Herbstoffensive

Pünktlich zur Bostoner MacWorld schmeißt Apple mal wieder seine Produktpalette um. Wo die neuen Schreibtisch-Maschinen - zwei Performas mit PCI-Bus, getunte Power Macs und ein Multiprozessormonster - noch in diesen Wochen auf den Markt kommen sollen, lassen die tragbaren Novitäten noch etwas auf sich warten.

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Waren die bisher erschienenen Performa-Modelle eher halbherzige Konstruktionen - kastrierter Speicher-Bus, Spar-Prozessor und Billig-Platte - langt Apple mit den vier neuen Modellen in die vollen: Taktfrequenzen nicht unter dem Flugfunk-Bereich, milliardenschwere Platten und volle Online/Internet-Tauglichkeit standen im Pflichtenheft der Modellreihe. Damit sind die Geräte auch für jene anspruchsvolle Klientel interessant, die sich bislang für die teureren Power Macs der Serie 7200 entscheiden mußten.

Als einziges Gerät der bisherigen Performa-Serie wird das 6300er Desktop-Modell in einer aufgepeppten Version als 6320/120 überleben; für den Einsatz in Schulen bleibt zusätzlich der All-In-One 5260/100 (mit 14"-Röhre) erhalten. Zwei der Neuen positioniert Apple im Wohnzimmer: das schwarze Luxusmodell 5400/180 für rund 4500 DM und den Familien-Mac 5400/160 für 3800 DM, jeweils mit eingebautem 15"-Farbmonitor. Der erste Tower unter den Performas überhaupt ist der 6400, der laut Apple für den Small-Office-Bereich prädestiniert ist. Zwei Ausführungen kommen Ende August auf den Markt: der 6400/180 für 3500 DM und der 6400/200 für 4200 DM - ohne Monitor wohlgemerkt.

Alle Geräte werden 'Internet-Ready' geliefert - ein 28,8er GeoPort-Modem ist eingebaut, das Apple Internet Connection Kit 1.15 samt Claris EMailer Lite und Netscape-Browser 2.02 beigelegt. Fertige Scripts erlauben die 'Einknopf-Installation' zum Zugriff auf Europe Online, Eunet, Internet Services, das österreichische Magnet und die Schweizer Dienste spectra WEB und Swiss Online.

Traditionell arbeiten in den PowerPC-Performas Motorola-Prozessoren vom Typ PPC603, die in einer aufgebohrten Ausführung als 603ev mit verdoppeltem Cache bei gleichem Takt etwa 70 Prozent der Leistung des (wesentlich teureren) 604e erreichen. Das angesehene US-Fachblatt 'Microprocessor Report' vergleicht den 603ev in der Performance mit Intels Pentium, den 604e der Profi-Modelle (siehe unten) mit dem Pentium Pro. Die Zahl nach der Modellbezeichnung gibt wie üblich die Taktfrequenz des Prozessors an. Der Bustakt beträgt laut Datenblatt dagegen durchgängig 40 MHz. Alle Geräte werden mit 16 MByte RAM (8 aufgelötet, 8 als DIMM) ausgeliefert. Zwei DIMM-Steckplätze erlauben die Erweiterung auf maximal 136 MByte, die Verwendung von derzeit noch knappen 64-MByte-Modulen vorausgesetzt. Freude kommt beim eingebauten CD-ROM-Laufwerk mit achtfacher Geschwindigkeit auf. Leider verwendet Apple bei den neuen Performas wieder die billigen und mit der restlichen Mac-Welt inkompatiblen IDE-Platten, obwohl ein Standard-SCSI-Port eingebaut ist.

Als Neuheit verkauft Apple die 'SRS 3D Surround Sound Technologie'. Hinter diesem Wortungetüm verbirgt sich eine elektronische Stereo-Basisverbreiterung und ein zusätzlicher Mono-Subwoofer, Features also, die jeder bessere Ghetto-Blaster seit Jahren aufweist. Die üblichen Multimedia-Zutaten (16-Bit-Audio, Mikrofon, QuickTime) sind natürlich ebenso vorhanden.

Der 5400/160 wie auch der samtschwarzfarbene 5400/180 erinnern in ihren Kompaktgehäusen noch etwas an den zwölf Jahre alten Ur-Mac. Der 5400/180 bietet neben der höheren Taktfrequenz nur eine größere Festplatte (1,6 statt 1,2 GByte) und einen eingebauten TV-Tuner samt Video-Eingang. Die Tastaturkappen hat man beim 'Schwarzen' zum Glück nicht RAL-grau belassen, sondern ebenfalls schwarz eingefärbt. Die eingebaute 15"-Röhre stellt bis zu 1024 x 768 Bildpunkte bei nur 8 Bit Farbtiefe und 72 Hz Bildfrequenz dar, 'Tausende' Farben sind bei 800 x 600 Pixeln sowie bei der ernüchternden VGA-Auflösung von 640 x 480 drin. Will man einen externen Monitor anschließen, etwa für ein Präsentationssystem, benötigt man - wie schon bei den Vorfahren - einen speziellen Adapter, da der Video-Ausgang nicht herausgeführt wurde. Der 1-MByte-Video-Speicher ist leider nicht erweiterbar. Zum Glück gibt es aber wenigstens einen 7"-PCI-Slot, womit die Erweiterung um einen besseren Video-Adapter, Apples PC-Karte oder einen Ethernet-Anschluß gewährleistet ist. Apropos Erweiterung: auch bei den neuen Performas kann man das Mainboard nach Lösen einer 'Heckklappe' komplett herausziehen und kommt dann bequem an die Steckplätze heran.

