Schnelltransport
Powerline, WLAN und xDSL machen dieses Jahr evolutionäre Geschwindigkeitsschritte, Wimax wird mobil und Switches lernen im Unternehmensnetz neue Funktionen.
- Ernst Ahlers
- Johannes Endres
Eines der großen Themen auf der diesjährigen CeBIT ist Fernsehen per Internet (IPTV, siehe auch S. 224) sowie Lösungen, wie es ins Haus kommt und dort weiterverteilt wird. Ersteres übernehmen schnellere xDSL-Anschlüsse, Letzteres wahlweise bequem zu installierende Powerline-Adapter oder neue WLAN-Geräte.
Die Deutsche Telekom und ihre Konkurrenten forcieren derzeit den Ausbau schneller Internet-Zugänge über Glasfaser mit Wohnungsanschluss per VDSL und über ADSL2+. Router und Modems für ADSL ohne Zusatz werden kaum noch produziert, da die aktuellen Chipsätze ohne Aufpreis auch ADSL2+ unterstützen. So haben die Hersteller für Heim-Netzwerkbedarf nahezu ausnahmslos ADSL2+-Geräte im Messegepäck. Viele spielen allerdings noch nicht mit den neu geschalteten Telekom-Leitungen zusammen, da deren Parameter noch unter Verschluss sind. Die Anpassung ist aber nur die Frage eines Firmware-Updates. So gibt es im Bereich der ADSL-Geräte kaum prinzipiell Neues: Alle möglichen Kombinationen mit WLAN-Basisstation, Firewall, Voice-over-IP, ISDN als Backup und USB für Drucker, Kameras oder Laufwerke spielen die Hersteller dieses Jahr eben mit ADSL2+ als Internet-Schnittstelle durch.
Spannender sieht es bei VDSL aus, das die Telekom für die letzten wenigen hundert Meter zwischen ihrer Glasfaserleitung und der Wohnung des Kunden einsetzen wird. Bisher hat der rosa Riese noch nicht erklärt, ob der Kunde ein VDSL-Gerät gestellt bekommt oder ob er es selbst kaufen muss. Im zweiten Fall wäre die Auswahl sehr klein: Lediglich AVM will eine VDSL-Version der Fritz!Box 7050 auf den Markt bringen; ECI Telekom hat neue VDSL-Modems angekündigt.
Bildverteilung
Schon im Frühjahr 2005 präsentierte Corinex brutto 200 MBit/s schnelle Powerline-Adapter für die Datenübertragung per Stromleitung in Gebäuden (Powerline Communications, PLC). Sie laufen mit Chips des spanischen Herstellers DS2. Auf Anwendungsseite bleiben bei guter Verbindung 65 bis 70 MBit/s übrig, was für mehrere HDTV-Kanäle ausreicht. So installieren beispielsweise France Telecom und Telefonica Corinex- respektive Devolo-Adapter bei ihren Kunden, um das per ADSL angelieferte Internet-Fernsehen innerhalb der Wohnung weiterzuverteilen.
Seit kurzem liefert beispielsweise Allnet passende Adapter im Steckernetzteilformat aus. Nun hat sich auch Netgear für die DS2-Lösung entschieden und plant, die auf der Messe zu sehenden Geräte im zweiten Quartal in den Handel zu bringen. Devolo, bisher mit brutto 14 und 85 MBit/s flinken Adaptern auf Intellon-Basis im Markt, will seinem Chip-Lieferanten indes treu bleiben und zur CeBIT Prototypen mit 200 MBit/s zeigen. Schließlich steigt Panasonic mit seinem brutto 190 MBit/s schnellen Adapter BL PA 100 in den Ring. Allerdings sind die Lösungen nicht kompatibel zueinander, es droht ein Systemstreit wie weiland zwischen VHS- und Beta-Videorecordern.
