Schneller zur CeBIT
Speed-Freaks bekommen auf der Messe die volle Dröhnung: Neue Geschwindigkeitsregionen soll nicht nur die Datenübertragung per Stromnetz erreichen, sondern auch WLAN-Funknetze, das Ethernet per Kabel und Internet in bisher DSL-freien Gebieten.
- Ernst Ahlers
- Johannes Endres
Die Datenübertragung per Stromnetz, Powerline Communication (PLC), ist für Audio-/Videovernetzung innerhalb von Wohnungen reizvoll: Man kann die überall vorhandene Stromleitung quasi als Netzwerkkabel zweckentfremden. Derzeit schaffen verbreitete PLC-Adapter nach dem HomePlug-Standard 1.0 eine Nettodatenrate von maximal fünf bis sieben Megabit pro Sekunde. Das reicht zwar für die Weiterverteilung von Breitband-Internet im Haus, aber nicht für eine ruckelfreie Filmübertragung in DVD-Qualität. Deshalb arbeiten viele Hersteller an beschleunigten Verfahren. Ein übergreifender Standard ist allerdings erst für den nächsten Winter avisiert.
Devolo will seine dLAN-Highspeed-Adapter präsentieren, die mit einem Intellon-Chipsatz ausgestattet sind und brutto 85 MBit/s übertragen. Sie sollen auf Anwendungsebene etwa siebenmal so flink (maximal 50 bis 55 MBit/s) wie die existierenden Varianten arbeiten und in üblichen Wohnungen einen Datenzugang an jeder Steckdose liefern.
Kurz nach Devolo kündigte der kanadische PLC-Hersteller Corinex beschleunigte Adapter für die Datenvernetzung über die heimische Stromleitung an. Die Corinex AV getauften Geräte arbeiten mit einem bereits auf der letztjährigen CeBIT vorgeführten Chipsatz des spanischen Herstellers DS2. Sie sollen brutto bis zu 200 MBit/s schaffen und dank Quality-of-Service (QoS, IEEE 802.1p) besonders gut für Videoübertragung geeignet sein. Auf Anwendungsebene wird man höchstens 100 MBit/s herausbekommen, denn die Geräte sind mit einem Fast-Ethernet-Anschluss ausgestattet. Die erzielbare Reichweite beziffert Corinex mit 300 Meter Kabelweg, sie soll sich durch Aktivieren der Repeater-Funktion steigern lassen. Corinex führt die Adapter auf der CeBIT vor und will sie Ende April für 130 Euro pro Stück auf den Markt bringen.
Kompatibel zueinander sind die Produkte nicht, der Käufer steht also vor einer Systementscheidung. Während die von Devolo als Zwischenschritt präsentierten dLAN-Highspeed-Adapter immerhin mit älteren Geräten zusammenarbeiten, ist derzeit noch unklar, ob das auch für HomePlug AV gilt. Bei der Lösung von Corinex ist indes klar, dass sie nicht mit älteren HomePlug-Adaptern kommunizieren, aber im gleichen Hausstromnetz immerhin ohne gegenseitige Störungen mit ihnen koexistieren.
WLAN-Optimierungen
Innerhalb von zwei Jahren hat sich der aktuelle WLAN-Standard 802.11g (54 MBit/s brutto auf 2,4 GHz) fest im Markt etabliert. Allerdings nur, weil er ältere Clients (802.11b, 11 MBit/s brutto) nicht einfach ignoriert, sondern abwärtskompatibel mit ihrer geringeren Geschwindigkeit bedient. Diese Rücksicht auf ältere Clients werden auch WLAN-Produkte der nächsten Generation nehmen müssen, damit sie sich ähnlich rapide verbreiten können. Als erster Hersteller hat Belkin verbesserte Geräte unter der Bezeichnung Pre-n auf den Markt gebracht (siehe c't 5/05, Seite 68), die dem später im Jahr kommenden Funknetzstandard 802.11n vorgreifen. Sie nutzen mehrere Sender-/Empfängerzüge parallel, um im gleichen Frequenzkanal mehrere Datenströme räumlich getrennt zu übertragen (Spatial Multiplexing).
Das als Multiple Input, Multiple Output (MIMO) bekannte und schon vor Jahren von den Bell Labs unter dem Namen Blast vorgeschlagene Verfahren verspricht indes nicht nur bessere Spektrumseffizienz (höheren Durchsatz mit gleicher Bandbreite), sondern alternativ eine größere Reichweite: Der WLAN-Adapter kann nämlich durch das Verrechnen der Einzelsignale mehrerer Antennen eine Richtwirkung erzielen (Spatial Combining).
Belkins Attacke hat prompte Reaktionen anderer Hersteller ausgelöst: So wollen D-Link, Linksys und Netgear ebenfalls beschleunigte WLAN-Geräte herausbringen. Bei Netgear heißt das Verfahren beispielsweise RangeMax und nutzt in der Basisstation einen Antennen-Controller von Video 54. Der Controller schaltet sieben Antennensegmente in bis zu 127 Kombinationen zusammen, um eine Richtwirkung zu erzielen und jede WLAN-Station möglichst gut zu erreichen. Das führt zu einer besseren räumlichen Abdeckung und damit höherem Durchsatz. Solch ein Smart-Antenna-System kann man als Vorstufe zu einer echten MIMO-Lösung ansehen, die dann durch die Parallelübertragung den Durchsatz vervielfacht.
