Firmen im Fokus
Hier und da wird auch der Privatnutzer fĂĽndig, doch die meisten Softwarehersteller konzentrieren sich auf die Anwender in Unternehmen.
Microsoft verteilt 100 000 CDs mit einer Probierversion von Office 2003, die Dokumente nur noch öffnen und drucken, aber nicht mehr ändern, neu erstellen oder speichern kann, wenn man sie nicht innerhalb von 60 Tagen in eine Vollversion verwandelt. Office-Anwender im Netz soll Microsoft Live Communications Server 2005 zur „Echtzeit-Zusammenarbeit“ bewegen, indem er Word, Excel, Outlook & Co. mit Videotelefonie- und Instant-Messaging-Funktionen verbindet - auf Basis des Windows Server 2003, versteht sich. In Hannover wird man erstmals die deutsche Version des LCS ausprobieren können, die noch in der ersten Jahreshälfte auf den Markt kommen soll.
Sun zeigt sein Java Desktop System, das Open-Source-Projekt „Looking Glass“ - eine neuartige 3D-Oberfläche in Java, die Anwendern völlig neue Möglichkeiten bei der Arbeit mit Desktop-Anwendungen einräumen soll - und gewährt erste Einblicke in Version 8 von StarOffice für Windows, Linux und Solaris, die für den Sommer angekündigt ist und bis dahin als Betaversion zum Download bereitsteht (siehe Soft-Link). Die Oberfläche lehnt sich stärker als bisher an Microsofts Office-Paket an. Ein Datenbank-Frontend, mit dem man unter anderem auf SQL-, ODBC- und dBase-Quellen zugreifen kann, erweitert das Anwendungspaket aus Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentations- und Zeichensoftware. Mit dem „Configuration Manager“ lässt sich das Paket zentral auf Benutzer- und Gruppenebene anpassen und verwalten. Für die bis auf Rechtschreibkorrektur und Thesaurus identische Open-Source-Variante OpenOffice 2.0, deren Betaversion im Linuxpark zu sehen ist, wird es dieses Tool nicht geben.
Mit IBM, Microsoft, MySQL, der Software AG und Sybase sind alle bedeutenden Datenbankhersteller vertreten, Oracle segelt einmal mehr unter der Flagge seiner Anwender-Community DOAG. Bei Microsoft gibt es vielleicht auch Details zum noch nicht ganz marktreifen SQL Server 2005, dessen kostenlose Express Edition mitsamt grafischer Bedienoberfläche die bisher offerierte MSDE ersetzen soll. Auch MySQL hat ein wachsendes Gratis-Sortiment an Verwaltungswerkzeugen mit grafischer Oberfläche in petto, außerdem den Datenbankserver 5.0, der noch im Frühjahr freigegeben werden soll, und Cluster-Lösungen für Hochverfügbarkeitsanwendungen.
Datenschieber
IBM rückt neben der reinen Datenbanktechnik die Anwendungsintegration ins Blickfeld, speziell für Betriebe, die ihren Mitarbeitern per Web Services oder Websphere-Portal unterschiedliche Anwendungen von getrennten Servern aus anbieten oder die Datenflut von verschiedenen RFID-Sensoren kanalisieren wollen. Neben der Software AG und SAP ist auch in diesem Kontext Microsoft mit eigenen Lösungen und solchen von Entwicklungspartnern wie Bearing Point vertreten. Im Mittelpunkt dürften dabei der Sharepoint-Server sowie der jüngst erschienene Operations Server 2005 stehen. In Halle 9 sind zahlreiche Lösungen staatlicher und kommunaler Anwender, aber auch Partnerstände einschlägiger Entwicklerfirmen wie sd&m aufgehoben.
Aufwind erfährt das Dokumentenmanagement einschließlich der Workflow-Organisation und des Document-Lifecycle-Management - auf Deutsch: die Kontrolle über unterschiedliche Versionen gespeicherter Unterlagen. Dazu unterhält Ceyoniq gleich zwei Messestände. Neuheiten finden sich bei Dr. DOC, ELO und Docuware; zahlreiche kleinere Stände zum Thema beherbergt Halle 4.
Mit dem SAS Institut und dem Hersteller Business Objects, der seine gleichnamige Softwarefamilie in der Version XI mitsamt Crystal Reports XI vorstellt, finden sich zwei gewichtige Anbieter zur Auswertung unternehmensinterner Datenbestände. Geht es um die Klassifizierung unscharfer Informationen wie „Wer kennt sich aus mit ...“, empfiehlt sich ein Besuch bei Verity.
