Universal-Recorder und A/V-Netze

Zunächst schien es so, als würde es in Berlin - passend zum großen IFA-Thema HDTV - auch zwischen den um die DVD-Nachfolge konkurrierenden Formaten Blu-ray Disc und HD DVD zu einem öffentlichen Kräftemessen kommen. Nun jedoch konzentriert man sich erst einmal darauf, wie sich Videos in Standardauflösung am besten speichern und durch die Wohnung transportieren lassen.

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Sollten ursprünglich zum Weihnachtsgeschäft bereits mehrere Player für das High-Definition-Medium HD DVD einschließlich einer großen Zahl vorbespielter Medien auf den nordamerikanischen Markt kommen, wird das Thema momentan nur auf kleiner Flamme am Köcheln gehalten. Was an HD-DVD-Hard- und -Software Ende Dezember tatsächlich in den US-Geschäften stehen wird, scheint niemand mehr so recht sagen zu können oder zu wollen. Ähnlich sieht es beim Konkurrenzformat Blu-ray Disc aus.

Für die IFA bedeutet dies vor allem, dass man wohl keine Kauf- und Leihmedien nach einem der beiden Standards zu Gesicht bekommen wird. NEC präsentiert immerhin HD-DVD-Player von Sanyo und Toshiba sowie sein eigenes HD-DVD-Laufwerk für den PC. Das für September geplante Modell spielt HD DVDs ab und brennt sowohl CDs als auch DVDs. Den ersten HD-DVD-Brenner will NEC im Januar folgen lassen. Toshiba zeigt derweil das erste HD-DVD-Laufwerk für Notebooks.

Die Blu-ray-Disc-Association (BDA), zu deren Mitgliedern unter anderem die IFA-Aussteller Sony, Panasonic und Philips zählen, wird sich nach Angaben von TDK als deren offizieller Vertreter in Berlin ebenfalls auf die Präsentation von Laufwerken und beschreibbaren Medien beschränken. Allerdings will man dabei nicht nur die in Asien bereits seit längerer Zeit verfügbaren Recorder (noch einmal) präsentieren, sondern auch neue Recorder-Modelle und vor allem Player, die vorbespielte Medien ohne schützende Cartridge abspielen können.

Immerhin sind auf der IFA aber neue Scheiben des High-Definition-Formats WMV-HD-DVD auf Basis der DVD-ROM zu sehen, mit denen sich schon heute einen Eindruck von hochaufgelösten Videobildern verschaffen kann, wer im Besitz eines Windows-Rechners und eines HD-tauglichen Displays oder Projektors ist. So präsentiert die Ottonia Media GmbH auf dem Stand des Auerbach-Verlags mit den Reisereportagen „Highway One“ und „L.A.“ zwei weitere Teile seiner HD-Reihe „Colourful Planet“.

In den kommenden Monaten will Ottonia auch historische Dokumentationen wie „Schiller“, „Die Völkerschlacht bei Leipzig“, „Johann Sebastian Bach - Der liebe Gott der Musik“ und „Martin Luther - Ein Leben zwischen Gott und Teufel“ aus der Reihe „Geschichte Mitteldeutschlands“ sowie klassische Konzerte auf WMV-HD-DVD veröffentlichen.

Bei der Aufzeichnung von analogen Fernsehbildern lässt sich vor allem der Trend zu DVD-Festplatten-Recordern mit großer Festplatte und vielen Komfortfunktionen ausmachen. Eines der drastischsten Beispiele hierfür ist sicherlich Philips’ Cineos DVDR9000H, der nicht nur mit einer 400-GByte-Harddisk für rund 650 Stunden TV-Aufzeichnung, Pixel-Plus-Bildverbesserung und der Unterstützung von Double-Layern-Recording protzt, sondern zusätzlich zum analogen auch einen DVB-T-Tuner eingebaut hat und 5.1-Ton von einer externen Quelle aufnehmen kann. Einen eingebauten DVB-T-Tuner bieten immerhin auch Humax’ HR-3000T und LGs DR-7900; Letzteren hatte c't bereits in Ausgabe 14/05 im Test.

