Internet2: Deutsches Gigabit-Wissenschaftsnetz ĂĽbergeben
In Anwesenheit von Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn nahm der DFN offiziell das deutsche Internet2, das Gigabit-Wissenschaftsnetz, in Betrieb.
In Anwesenheit von Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn nahm der Verein zur Förderung eines Deutschen Forschungsnetzes (DFN) am heutigen Freitag offiziell das deutsche Internet2, das Gigabit-Wissenschaftsnetz (G-Win), in Betrieb. Gegenüber dem Vorgänger, dem Breitband-Wissenschaftsnetz (B-Win), steigert es die Übertragungsraten im Kernnetz von 622 MBit/s auf 2,5 bis 10 GBit/s. Den Hochschulen und Forschungseinrichtungen stehen statt bisher höchstens 155 MBit/s nunmehr Spitzenanschlussraten von 622 MBit/s zur Verfügung. Die Transatlantikkapazität beträgt in der Startphase 1,24 GBit/s; die Verbindung in den europäischen Wissenschaftsbackbone wird bis zum Herbst auf 622 MBit/s ausgebaut.
"Damit hat Deutschland das vielgelobte amerikanische Internet2 technisch überholt", zeigte sich Bulmahn überzeugt. "Mit dem neuen Gigabit-Netz setzen wir uns an die internationale Spitze der Internettechnologie". In Europa ist es das erste nationale Netz der Internet2-Leistungsklasse – und das Abilene-Netz in den USA, meint der DFN-Vorsitzende, Professor Eike Jessen, "dürfte es in der Zahl der angeschlossenen Wissenschaftseinrichtungen und im transportierten Volumen übertreffen".
Ăśber das B-Win wickelte der DFN-Verein zuletzt ein Datenvolumen von mehr als 200 Terabyte pro Monat ab, was im Mittel je Benutzer und Arbeitstag den Transport einer CD-ROM entspricht. Bis zum Jahr 2004 wird das Transfervolumen voraussichtlich auf 6000 Terabyte pro Monat anwachsen.
Das G-Win basiert auf optischer Wellenlängen-Multiplex-Technik (Wavelength Division Multiplexing WDM), bei der zur Übertragung auf einer Glasfaser Licht verschiedener Wellenlängen verwendet wird. Jede Wellenlänge dient dabei als Träger von 2,5- oder 10-GBit/s-Zeitmultiplex-Datenströmen nach dem SDH-Verfahren (Synchronous Digital Hierarchy), das für die strukturierte Übertragung der Daten sorgt. Durch das Hinzufügen weiterer Wellenlängenträger lässt sich die Kapazität ohne Neuverlegung von Glasfasern weiter steigern. Eike Jessen erwartet daher, "dass das G-Win für wenigstens fünf Jahre mit den Anforderungen der deutschen Wissenschaft wachsen kann", und das "voraussichtlich ohne Kostensteigerung".
Auf der von der Deutschen Telekom verwalteten SDH/WDM-Plattform bietet der DFN-Verein den angeschlossenen Hochschulen und Forschungseinrichtungen neben schnellen Internet-Zugängen (DFN-IP) auch ATM-Anschlüsse (DFN-ATM) zur flexiblen Bandbreitennutzung auf der Basis des Asynchronen Transfer Modus mit Quality-of-Service-Garantien an. Außerdem kommen die Einrichtungen in den Genuss von Punkt-zu-Punkt-Verbindungen garantierter Bandbreite (DFN-Connect) zur Kopplung von Superrechnern. Die 27 Kernnetzknoten des G-Win sind jeweils über zwei unabhängige Glasfaser-Verbindungen miteinander gekoppelt, sodas die Telekom eine Verfügbarkeit von 99,9 Prozent garantiert. (Richard Sietmann) (jk)