Eine Zukunft ohne Handys

Keine Hoverboards, keine fliegenden Autos, kein Flux-Kompensator – würde sich Marty McFly heute langweilen?

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Keine Hoverboards, keine fliegenden Autos, kein Flux-Kompensator – würde sich Marty McFly heute langweilen?

Der 21. Oktober 2015 ist kein gewöhnlicher Tag. An diesem Tag klettert ein gewisser Marty McFly aus einem DeLorean mit Flux-Kompensator und schaut sich staunend um: Ein Hai-Hologramm schnappt nach ihm, Autos fliegen ihm um die Ohren, und die Skateboards haben ihre Räder eingebüßt.

Als ich den 1989 gedrehten Streifen „Back to the Future II“ zum ersten Mal gesehen habe, schien mir 2015 noch sehr, sehr weit weg. Nun ist sie also da, die Zukunft. Schade: Kein Flux-Kompensator, nirgends. Ein klassischer Fall von überzogenem Techno-Optimismus, sollte man meinen. Doch die Sache ist etwas interessanter: „Ich mag eigentlich gar keine Filme über die Zukunft“, gestand Regisseur Robert Zemeckis einmal. „Man kann sie eigentlich nur falsch vorhersagen. Deshalb haben wir uns entschlossen, sie nicht ernst zu nehmen.“ Und so spielten die Macher mit allen Klischees des Futurismus: fliegende Autos, seltsame Sonnenbrillen, lebensverlängernde Schönheits-OPs.

Trotzdem lagen sie bei einige Dingen durchaus richtig: So können die Zeitgenossen des Jahres 2015 tatsächlich per Daumenabdruck ihre Haustür öffnen oder die Taxirechnung bezahlen. Auch Smartwatches, Kameradrohnen, Häuser mit Sprachbedienung – all das hatten die Macher korrekt auf dem Schirm.

Zum Teil war der Film auch eine selbsterfüllende Prophezeiung. Das US-Startup Arxpax sowie der Autobauer Lexus haben beispielsweise funktionierende Hoverboards gebaut. Dass sie nur auf speziellen Bahnen schweben können – geschenkt, schließlich funktionieren die Hoverboards in Marty McFlys Parallel-2015 auch nicht über Wasser.

Auch Nike wollte auf der Marketing-Welle mitschwimmen und zeigte schon früh ein Design-Modell der selbstschnürenden Sneaker. Doch an einer Version mit funktionierenden „Power Laces“ hat sich der Konzern offenbar verhoben.

Viel spannender finde ich allerdings die Fälle, in denen die Macher die technische Entwicklung nicht über- sondern unterschätzt haben. Zum Beispiel beim Faxgerät: Es ist im Film nicht etwa verschwunden, sondern hat sich vervielfältigt. Als Marty McFlys älteres Ego seine Kündigung erhält, quillt aus praktisch jeder Ritze seines Hauses eine Papierfahne mit den Worten: „You are fired!“ Die Logik war Ende der Achtziger wohl: Wenn heute in praktisch jedem Haushalt ein Faxgerät steht, sind es in dreißig Jahren halt ein Dutzend.

Das Handy taucht bemerkenswerterweise gar nicht auf. Beim ersten Auftritt von Marty McFlys Sohn steuert der erstmal eine Telefonzelle an, um jemanden anzurufen. Dabei gab es 1989 schon seit Jahrzehnten analoge Mobilfunknetze, und die Einführung von GSM stand in gerade einmal zwei Jahren bevor. Wahrscheinlich hat der Film noch sehr viel mehr solcher Leerstellen, die ich übersehen habe. Sie fallen halt nicht so ins Auge wie fliegende Autos.

Also: Ab ins Kino, noch mal alles genau anschauen! So nah kommen wir der Zukunft nie wieder. (grh)