Durch die etwas großzügigeren Platzverhältnisse brachte Apple im rundlichen Tower-Gehäuse des 6400 zwei PCI-Slots unter. In der 180er Ausführung rauscht eine 1,6-GByte-Platte, während der 6400/200 mit 2,4 GByte Kapazität besticht. Allein das Spitzenmodell besitzt einen eingebauten, 256 KByte großen L2-Cache. Bei den drei anderen muß man ein solches Modul für rund 170 DM nachrüsten, will man auf die rund zehn Prozent Mehrleistung, die man damit herausholt, nicht verzichten. Im Gegensatz zu den Kompaktmodellen ist beim 6400 nur ein Mono-Lautsprecher eingebaut. Dieser arbeitet normalerweise als Breitbandsystem, wird aber zum Subwoofer umgeschaltet, sobald man externe Boxen (nicht im Lieferumfang) am Audio-Ausgang betreibt. Dann kommt man auch in den Genuß des oben erwähnten 'Surround'-Sounds. 16 MByte Hauptspeicher sind auch hier nicht üppig, aber doch meist ausreichend. Eine Video-In-Option wird bei beiden Türmen vorerst nicht angeboten.

Auf fast jeder Veranstaltung in letzter Zeit beteuerten Apples Produktmanager, daß man die massiven Probleme mit einigen PowerBook-Reihen inzwischen im Griff habe und daß die Geräte nun alle Qualitätsanforderungen erfüllen. Daher konnte man sich an ein neues Notebook-Projekt wagen: Das Gerät trägt noch den Codenamen Epic, soll weniger als 4000 DM kosten und im Spätherbst auf den Markt kommen. Es ist das erste PowerBook, das sich mit einem CD-ROM-Laufwerk ausrüsten läßt. Ein entsprechendes Modul kann man anstelle des Floppy-Laufwerks im 'Expansion Bay' verankern. Erweiterungsplätze für PCMCIA-, Video- und Ethernet-Karten sind vorhanden. Über die Taktfrequenz des PowerPC-Prozessors wollte man aber noch keine Angaben machen. Das mit 11,3" Diagonale bisher größte PowerBook-LC-Display (FSTN- oder TFT-Technologie) beherrscht die High-Color-Darstellung. Mindestens 12 MByte RAM und eine 1,2-GByte-Festplatte sind weitere Ausstattungsdetails.

Im Rahmen der Neuvorstellungen hat Apple auch mal wieder höher getaktete Power Macs und andere Modellkonfigurationen angekündigt. Den Weg nach Deutschland werden allerdings nicht alle neuen Geräte finden - US-Kunden bleibt eine 120-MHz-Version des Power Macintosh 7200 sowie eine Bundle-Variante samt PC-Kompatibilitätskarte vorbehalten.

Hierzulande gelangen voraussichtlich noch im August schnellere und besser ausgestattete Varianten der Power Macs 8200, 7600, 8500 und 9500 in die Händlerregale. Die derzeit aktuellen Modelle werden bis September zu 'Schnäppchenpreisen' verramscht (einige Beispiele: 7200/90/8 MByte für 2500 DM, 7600/120 für 4900 DM und 8500/150 für 7000 DM, jeweils mit 16 MByte RAM).

Alle Power Macs, die ab sofort hergestellt werden, haben ein CD-ROM-Laufwerk mit achtfacher Umdrehungszahl und eine RAM-Mindestausstattung von 16 MByte gemein - auch die kleinen Geräte, die bis vor kurzem noch mit nur 8 MByte auskommen mußten. Die Verdopplung dürfte nicht allein auf die gefallenen Speicherpreise zurückzuführen sein: den Power Macs 8200 und 7600 liegt ab sofort eine OEM-Version des MS Office bei, und das läuft ja bekanntlich erst ab 16 MByte RAM. Microsoft hat das Rennen gegen Star Division also offensichtlich gewonnen (die Hamburger hatten sich um eine Bundling-Vereinbarung für ihr Star Office bemüht).

Vom 8200 bis hoch zum 9500 werden außerdem alle Modelle mit höheren Taktfrequenzen betrieben; endlich verbaut auch Apple den PowerPC 604e, der mit 64 KByte First-Level-Cache (je 32 für Daten und Instruktionen) doppelt so viel vorweist und höhere Taktfrequenzen verträgt als sein Vorgänger. Das Flaggschiff 9500 kommt auf Wunsch gar mit einer Dual-Processor-Karte, die einem Agreement zwischen Daystar und Apple entspringt: der Lizenznehmer hat die Hardware entwickelt, Apple fördert die Entwicklung MP-tauglicher Software.

Die CPU-Karte will man Besitzern der 8500- und 9500-Modelle auch einzeln anbieten (die Netzteile der 7500er und 7600er dĂĽrften der Belastung nicht standhalten); Preise hierzu standen noch nicht fest. Eine Prozessorkarte mit 250 MHz soll in wenigen Monaten folgen. (se) (ha)