CRM-Lösungen, spezielle Datenbankanwendungen zur Verwaltung von Kundenkontakten, schießen aus dem Boden wie der Salat. ACT! erscheint bei Sage in einer von Grund auf neu programmierten Version. Ebenfalls ganz frisch präsentiert sich Adress Plus 11 von Cobra, das nicht ganz so strikt auf Vertriebsaufgaben fixiert ist. CRM-Pionier Siebel sucht man auf der CeBIT vergebens.
Adobe will dem Publikum im Public Sector Parc und an Partnerständen auf PDF basierende Arbeitsabläufe nahe bringen. Hier dreht sich alles um Acrobat sowie die LiveCycle-Produktlinie - bestehend aus vor allem für Großunternehmen konzipierten Dokumentenservern zum Erstellen und Verwalten von PDF-Dokumenten und Formularen. Insbesondere wird der Hersteller zeigen, wie er die digitale Signatur im Zusammenhang mit PDF-Dokumenten alltagstauglich machen will.
Gesprochen, geschrieben, ĂĽbersetzt
Der OCR-Spezialist Abbyy stellt Version 6.5 des FormReader vor, der handschriftlich ausgefüllte oder maschinell erstellte Formulare inklusive Barcodes bearbeitet - zum Beispiel Rechnungen, Anträge, Registrierungskarten oder Fragebögen. Mit FlexiCapture Studio 1.5 demonstriert der Hersteller eine neue Version seiner Lösung zum Erfassen von Vordrucken, die zwar ähnlich, aber nicht genau gleich sind. Zur maschinellen Bearbeitung semi-strukturierter Vorlagen ist in der Regel speziell entwickelte Software nötig, die Verwendung von FlexiCapture soll den Entwicklungsaufwand deutlich verringern.
I.R.I.S. zeigt die neue Version 10 des Texterkenners ReadIris auf dem belgischen Gemeinschaftsstand. Außerdem gibt es dort den IRISPen Translator, einen Stiftscanner mit Übersetzungssoftware, zu sehen sowie den IRIS Business Card Reader II für Mac OS. Auf den Rechnern von ScanSoft ist neben der OCR-Software OmniPage 14 und PaperPort 10 für das Dokumentenmanagement auch das Diktierprogramm Dragon Naturally Speaking 8 installiert. Auf der Messe zeigt man sie erstmals als „Mobile“-Version, ein Bundle aus Spracherkennungssoftware und Diktiergerät. Das Münchner Unternehmen linguatec präsentiert die aktuelle Version 10 der Diktiersoftware VoicePro auch in einer Spezialversion für Anwälte mit gut 250 000 juristischen Fachvokabeln sowie die Übersetzungssoftware Personal Translator 2005. Mitbewerber Promt führt die neue Version 7.0 seines Volltextübersetzers @promt in den Varianten Office, Pro und Expert vor.
Euro und Cent
Buchhalter kommen in den Hallen 5 und 6 bei Herstellern wie Lexware, Sage oder Softengine auf ihre Kosten. Buhl, Vertreiber der Wiso-Anwendungen, ist dieses Mal nicht auf der CeBIT vertreten. Programme der Navision-Linie werden in Halle 4 unter dem Dach von Microsoft gezeigt und SAP unterhält einmal mehr ein ganzes Dutzend Messestände.
Star Finanz stellt StarMoney 5.0 vor, das neben einem Haushaltsbuch auch eine Möglichkeit zum Speichern und Verwalten von PDF-Dokumenten enthält. Eine eBay-Kontoverwaltung gewährt dem Nutzer den ständigen Überblick über Transaktionen, Zahlungseingänge und -verpflichtungen. In Halle 17 findet die CeBIT-Sonderschau „Bank-Finanz-Systeme“ statt - bereits zum 26. Mal. In diesem Jahr lautet der Schwerpunkt „Geschäftsmodell Vertrieb - Innovationsfelder für die Finanzindustrie“. Der Dienstleister Sparkassen Informatik will seine Migrationskompetenz anhand der Umstellung von 231 Instituten auf ein einheitliches Gesamtbanksystem unter Beweis stellen.
