Mehr, s’il vous plaît!

Unser Projekt ‘Sound & Vision Platform’ (S.V.P.) verdrängt HiFi-Türme und Videorecorder aus den Wohnzimmern. Doch im Unterschied zur Unterhaltungselektronik von der Stange lässt es auch Raum für eigene Ideen. Damit wurden wir in Zuschriften geradezu überschüttet.

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Inhaltsverzeichnis

Die Fernbedienung stellte nicht nur für uns einen Knackpunkt des Projekts dar, auch viele E-Mails drehten sich um dieses Thema. Ein wichtiger Hinweis betrifft den IR-Receiver: Siemens stellt das in [2] beschriebene IR-Modul, wie bereits früher berichtet, nicht mehr her. Daher sind wir auf das Modell TSOP 1738 von Vishay umgestiegen (erhältlich etwa bei Reichelt Elektronik oder Segor Electronics); eine Liste anderer kompatibler Modelle findet sich unter www.lirc.org/receivers.html.

Die in [1] abgebildete PDA-ähnliche Fernbedienung ‘Mosaic’ könnte man durch einen Organizer (mit IR-Emitter) ersetzen, wie c't-Leser Frank Engel treffend anmerkte. Allerdings sind die in Handhelds eingebauten IR-Dioden nur zum Datenaustausch nach IrDA-Standard gedacht und sollen demnach nur einen Meter Distanz überbrücken; manche PDA-Besitzer berichten in einschlägigen Foren freilich von bis zu drei Metern Reichweite. Zudem arbeitet IrDA bei 875 nm Wellenlänge, gewöhnliche Fernbedienungen hingegen mit 950 nm.

Trotzdem funktionierts mit IrDA. Wegen des sehr engen Abstrahlwinkels (circa 5°) der IrDA-Dioden muss man den IR-Empfänger der c't S.V.P. aber sehr genau anpeilen. Da die entsprechenden Programmpakete [3, 4] für Pocket PC und Palm als Trial-Versionen verfügbar sind, sollte man es auf einen Versuch ankommen lassen. Mittels LIRC können auch Linux getriebene iPAQs zur Fernbedienung umgerüstet werden.

Besitzer einer Hauppauge WinTV(-PVR) brauchen unseren IR-Receiver gar nicht: c't-Leser Thomas Schindler wies uns auf das Programm IR-Setup [5] hin, mit dem sich die mitgelieferte Fernbedienung an andere Applikationen anpassen lässt.

Wer zum Anschluss zusätzlicher Peripherie nicht hinter das HiFi-Rack kriechen möchte, kann die wichtigsten Schnittstellen der c't S.V.P. mittels Frontanschluss-Terminal in einen 5,25-Zoll-Einbauschacht verlegen. Unter anderem bei Pearl gibt es derartige Breakout-Boxen für knapp 30 Mark (3 x Klinke, Gameport, 2 x USB, Lautstärkeregler, 1 x PS/2). Nachteil: Bei angeschlossenen Geräten muss die Frontklappe geöffnet bleiben, das mindert die Lärmdämmung.

Das Flachdisplay unseres Musteraufbaus schlug mit 1000 Mark zu Buche - aber im Fachhandel finden sich auch preisgünstigere Mini-TFTs für 300 bis 600 Mark. Sie sind aber meistens für ‘Standardvideoquellen’ gedacht, erwarten also ein Videosignal über Cinch oder S-Video. Man kann sie zwar statt des Fernsehers oder parallel dazu am TV-Ausgang der Grafikkarte betreiben, doch die Auflösung reicht nicht für ein augenfreundliches Bild.

Da empfiehlt es sich eher, ganz auf das Extra-Display zu verzichten und nur den Fernsehbildschirm zu benutzen. Wer hingegen bereit ist, etwas mehr auszugeben, der kann beispielsweise ein 15"-TFT als ‘Deckel’ auf die c't S.V.P montieren.

An Sparideen mangelt es nicht. Zwar lässt sich ein ausrangierter, altersschwacher PC nicht zur S.V.P. mit vollem Funktionsumfang aufrüsten, doch wer nur auf einen Teil der Features Wert legt, kann so viel Geld sparen. Einige Recycling-Künstler schrieben uns, dass sie ihre PCs der 100- bis 150-MHz-Klasse erfolgreich zum MP3-Server/Player umfunktioniert haben. Solche PCs sind etwa bei eBay für weniger als eine Mark/MHz zu bekommen.

Wer Wert auf Fernbedienbarkeit legt, sollte allerdings zu mindestens 200 MHz greifen, da WinLIRC bereits eine 150-MHz-CPU verlangt (sonst klappt es mit der zeitlichen Auflösung der Interrupt-gesteuerten IR-Signale mitunter nicht). Mit einem Decoder-Board ist bei solchen PCs sogar flüssige DVD-Wiedergabe möglich. Mal eben eine Audio-CD in MP3 zu konvertieren, geschweige denn die minimalistische S.V.P. als digitalen Videorecorder zu verwenden, kann man sich aber abschminken.

Dem Manko der fehlenden Bedienoberfläche kann man außer mit dem in [1] erwähnten ShowShifter auch anders beikommen. Ob im Active Desktop eingebettete Links zum Programmstart oder einfache mit Visual Basic programmierte GUIs als Shell-Ersatz - der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Das von einigen Lesern vorgeschlagene ‘DivXOS’ kommt aber in seiner derzeitigen Form nicht in Frage, weil der Funktionsumfang zu stark eingeschränkt ist.

Damit sich Fans von Wohnzimmer-PCs besser untereinander austauschen und ihre Ideen zur Diskussion stellen können, richten wir auch für dieses Projekt unter [7] ein Forum ein und stellen alle S.V.P.-Artikel ins Netz. Dort werden wir auch die eventuell notwendigen Ergänzungen und Berichtigungen nachtragen. (vza)

[1] Dr. Volker Zota, Peter Röbke-Doerr, Christof Windeck, Maestro ... Musik und Video, s’il vous plaît, c't 20/01, S. 146

[2] www.heise.de/ct/00/18/208/

[3] OmniRemote für Palm

[4] PalmRemote für PalmOS und Windows CE

[5] http://www.ir-setup.de.vu

[6] www.dudleysoft.f2s.com/wotv.php3

[7] www.heise.de/ct/projekte/ (vza)