Wasser des Lebens

Abfallprodukte aus der Whiskey-Produktion sollen radioaktiven Müll binden. Dreimal dürfen sie raten, woher die Idee kommt.

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Abfallprodukte aus der Whiskey-Produktion sollen radioaktiven Müll binden. Dreimal dürfen sie raten, woher die Idee kommt.

Es wird kalt, es wird neblig, es wird früh dunkel. Es gibt Menschen, die wappnen sich gegen die gefürchtete November-Depression mit einem guten Glas Whiskey am Kaminfeuer. Das daraus resultierende schlechte Gewissen - wegen der gesundheitlichen Folgen - kann man sich jetzt noch besser wegargumentieren. Denn Whiskey hilft nicht nur, die Welt in einem sanfteren Licht zu sehen. Er könnte zukünftig auch helfen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Zumindest zu einem weniger strahlenden.

Kein Scherz: Die BBC meldet, dass schottische Wissenschaftler untersuchen, ob sich Abfälle aus der Whiskey-Produktion dazu eignen, radioaktive Stoffe im Grundwasser zu binden. Die Forscher aus dem Environmental Research Institute in Thurso hoffen, damit auch verseuchtes Grundwasser aus dem Einzugsbereich des Dounreay Shaft reinigen zu können.

Das ist ein 65 Meter tiefer Schacht an der schottischen Nordküste, der für die Entsorgung von Atommüll aller Art verwendet worden ist. Zur "Abschirmung" der Radioaktivität wurde der Schacht über einen Tunnel mit der nahen See verbunden. Der Müll sollte so von einer Schicht Meerwasser überdeckt werden. Die zweifelhafte Entsorgungspraxis lief, gedeckt von zahlreichen Geheimhaltungsvorschriften, von 1959 bis 1977. Dann flog den Betreibern der Schacht im wahrsten Sinne des Wortes um die Ohren - eine Explosion, die wahrscheinlich durch die Reaktion von Kalium mit Meerwasser ausgelöst wurde, hob den massiven Betondeckel des Schachtes ab und ließ ihn meterweit durch die Luft fliegen. Öffentlich bekannt wurde der Vorfall erst 1995.

Leider hat es sich als viel schwieriger erwiesen, das radioaktive Zeug wieder aus dem Schacht rauszukriegen, als es reinzukippen. Zumal Teile des Inventars sich mit dem Grundwasser schon fröhlich in der Umgebung verteilt haben. Biologische Filter könnten nun helfen, radioaktive Schwermetalle wieder einzufangen.

Ganz neu ist die Idee nicht. Weltweit forschen Teams an der "Biosorption", der Fähigkeit biologischer Materialien, Schwermetalle selektiv aus dem Boden beziehungsweise Grundwasser zu filtern. Neben Getreide-Abfällen kommen dabei auch Kaffeesatz, Schalen von Krustentieren oder oder Algen zum Einsatz. Und nun eben auch der Abfall aus der Whiskey-Produktion.

Vielleicht sollten wir von den Schotten lernen. Probleme mit radioaktivem Grundwasser haben wir ja auch bei uns ganz in der Nähe - im Asse-Schacht bei Wolfenbüttel. Nur Whiskey-Destillerien gibt es hier nicht so viele. Obwohl, im Harzfangen sie jetzt auch schon mit dem Brennen von Whiskey an. Vielleicht laufen die sich schon mal warm für die Sanierung der Asse. Hat da jemand Schnapsidee gesagt? Ich muss doch sehr bitten. Das hier ist ein seriöser Wissenschaftsblog.

(wst)