einen Countdown herunter, wann der Energiekonzern seine Negawatt haben will. Zwei Stunden vorher pulsiert das blaue Licht. Ist es dann tatsächlich soweit, wird das Gerät rot – und zeigt einen neuerlichen Countdown, wie lange die Sparphase noch dauern soll.

Wong hofft, dass nicht nur unter den bisherigen Teilnehmern mehr gespart wird, sondern künftig auch einzelne Hausbesitzer mitmachen können – das war bislang verwaltungstechnisch zu komplex. Die Anzahl lieferbarer Negawatt würde so vervielfacht.

Der Joule ist nicht das erste Gerät von Ambient Devices, das beim Energiesparen helfen soll. Seit 2004 testen mehrere große kalifornische Versorger den "Energy Orb", eine Glaskugel, die ihre Farbe verändert, um den Netzstatus zu signalisieren. Das Unternehmen Pacific Gas and Electric begann im vergangenen Jahr die kommerzielle Einführung und verteilte 2000 Orbs an Kunden, die Negawatt liefern sollten. Wie bei allen anderen Ambient-Produkten auch wird hier das Satelliten-Pager-Netzwerk verwendet.

Ambient testet derzeit außerdem ein neues Gerät mit dem drittgrößten deutschen Energieversorger EnBW. Weil sich die Energiepreise hier zu Lande stündlich ändern können, wird das Gerät noch mehr Informationen empfangen als der Joule. Der drei Zoll große LCD-Bildschirm ist groß genug, um einfache Graphen der Kilowattstundenpreise der nächsten 24 Stunden anzuzeigen und eine Vorhersage für die nächsten Tage samt Wetterinfos zu liefern.

Die meisten US-Energiekonzerne sind derzeit dabei, zeitabhängige Preismodelle zu prüfen. Wong hofft, dass dies zu einem neuen Markt für den Joule führt: Kunden mit Eigenheim oder kleinen Betrieben könnten dann Preisveränderungen verfolgen. In Amerika sind nur aber wenige Eigenheim-Preisbereiche geplant – der Joule könnte mit ihnen umgehen. Southern California Edison (SCE) plant beispielsweise nur drei: wenig Last, Standard-Last und kritische Last (letzteres vor allem an heißen Sommertagen, an denen das Netz am stärksten gefährdet ist).

Besonders in Krisenzeiten könnte der Joule viel ausmachen, sagt Wong: "Wenn ein Haushalt seine Klimaanlage abstellt, ist das ein Kilowatt. Bei 1000 sind es plötzlich ein Megawatt."

Ambient und ConsumerPowerline steht bereits Konkurrenz ins Haus: Stromversorger stellen neue Zähler bei ihren Kunden auf, die statt auf Satelliten-Pager auf Handynetze und WLAN setzen, um Preisinformationen weiterzugeben. SCE will mit einem 1,7 Milliarden Dollar schweren "SmartConnect"-Programm zwischen 2009 und 2012 solche intelligenten Stromzähler BEI fünf Millionen Haushalten und Firmen in Südkalifornien installieren.

Paul De Martini, der dem SmartConnect-Programm vorsteht, erläutert, dass die Geräte mit dem Energieversorger über Mobilfunktechnik kommuniziere und Preis- und Verbrauchsinformationen dann mit Hilfe von Heimvernetzungstechnologien wie ZigBee weitergeben. Derzeit arbeiten laut dem Experten mindestens 20 Firmen an Geräten nach diesem Standard, die die Energiedaten aufnehmen, interpretieren und anzeigen können – darunter auch Riesen wie General Electric. De Martini und sein Team haben hingegen ein eigenes Gerät entwickelt: Ein batteriebetriebenes Zigbee-Modell in Form eines Kühlschrankmagneten, der mit LEDs in Grün, Orange und Rot die Preisbereiche markiert. Eine kommerzielle Version einer solchen Komponente wäre so billig, dass man sie verschenken könnte (allerdings muss der intelligente Stromzähler im Haus installiert sein).

De Martini glaubt, dass die Kunden zu noch mehr Sparsamkeit erzogen werden könnten, wenn sie ihren Verbrauch in Echtzeit beobachten könnten. "Was wirklich gut funktioniert, ist, wenn die Leute dynamisch sehen, was da passiert – ähnlich wie an der Tankstelle, wo die Benzinuhr tickt." Diese dynamische Ansicht würde die Nutzung nicht nur von der Spitzenlastzeit in die Niedriglastzeit verschieben, sondern den Gesamtverbrauch reduzieren, meint er.

Ambient und ConsumerPowerline können weiterkommen, wenn sie selbst auf ZigBee setzen. Wong will das aber erst dann wagen, wenn der im Winter laufende Test mit dem Joule funktioniert und genügend Negawatt generiert werden. "Wir wissen, dass es eine Antwort im Verhalten der Kunden geben wird. Wir müssen aber erst herausfinden, wie wertvoll genau sie sein wird." (bsc)