Yahoo auf der Jagd nach Sachverstand

Der frĂĽheren Technikchef des Enterprise-Search-Anbieters Verity, Prabhakar Raghavan, arbeitet seit Juli als Forschungsleiter bei Yahoo.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 7 Min.
Von
  • Wade Roush
Inhaltsverzeichnis

US-amerikanische Websurfer nutzen zu 80 Prozent eine von drei Suchmaschinen: Google, die der Microsoft-Tochter MSN sowie Yahoo. Und weil das so ist, ist die auf Suchbegriffe abgestellte Werbung, das so genannte Keyword-Advertising, bei diesen drei Anbietern besonders teuer. Kein Wunder also, dass sich die Unternehmen seit über zwei Jahren ständig um den ersten Platz in diesem aufstrebenden Markt bekriegen. Mit immer neuen Kostenlos-Diensten (von Toolbars über Weblog-Dienste bis hin zu E-Mail-Diensten mit riesigem Speicherplatz) versuchen die Anbieter, aus gelegentlichen Benutzern Dauergäste zu machen.

Bei der Entwicklung neuer Web-Technologien liegt eine der drei Firma derzeit noch hinter den beiden anderen. Erstaunlicherweise handelt es sich dabei nicht um Microsoft -- Yahoo hat Nachholbedarf.

Bei Google ist der Bereich Forschung und Entwicklung fest in die DNA der Firma integriert -- Softwareingenieure dürfen beispielsweise 20 Prozent ihrer Zeit mit der Arbeit an eigenen Ideen verbringen, die gerne auch etwas verrückt sein können. Aus diesem Prinzip entwickelten sich bereits zahlreiche neue Google-Dienste, etwa Orkut und Google Suggest. Microsoft steckt derweil enorm viel Geld in Forschungsprojekte - Datamining, Informationsaufbereitung oder auch Systeme, die Web- und Festplatte gleichzeitig indizieren, bevor der Nutzer etwas davon merkt, gehören dazu. Für Yahoo waren solche Grundlagenarbeiten bislang weniger interessant -- obwohl sie dazu dienen könnten, neue Dienste zu entwickeln. Bis vor zwei Jahren hatte das Portal noch nicht einmal eine eigene Suchmaschine -- man mietete die von Google.

Doch solche Zustände ändern sich nun -- und zwar erstaunlich schnell. Im Juli holte Yahoo den früheren Technikchef des Enterprise-Search-Anbieters Verity, Prabhakar Raghavan, in sein Unternehmen. Als Forschungsleiter soll er nun eine Abteilung von 40 Personen anführen, die Yahoo in seinem Hauptquartier in Sunnyvale beschäftigt.

Raghavan, der selbst das Wissenschaftsjournal "Journal of the Assoiciation for Computing Machinery" herausgibt, hat Yahoo Research durch einige wichtige neue Mitarbeiter schnell bekannt gemacht. Suchspezialisten wie Andrew Tomkins vom IBM-Almaden Research Center, den das Fortune-Magazin einmal als einen der "Golden Geeks" bei dem IT-Giganten bezeichnete, gehört dazu. Doch der Textanalyse-Spezialist ist nicht der einzige Top-Forscher, den Raghavan anlocken will, wie Yahoos Chief Data Officer Usama Fayyad sagt: "Prabhakar hat es in einer nur zweieinhalb Monate dauernden Rekrutierungsphase geschafft, Top-Talente im Bereich Suche und Social Media anzulocken."