Pressefreiheit: Wieder Angriffe auf die Presse in der Türkei
Die gewalttätigen Übergriffe auf Medienhäuser in der Türkei gehen weiter. Am Dienstag traf es neben der eher regierungskritischen Hürriyet auch die eher regierungsfreundliche Sabah. Ultra-Nationalisten geht deren Rhetorik gegen die PKK nicht weit genug.
(Bild: William John Gauthier, CC BY-SA 2.0)
In der Nacht zum Mittwoch haben Demonstranten in der Türkei erneut Medienhäuser attackiert. Anhänger der islamisch-konservativen AKP griffen das Gebäude der Zeitung Hürriyet in Istanbul an und versuchten, mit Gewalt einzudringen, berichtet die Welt. Erst nach fast einer halben Stunde sei die Polizei gekommen und habe die Menge zerstreut. Ähnlich gewalttätige Proteste gab es gleichzeitig vor dem Verlag der regierungsfreundlichen Zeitung Sabah. Deren englischsprachige Schwesterzeitung schreibt, die ultra-nationalistischen Angreifer hätten eine stärkere Verurteilung der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Zeitung verlangt. Am späten Abend verurteilte Premier Ahmet Davutoğlu die Angriffe und rief zur Ruhe auf.
Bereits am Sonntag war es zu ähnlichen Aktionen gegen die Hürriyet gekommen. Die hatte auf Twitter ein Zitat von Präsident Recep Tayyip Erdoğan in einen falschen Zusammenhang gestellt, wofür sie sich später entschuldigte. Am Dienstagabend nun gab es außer den Attacken auf die Medienhäuser im ganzen Land auch Angriffe auf Büros der kurdischen Partei HDP, deren Erfolge bei der jüngsten Wahl eine Alleinregierung von Erdoğans AKP verhindert hatte. In der Türkei spitzt sich aktuell der Konflikt mit der PKK immer weiter zu, wodurch auch die Medien des Landes weiter in den Fokus geraten. Die Hürriyet gehört dabei zu den wenigen Zeitungen im Land, die kritisch über die Politik über die Regierung und Präsident Erdoğan berichtet, erklärt [i]Spiegel Online[/i]. (mho)