Der RH-7900MH von LG Electronics für 799 Euro bringt es zumindest auf eine 250-GByte-Platte, liest und beschreibt alle Plus- und Minus-DVD-Formate und kann auch mit einer Vielzahl von Speicherkarten umgehen. Hitachi wandelt mit seinem neuen DVD-Festplatten-Recorder wiederum auf den Spuren von Sonys RDR-HX910 (siehe c't 16/05): Im DV-DS81E mit 80 GByte, dem DVDS161E mit 160 GByte und dem Spitzenmodell DV-DS251E mit 250 GByte Speicherkapazität erkennt ein integrierter Chip automatisch Werbeunterbrechungen und kennzeichnet diese bei der Aufnahme so, dass sie einfach gelöscht oder bei der Wiedergabe übersprungen werden können. Alle Recorder der neuen Reihe sind mit einem Multiformat-DVD-Laufwerk ausgestattet, mit dem man nicht nur DVD-Rohlinge im Plus- und Minus-Format, sondern auch DVD-RAM für Aufzeichnung und Wiedergabe nutzen kann - Double-Layer-Rohlinge beschreiben die Recorder aber offenbar nicht.

Den kombinierten DVD/VHS-Recorder mit 200-GByte-Festplatte und Slot für Secure-Digital-Cards (SD) präsentiert Panasonic seinen 900 Euro teuren Diga DMR-EH80V als wahres Multitalent. Wie die jüngsten Recorder des japanischen Konzerns ist auch dieses Gerät dank „Quick Start“-Funktion innerhalb von einer Sekunde einsatzbereit. Die Unterstützung von Double-Layer-Rohlingen ist offenbar für Panasonic auch noch kein Thema. DVD-Festplatten-Recorder für wenig Geld bieten hingegen Phocus und Umax. Ihre DVD-Recorder DVDRW-160 und Umax Yamada DVR-9100H hatten wir bereits im Test (siehe Seite 72).

Doch nicht nur um das Aufnehmen von Videos geht es auf der IFA, sondern vorrangig um die Verteilung von Audio- und Videodaten im gesamten Haus. Der Medien-Server als zentrale Schaltstelle im digitalen Heim tritt in Berlin vor allem in einer Form auf: als Media Center PC mit Microsofts XP Media Center Edition. Zwei Jahre nach der Einführung der Multimedia-Variante des Standard-Betriebssystems XP nutzen zahlreiche Hersteller die benutzerfreundliche Bedienoberfläche, um sie in wohnzimmertaugliche PCs zu integrieren.

Fujitsu-Siemens präsentiert einen neuen Ableger seiner Activy-Familie. Die Multimedia-Boxen, die bisher nur als geschlossenes System mit Windows-XP-Embedded zu haben sind, wird es unter dem Namen Scaleo E nun auch als offenes System mit Windows XP Media Center Edition geben. Das geräuschoptimierte Gerät im wohnzimmertauglichen HiFi-Format ist mit zwei Scart-Buchsen und einem DVI-Ausgang zum Anschluss eines Monitors oder Projektors ausgestattet. Zudem will Fujitsu-Siemens sein erstes Notebook mit MCE 2005 vorstellen.

Passend zu diesem Wohnzimmer-Server bietet das Unternehmen mit dem Activy Media Player 150 und dem Myrica Media TV zwei Streaming-Clients an, die Multimedia-Inhalte in den übrigen Räumen wiedergeben können. Beim Activy MediaPlayer 150 handelt es sich um einen A/V-Streaming-Client, der neben MPEG-1, -2 und -4 auch WMV-Dateien abspielen kann und dabei voll kompatibel zu UPnP AV, DLNA und Intels NMPR-Spezifikation sein soll (siehe auch S. 106). Die kleine Set-Top-Box ist mit Scart-, S-Video- und Komponenten-Ausgängen ausgestattet und soll auch HD-Material abspielen können. Über eine USB-Host-Funktion lassen sich auch direkt USB-Festplatten oder -Sticks anschließen. Der Myrica Media TV integriert diese Streaming-Technologie in ein LCD-TV. Die externe Festplatte Storagebird LAN rundet das digitale Portfolio ab und dient als Network Attached Storage (NAS), auf dem man Audio, Video und Fotos bequem speichern und abrufen können soll.

