Fahrdienstvermittler Uber probt die Charmeoffensive

Uber gilt als rotes Tuch für die Taxibranche. Und das nicht ganz ohne eigenes Zutun. Der neue Chef von Uber Deutschland unternimmt nun eine Kehrtwende – und schlägt überraschend partnerschaftliche Töne an.

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Fahrdienstvermittler Uber probt die Charmeoffensive

(Bild: dpa, Britta Pedersen/Archiv)

Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Renate Grimming
  • dpa
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Es ist schon eine Kunst, sich in so kurzer Zeit so viele Feinde zu machen. Dem umstrittenen Fahrdienstvermittler Uber ist es gelungen – und das weltweit. Doch seit kurzem will das kalifornische Startup "everybody's darling" sein. In Deutschland versucht Uber mit einer Charmeoffensive, juristische Niederlagen vergessen zu machen. Der jüngste Schritt: Uber präsentiert sich als Partner der Taxifahrer und will ihnen etwa mit UberTaxi eine legale Plattform bieten. Probt das Unternehmen nun die Revolution durch die Hintertür?

Das von den Taxiverbänden scharf attackierte Angebot UberPop ist in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien und Spanien vom Tisch. Im April wurde in Deutschland UberPop eingestellt, der private Fahrer an Fahrgäste per Smartphone-App vermittelt hatte. An seine Stelle trat UberX, mit dem das Unternehmen alle rechtlichen Auflagen zur Personenbeförderung erfüllt. Partner sind bestehende Mietwagenunternehmer.

Online-Mitfahrdienst Uber
Handy-Apps «Uber» und «Taxi Berlin»

Teilen statt Besitzen: Der Mitfahrdienst Uber gilt wie der Zimmervermittler AirBnB allen Protagonisten der Sharing Economy als erfolgreiches Vorbild. Doch ist der Dienst sehr umstritten, Geschäftsmodelle wie die von Uber und Airbnb stellen Politik und Wirtschaft vor neue Herausforderungen.

Und es gebe auch keine Pläne für einen Relaunch von UberPop, versichert Christian Freese, der frischgebackene Deutschland-Chef des Unternehmens. Dennoch geht Uber offenbar gegen das am Landgericht Frankfurt erwirkte Verbot vor. Nach Angaben der Genossenschaft Taxi Deutschland ist für Juni 2016 ein Gerichtstermin am Oberlandesgericht für die Berufung von Uber angesetzt.

Vor allem Berufsverbände, aber auch einzelne Taxi-Unternehmer waren teils erfolgreich vor Gericht gezogen. Sie werfen Uber wettbewerbswidriges Verhalten und rücksichtslose Geschäftsmethoden vor. Erst vor gut zwei Wochen demonstrierten hunderte Taxifahrer gegen den Fahrdienstvermittler in Brüssel. Auch deutsche Taxiunternehmen waren dabei. "Wir wollen den Wettbewerb, aber wir wollen ihn zu fairen und gleichen Bedingungen für alle Marktteilnehmer", sagte Michael Müller, Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands in Frankfurt.

Dass sich Bestimmungen für das Taxigewerbe und für den Personennahverkehr in Deutschland nicht einfach aushebeln oder umgehen lassen, hat Uber bei aller Kritik längst erkannt. Hierzulande ist das Unternehmen nun mit Angeboten wie dem Limousinen-Service UberBlack sowie UberX mit Fahrern mit Personenbeförderungsschein vertreten. Mit UberTaxi will das Unternehmen ganz gezielt traditionelle Taxifahrer für die eigene Plattform gewinnen.

Gerade in Städten wie Berlin gebe es einen großen Bedarf, der von den verfügbaren Taxis nicht mehr gedeckt werden könne, sagt Freese. Die Uber-App ermögliche es Fahrern, ihre Leerzeiten zu verringern. "Damit können alle profitieren", ist Freese überzeugt. Normal sei für Taxifahrer eine Fahrt pro Stunde, mit der App könne dieser Schnitt auf zwei bis drei Fahrten erhöht werden.

Manche Taxiverbände möchten solchen Rechnungen nicht ganz folgen und wittern weiterhin die Kannibalisierung des Marktes mit unlauteren Mitteln. "Dass Uber kein ehrlicher Partner ist und den puren Plattformkapitalismus lebt, hat das Unternehmen mehrfach bewiesen", sagt Anja Floetenmeyer, Sprecherin von Taxi Deutschland. Der genossenschaftliche Zusammenschluss betreibt die gleichnamige Smartphone-App. Traditionelle Taxizentralen vermittelten Fahrten pauschal für monatlich rund fünf Prozent Provision, Uber nehme dagegen 20 Prozent, so Floetenmeyer. "Uber strebt also erneut ein Maximum an Profit auf dem Rücken von Taxifahrern an: Hier ist der Flop programmiert."

Freese, der das kalifornische Unternehmen in Deutschland seit dem 1. September vertritt, gibt sich derweil zuversichtlich. Man wolle nun Taxifahrer gezielt ansprechen. "Wir haben in Deutschland bereits viele Taxen, die unsere Plattform nutzen", sagt Freese. Allein in der Hauptstadt verwendeten bei rund 8000 verfĂĽgbaren Taxis rund 1000 bis 1500 Fahrer die Uber-App fĂĽr die Fahrgastsuche. In der Regel werde sie parallel zu anderen Vermittlungsdiensten im Auto eingesetzt, sagt Freese. Davon profitierten die Fahrer unmittelbar.

Ob die Strategie aufgeht, die Taxifahrer als die neuen Partner zu deklarieren, bleibt abzuwarten. Freese ĂĽbernahm keinen leichten Job bei Uber und wird mit vielen Altlasten noch eine Weile leben mĂĽssen. Die teils aufgeheizte Stimmung in der Taxibranche sei zu einem guten Teil der Vergangenheit geschuldet, sagt Freese. MitgrĂĽnder Travis Kalanick hatte noch vor anderthalb Jahren einem "Arschloch namens Taxi" den Kampf angesagt und damit vielfach verbrannte Erde hinterlassen.

Freese probiert nun den Kuschelkurs mit dem Taxigewerbe. Auch bei der Einführung von UberPop sei es damals eigentlich darum gegangen, einen Gedanken aus dem zwischenstädtischen Raum in die Städte zu bringen, sagt er. "Wir haben sehr viele Ressourcen in der Stadt stehen." Die Angebote sollten den Verkehr entlasten und das Angebot erweitern.

Derweil hat das bei einer jüngsten Finanzierungsrunde laut Medienberichten mit 50 Milliarden US-Dollar bewertete Startup schon ganz andere Märkte im Visier. Eine Milliarde US-Dollar will Uber in China investieren. Zuletzt kündigte Uber den Dienst UberCommute an, der in Chengdu konkret die zahlreichen Pendler ansprechen soll. Es ist eine Mitfahr-App, Fahrgäste können über die App sehen, wer gerade in die passende Richtung unterwegs ist und sich gegen eine Kostenbeteiligung mitnehmen lassen. Dieses Konzept ließe sich in der Zukunft sicher auch in anderen Städten mit großem Pendleraufkommen übernehmen, etwa in München oder Frankfurt, sagt Freese. (anw)