Drahtlos unterwegs
WLAN hat sich als Allzweckfunknetz für die Kurzstrecke etabliert. Das belegen allerorten präsentierte Streaming Clients, Voice-over-IP-Telefone, Flachfernseher und Handys mit WLAN-Schnittstelle. In den nächsten Monaten dürften die jetzt noch zu sehenden, im vergangenen Jahr eingeführten MIMO-Lösungen (siehe c't 8/05, Seite 128) an Bedeutung verlieren. Die Geräte erreichen in der jüngsten Ausprägung - beispielsweise unter dem Namen RangeMax 240 von Netgear - zwar schon einen zu Fast Ethernet vergleichbaren Durchsatz (siehe c't 4/06, S. 76), sind aber nur zu sich selbst vollständig kompatibel.
Im Januar einigte sich die IEEE-Arbeitsgruppe TGn nach jahrelangen Querelen auf einen Entwurf für den nächsten WLAN-Standard 802.11n. So werden sich die Hersteller verstärkt auf Produkte konzentrieren, die dem Entwurf folgen. Beispielsweise will Trendnet mit den Modellen TEW-631BRP und TEW-621PC schon auf der Messe einen draft-kompatiblen Router sowie eine Cardbus-Karte für Notebooks zeigen. Da 802.11n auch doppelt breite Funkkanäle vorsieht (40 statt 20 MHz), wird der Platz im angestammten 2,4-GHz-Band noch enger und der Wechsel zum geräumigeren 5-GHz-Band sinnvoll. Den Umstieg können Basisstationen mit zwei WLAN-Modulen erleichtern, die gleichzeitig in beiden Blöcken funken, beispielsweise Lancoms L-54 dual, der allerdings noch keine 802.11n-Merkmale besitzt.
Stadt- und Landfunk
Abgesehen von einzelnen, schlagzeilenträchtigen Installationen zeigen sich größere Provider mit dem Stadtfunk Wimax hierzulande zögerlich. Gegen die Allgegenwart der Kupferkabel ist zu konkurrenzfähigen Preisen kaum anzukommen, erst recht nicht, wenn die Telekom in den nächsten Monaten ihr xDSL-Netz in den Großstädten ertüchtigt. In ähnlicher Situation erlebte die RWE schon anno 2002 ihr Powerline-Fiasko. Wimax für die letzte Meile dürfte deshalb in den entwickelten Ländern auf absehbare Zeit ein Nischengeschäft bleiben, für das beispielsweise Alvarion passende Hardware zeigt. Als reizvolle Alternative zum noch sehr teuren Datenzugang der Mobilfunkanbieter erscheint Wimax mobile, für das das IEEE Ende 2005 den Standard 802.16e verabschiedete. Zu den großen Proponenten gehören Intel und Motorola, die allerdings noch keine Wimax-mobile-Produkte zeigen.
Im Unternehmens-LAN lernen Switches unter dem Schlagwort Self-defending Network neue Funktionen. Unter anderem Foundry und Nortel zeigen Geräte, die Firewall-Dienste wie Zugangskontrolle und Paketanalyse übernehmen. Was früher auf VPN-Verbindungen beschränkt war, soll nun das Netz auch vor Schädlingseinfall über interne Stationen schützen, nicht nur bei der Anmeldung, sondern auch im laufenden Betrieb.
Allnet, Halle 13, Stand B24
Alvarion, Halle 13, Stand A56
AVM, Halle 13, Stand C48
Corinex, Halle 14, Stand H13
Devolo, Halle 15, Stand D12
DS2, Halle 14, Stand F34
ECI, Halle 12, Stand D26
Foundry, Halle 13, Stand B56
Intel, Halle 2, Stand C46
Intellon, Halle 14, Stand H13
Lancom Systems, Halle 15, Stand E11
Motorola, Halle 13, Stand D35
Netgear, Halle 13, Stand C58
Nortel, Halle 5, Stand D54/4
Panasonic, Halle 1, Stand C61
Trendnet, Halle 16, Stand D18
(ea)