Vista 5231

Nachdem bei früheren Previews vor allem Änderungen am Unterbau zu bestaunen waren, hat sich Microsoft nun der Oberfläche und Bedienung des Systems gewidmet.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 5 Min.

Wie angekündigt hat Microsoft im Rahmen des Programms „Community Technology Preview“ (CTP) auch in diesem Monat für einen kleinen Anwenderkreis eine neue Vorabversion des XP-Nachfolgers bereitgestellt. Die neue Build-Nummer 5231 ist allerdings noch nicht die Beta 2, die erst für Dezember erwartet wird. Microsoft liefert die aktuelle Version als 32- oder 64-Bit-Variante in Form eines 3 GByte großen DVD-Images. Nach der Installation liegen rund 5 GByte Daten auf der Platte, dazu kommen noch Auslagerungsdatei und die Hiberfil.sys für den Ruhezustand, deren Größen von der RAM-Ausstattung des PC abhängen.

Unverändert verlangt auch Build 5231 das Aktivieren von Windows. Neu ist allerdings, dass Vista das per Voreinstellung bei der ersten Verbindung ins Internet automatisch erledigen will.

Build 5231 meldet sich als Vista „Ultimate Edition“ und enthält außer den klassischen Windows-Komponenten auch die Bestandteile der Media Center Edition (MCE) und des Tablet PC. Funktionell hat sich bei beiden im Vergleich zu XP nichts Entscheidendes getan, allerdings hat Microsoft bei der MCE die Bedienoberfläche neu gebaut und dem Tablet PC eine personalisierte Handschriftenerkennung spendiert - bislang verkaufte Microsoft als großen Vorteil des Tablet PC, dass so eine nicht nötig sei.

Build 5231 präsentiert Desktop und Explorer im Vergleich zur einen Monat älteren PDC-Fassung (siehe c't 21/05, S. 90) unverändert, auch die Sidebar fehlt wieder. Anders sieht es in der Systemsteuerung aus, wo sich beispielsweise die Energieoptionen nun deutlich flexibler konfigurieren lassen, was Notebook-Herstellern das Mitliefern separater Tools erspart. Unter anderem lassen sich die Display-Helligkeit bei Notebooks je nach Stromversorgung und das Runtertakten der CPU sehr detailliert einstellen.

In der Systemsteuerung gibt es weitere, im Vergleich zu Windows XP neue Menüpunkte, etwa für „Auxiliary Displays“, Such- und Index-Optionen, Spracherkennung, ein „iSCSI-Initiator“, das „Sync Center“ zum Datenabgleich zwischen verschiedenen PCs, „Secure Startup“ für das Verschlüsseln der kompletten Festplatte und einiges mehr. Unter „Wireless Link“ findet sich eine Option zum drahtlosen Bilder-Transfer zwischen Kamera und PC. Ein „Mobility Center“ speziell für Notebook-Nutzer ist bislang funktionslos. Die „Network Map“ zeigt, über welche Switches Rechner im Netzwerk verbunden sind. Noch nicht in der Systemsteuerung ist der Dialog zum Verbinden mit Projektoren in einem Netzwerk.

Im Sicherheitscenter fallen zwei weitere überwachte Einstellungen auf: Vista prüft nun, ob eine Antispyware installiert und auf aktuellem Stand ist, und scheint dabei standardmäßig auf die Microsoft-eigene Lösung zu setzen. Die ist allerdings in diesem Build noch nicht enthalten, Microsoft baut sie aber vermutlich noch ein. Neu ist die Überwachung der „General Security“, womit die „User Account Protection“ gemeint ist, Microsofts Versuch, das sichere Arbeiten ohne Admin-Rechte endlich auch ohne die bislang erforderlichen Kunstgriffe zu erlauben (siehe S. 112, c't 23/05).

Vista soll über eine verbesserte Systemdiagnose verfügen und dem Nutzer bei Problemen mit Rat und Tat zur Seite stehen - verfügbar über „Solutions to Problems“ in der Systemsteuerung sowie über das Snap-in „Diagnostic Console“ in der Computerverwaltung (eine Art aufgebohrtes Leistungs-Snap-in), das über CPU-, Arbeitsspeicher-, Festplatten- und Netzwerkaktivitäten wacht. Neu ist der „Reliability Monitor“, der aber erst mal 28 Tage lang Daten sammeln will, bevor er auch wirklich Infos über die Zuverlässigkeit des Systems anzeigt.

An Programmen liefert Build 5231 die aktualisierten Vorabversionen des Internet Explorer 7 (dessen Tabs sich jetzt konfigurieren lassen), des Media Player 11 und des komplett umgebauten „Windows Backup“ mit. Des Weiteren ist ein Terminplaner dabei, ebenfalls neu ist die „Windows Digital Gallery“. Sie dient der zentralen Verwaltung von Bildern und Videos, bietet einfache Bild- und Videobearbeitungsfunktionen sowie einen „DVD Maker“ zum Brennen der Dateien. Der lässt sich jedoch mangels passenden MPEG-Encoders nicht zur Arbeit überreden, was auch für die finale Version gelten dürfte, falls Microsoft seine bisherige Encoder-Politik nicht noch ändert.

Die nächste CTP-Vorabversion von Windows Vista will Microsoft im November wieder nur für einen kleinen Kreis von Anwendern bereitstellen, bevor dann im Dezember Beta 2 für die Allgemeinheit verfügbar sein soll.

Auch dieses Mal lautet die Antwort leider wieder: auf legalem Wege gar nicht. Microsoft stellt Build 5231 nur fĂĽr eingetragene Beta-Tester sowie MSDN- und Technet-Kunden zur VerfĂĽgung. Alle anderen bittet Microsoft, auf die Beta 2 zu warten. (axv)