Die Unterschiedlichkeit der jetzt erscheinenden Verbesserungen bedeutet für den Kunden, seine Geräte ausschließlich von einem Anbieter zu beziehen, genau hinzusehen, welches Verfahren ein Hersteller nutzt, oder abzuwarten, bis sich die ersten Geräte nach dem nächsten WLAN-Standard zu verbreiten beginnen.
Switch-Tendenzen
Gigabit-Ethernet (GE) dürfte in den nächsten Jahren in PCs und Notebooks ähnlich allgegenwärtig werden wie es jetzt Fast Ethernet ist. Damit die Anwender etwas von der Beschleunigung haben, müssen Unternehmen ihre Backbones und Abteilungs-Switches aufrüsten - oder kleine Firmen gleich einen flinken Datenverteiler anschaffen. So bietet beispielsweise D-Link einen System-Switch mit insgesamt 26 Ports bis Ende März zu einem Sonderpreis an. Das Paket mit 20 optischen und vier Kupfer-GE-Anschlüssen (DXS-3326GSR) nebst optischen 10GE-Erweiterungsmodulen (DEM-420X plus DEM-421XT für 300 Meter Faserlänge) soll 8420 Euro kosten. Die Variante zum Überbrücken von bis zu 10 km bei 10 Gigabit ist mit 9036 Euro etwas teurer. Leider stellt D-Link in diesem Jahr nicht aus.
In leichter erreichbaren Preissphären findet man beispielsweise Gigabit-Switches der Ether-GSH-Reihe von Ovislink, die mit acht, 16 oder 24 GE-Ports ausgestattet sind und VLAN, Port Mirroring oder Priority Queueing unterstützen. Den schnellen Uplink muss man hier per Trunking realisieren. Das managebare 24-Port-Modell ist um 650 Euro zu haben. Bei herkömmlichen Switches mit GE-Uplink und mehreren Fast-Ethernet-Ports werden administrierbare Geräte mit besonderen Funktionen preiswert: SMC bringt seinen TigerStack IV SMC6224M für 370 Euro auf den Markt, den man per Browser konfiguriert. Man kann einen Backbone bilden, indem man bis zu sechs Switches direkt stapelt oder sie per Ethernet-Kabel stockwerksübergreifend verbindet. Das Gerät beherrscht unter anderem Access Control Lists (ACL) und Radius-Authentifizierung, was in dieser Preisklasse als Novum gelten darf.
Die rückwärtskompatiblen ADSL-Erweiterungen ADSL2 und ADSL2+ versprechen stabile und schnelle Verbindungen auch über schlechte Leitungen und eine etwas größere Reichweite. Wer für herkömmliches ADSL zu weit von der Vermittlungsstelle entfernt wohnt oder zu viele schnell surfende Nachbarn hat, deren ADSL-Leitungen die seine stören, dürfte sehnsüchtig auf die Einführung der neuen Verfahren warten.
ADSL2 am Horizont
Im Dezember bezeichnete die Telekom ADSL2 noch als „interessante neue Technik“, die „geprüft“ werde (siehe ADSL-Tuning, c't 26/04, S. 234). Das ist weiterhin die offizielle Haltung der Telekom, doch es gibt Hinweise, dass man in Bonn schon weiter ist. So enthält die aktuelle Version der Schnittstellenbeschreibung U-R2 einen ersten Bezug auf ADSL2 (www.telekom.de/schnittstellenbeschreibungen). In der U-R2 legt die Telekom die genauen ADSL-Parameter ihrer Leitungen fest und definiert damit, was T-DSL-kompatible ADSL-Modems leisten müssen. Mit der neuen U-R2 werden Interoperabilitätstests für ADSL2/2+ zwingend. Damit steht wohl fest, dass die Telekom nicht nur die Technik prüft, sondern an der Einführung arbeitet.
Arcor steht ebenfalls in den Startlöchern, muss aber mit der Einführung warten, bis die Telekom ihre Prüfbedingungen vollständig veröffentlicht. Denn Arcor-ADSL2-Anschlüsse dürfen die T-DSL-Leitungen desselben Kabelbündels nicht stören.
Die nötige Hardware steht jedenfalls bereit: Viele aktuelle ADSL-Modems und -Router unterstützen bereits ADSL2/2+, beispielsweise die WLAN-ADSL-Router von Billion und mehrere Modelle der Bintec-X2300-Serie von Funkwerk Enterprise Communications. Corinex nimmt einen ADSL2/2+-Router mit WLAN (IEEE 802.11g) und HomePNA zur Vernetzung über hausinterne Telefonleitungen ins Programm. Bei AVM bringt ein Firmware-Update der Fritz!Box das neue Verfahren bei.
- Arcor, Pavillon P33, EG
- AVM, Halle 13, Stand C48
- Belkin, Halle 1, Stand 8f1
- Billion, Halle 13, Stand E15
- Corinex, Halle 14, Stand H13
- Deutsche Telekom, Halle 26, Stand A01
- Devolo, Halle 15, Stand D11
- Funkwerk, Halle 13, Stand D54
- Linksys (Cisco), Halle 13, Stand C58
- Netgear, Halle 15, Stand C06
- Ovislink, Halle 15, Stand D58/1