Das als Hausmarke des Discounters Aldi bekannt gewordene Unternehmen Medion will sich mit seinem IFA-Auftritt als eigenständige Marke präsentieren. Zu sehen ist der ePC, ein PC-System im HiFi-Format, auf dem ebenfalls Microsofts MCE 2005 läuft. Im Innern steckt mittelalte Intel-Technologie: Pentium-4-530er-Prozessor mit 3 GHz und einem 915P-Chipsatz. Die 250-GByte-Festplatte und ein kombinierter Analog/DVB-T-Tuner machen das 1099 Euro günstige Gerät zum digitalen Videorecorder.

Yakumo bringt mit der mediaXline die wohl kleinsten wohnzimmertauglichen MCE-Systeme in den Handel. In der Bauform eines ĂĽblichen DVD-Spielers gehalten, ist das Topmodell YX-SR mit einem AMD Athlon 64 mit 3,4 GHz ausgestattet. 250 GByte Festplattenspeicher und 1 GByte Arbeitsspeicher sorgen fĂĽr genĂĽgend Reserven im Media-Center-Betrieb.

High-Def-Technology stellt seine MCE-Lösungen BoxOne und das Nachfolgemodell BoxTwo vor. Beide Modelle setzen auf ein eigens entwickeltes Motherboard mit Intel-Technologie auf und verfügen über alle gängigen Anschlüsse, um hochaufgelöstes Videomaterial auf LCDs, Plasma-Schirme oder Beamer zu bringen. Während die BoxOne im kompakten Mini-Format (30 Zentimeter Breite) daherkommt, soll BoxTwo im 43-Zentimeter-HiFi-Format mit einem integrierten 6.1-Verstärker ausgestattet sein und somit ein komplettes A/V-Center ersetzen. Ebenfalls als Showcase zu bewundern: einer der ersten MCE-Streaming-Clients, ein so genannter Extender, integriert in ein LC-Display. Als reiner Client soll er das Look & Feel der Media Center Edition in andere Räume des „Digital Home“ zaubern.

Die größte Ansammlung an MCE-Systemen und UPnP-AV-Geräten wird es zweifellos auf dem Stand von Intel zu sehen geben. Der Prozessorhersteller schreibt Unterhaltung in diesem Jahr groß und übertrifft mit seinem diesjährigen IFA-Stand erstmalig sein Engagement auf der CeBIT. High-Defs BoxOne, Yakumos mediaXline II - hier natürlich eine Version auf Basis eines Intel-Pentium-4-Prozessors - , Medions ePC und Fujitsu-Siemens’ Scaleo E geben sich hier ein Stelldichein.

Wenn nun noch Philips den ersten wohnzimmertauglichen Consumer-PC auf Intel-Basis mit Microsofts Media Center Edition präsentierte, wäre man endgültig im Zeitalter der Konvergenz von Informationstechnik und Consumer-Elektronik angekommen.

Fujitsu-Siemens Halle 1.2/Stand 101
High-Def Freigelände/Stand 3321
Hitachi Halle 23/Stand 107
Medion Halle 1.2/Stand 102
NEC Halle 26/Stand 317
Ottonia Media Halle 2.1/Stand 120
Philips Halle 22/Stand 101
Phocus Electronics Halle 26/Stand 307
Sony Halle 18/Stand 101
TDK Halle 26/Stand 201
Toshiba Halle 7.2c/Stand 101
Umax Digital Halle 2.1/Stand 221
Yakumo Halle 1.2/Stand 123

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