Bild, Ton, Telefon
Unternehmen, die an der Kostenschraube drehen, werden früher oder später auch auf Einsparpotenzial bei Geschäftsreisen stoßen: Mancher Tagesordnungspunkt lässt sich ebenso gut per Videokonferenz besprechen. Die Internet-Bandbreiten reichen dazu meist aus, seit der auf gute Übertragungsqualität bei niedrigen Bandbreiten spezialisierte Codec H.264 auch Einzug in die Videokommunikation hält - und damit immer mehr spezielle Kompressionshardware überflüssig macht. Daviko aus dem Hause des gleichnamigen Berliner Start-ups beispielsweise setzt außer PC und Webcam nur eine schnelle Internet-Leitung voraus. Dank H.264-Codec und variabler Audio-Kompression sollen auch Konferenzen zwischen mehreren Teilnehmern bei ordentlicher Qualität übertragen werden; auf Wunsch können die Teilnehmer gleichzeitig an denselben Programmen arbeiten. VidPhone ermöglicht laut Hersteller Vidsoft Audio- und Videokonferenzen mit bis zu vier Teilnehmern bei „VHS-ähnlicher Videoqualität“ und einer „Sprachqualität deutlich höher als beim Telefon“ über DSL-Leitungen.
Tandberg verspricht neuerdings Kompatibilität zum Session Initiation Protokoll (SIP), zu Microsofts Live Communications Server sowie bestehenden Voice-Over-IP-Lösungen und will „mit der Expressway-Technologie Firewalls in Unternehmensnetzen überwinden und gleichzeitig die Kluft zwischen unterschiedlichen Übertragungsprotokollen schließen“: große Worte, halten beide Probleme doch Videokonferenzen bislang vom Durchbruch ab. Auch Polycom will seine Kunden nicht länger an technischen Hürden scheitern lassen: Die „Voice Video Interface Unit“ soll sogar als ganze Firewall samt NAT-Funktionen (Network Address Translation) daher kommen, die „auf Sprache und Video spezialisiert“ ist. Besonderen Wert legt man darauf, kompatibel zu bestehenden H.323-Firewalls und Session-Border-Controllern zu bleiben. Mit einem Grundpreis von rund 21 000 Euro für die neue „Multipoint Conferencing Bridge“ VCB 2500 peilt auch VCON eher die Chefetagen an; neben „traditionellen Mehrpunkt-Videokonferenzen“ wirbt das Unternehmen mit „Streaming-, Planungs-, Management- und Moderationsfunktionen in einer Lösung“. Die Web-basierenden Dienste Meeting Center, Event Center, Training Center, Support Center und Sales Center von WebEx verzichten hingegen völlig auf lokale PC-Software und initiieren ihre Audio- und Video-Konferenzen stattdessen über Web-Protokolle auf Servern, die beim Hersteller stehen. Das Unternehmen will selbst Veranstaltungen mit mehreren tausend Teilnehmern online übertragen können.
- Abbyy, Halle 1, Stand 8f2
- Business Objects, Halle 4, Stand D12
- Ceyoniq, Halle 4, Stand A12 und A38
- Citrix, Halle 3, Stand B51
- Cobra, Halle 5, Stand A28
- DOAG, Halle 4, Stand A58
- Daviko, Halle 9, Stand C09
- Docuware, Halle 1, Stand 6a7
- Dr. DOC, Halle 1, Stand 2d16
- ELO, Halle 1, Stand 8i2
- I.R.I.S., Halle 6, Stand H01
- IBM, Halle 4, Stand A04
- Lexware, Halle 6, Stand G18/1
- Linguatec, Halle 3, Stand E55
- Microsoft, Halle 2, Stand B34 und Halle 4, Stand A38
- MySQL, Halle 3, Stand D41
- OpenOffice, Halle 6, Stand H30
- Promt, Halle 6, Stand J40
- Polycom, Halle 13, Stand D72
- Public Sector Parc, Halle 9, Stand E36
- Sage, Halle 5, Stand A16
- SAP, Halle 4, Stand D28
- SAS, Halle 4, Stand D58
- ScanSoft, Halle 3, Stand E56
- sd&m, Halle 9, Stand B60
- Softengine, Halle 6, Stand G16
- Software AG, Halle 9, Stand C80
- Sparkassen Informatik, Halle 17, Stand C12
- Star Finanz, Halle 17, Stand D12
- Sun, Halle1, Stand 8A1
- Sybase, Halle 3, Stand C51
- Tandberg, Halle 13, Stand C10/1
- VCON, Halle 13, Stand C16
- Verity, Halle 3, Stand E25
- Vidsoft, Halle 4, Stand F64
- WebEx, Halle 16, Stand B01