Apfel-Scheiben
Wer seinen Mac mit Aufnahmen eines Festplatten-Recorders fĂĽttert oder mit iTele Fernsehen digital aufzeichnet, kann die Mitschnitte mit Hilfe von ProjectX und MovieGate im Nu auf DVD bannen.
Nicht jeder Mac-Anwender besitzt einen DVB-Empfänger aus dem Hause Elgato, mit dessen exzellentem Software-Paket EyeTV 2 man aus den Mitschnitten mit wenigen Mausklicks Video-DVDs produziert. Die Software gibt es zwar auch einzeln, doch schlägt sie mit satten 80 Euro zu Buche. Wer mit etwas weniger Komfort leben kann, kommt aber auch günstiger ans Ziel.
MPEG StreamClip von Squared5 kostet nichts, benötigt aber die MPEG-Wiedergabekomponente von QuickTime, die mit 20 Euro zu Buche schlägt. Das Programm liest und verarbeitet unter anderem Aufnahmen diverser Festplatten-Receiver (DreamMultimedia, Topfield, Homecast, Technisat, Humax sowie Linux VDR). Leider bereiten der Software fehlerhafte MPEG-Ströme mitunter Verdauungsprobleme. Besitzer der weitverbreiteten Topfield-Geräte können deren Festplatten auch mit der Freeware TFmac 5000 unter Mac OS X auslesen (siehe Soft-Link).
Mit nahezu allen erdenklichen MPEG-Derivaten kommt das kürzlich in [1] detailliert vorgestellte MPEG-Bearbeitungsprogramm ProjectX zurecht, das sich als Java-Anwendung auch auf Macs heimisch fühlt. Es liest, prüft, schneidet und demultiplext MPEG-Dateien aller Couleur, seien sie auch in noch so abseitige Container-Formate verpackt. Einzige Hürde: Programmierer Michael Mittmann bietet sein Programm nur als Quellcode an; vorkompilierte Versionen gibt es jedoch auf anderen Webseiten (siehe Soft-Link). Der in der Regel auf x86-CPUs mit J2SE 5.0 erzeugte Java-Bytecode läuft auf Macs nur, wenn das jüngste Java-Update auf J2SE 5.0 Release 4.0 eingespielt ist. Andernfalls nutzt Mac OS X Java 1.4.2 und fällt beim Start von ProjectX auf die Nase. Wer sich von der älteren Java-Engine nicht trennen will, muss den Quellcode selbst kompilieren. Dazu entpackt man das Archiv einfach per Doppelklick, wechselt danach in einem Terminal in das Verzeichnis ProjectX->Versionsnummer< und führt den Befehl sh build.sh aus. Da jeder Mac den Java-Compiler javac mitbringt, sollte nach einigen Warnungen und Vollzugsmeldungen das fertige ProjectX.jar im Verzeichnis liegen. Die Datei starten Sie per Doppelklick oder mit java -jar ProjectX.jar.
Das Video (oder mehrere Videosegmente) lädt man über Datei/Hinzufügen, entfernt Werbung mit ProjectX’ Schnittfunktionen und trimmt das Video. Dazu navigiert man mit den Pfeiltasten (|>, >, >>, >|) unter dem Vorschaubild an die gewünschte Stelle und setzt mit der benachbarten „+“-Taste den Schnittpunkt. ProjectX arbeitet nur auf I-Frame-Basis, das heißt, Schnitte liegen mindestens eine GOP (Group of Pictures) auseinander - je nach Länge der GOPs zwischen einer halben und knapp einer Sekunde. Herausgeschnittene Teile des Videos markiert ProjectX rot, den Rest grün (siehe Bild). Schnittpunkte lassen sich nachträglich aus der Dropdown-Liste neben der „+“-Taste erneut anwählen und auf Wunsch mit „-“ auch wieder löschen.
Ist man mit dem Schnitt zufrieden, reicht ein Druck auf „Quickstart“, um den Korrektur- und Demultiplexing-Prozess in Gang zu setzen. Danach liegen Audio- (.mpa und eventuell .ac3) und Videodateien (.m2v) hübsch separiert im Ausgabeverzeichnis. Soll Letzteres nicht dem Quellverzeichnis entsprechen, wählt man am unteren Fensterrand ein anderes Verzeichnis aus der „Liste der Ausgabepfade“. Hier wählt man mit „+“ ein Verzeichnis, markiert es und klickt dann auf „Auswählen“.
Tor zur DVD
Alles Weitere erledigt man mit der Freeware MovieGate 2.0.x (siehe Soft-Link). Christophe Ducommuns Software läuft auf PowerPC- und Intel-Macs (Universal Binary), verarbeitet alle auf dem Mac gängigen Videoformate und importiert beispielsweise auch Kapitelmarken von iMovieHD. Hier konzentrieren wir uns indes auf die Option, aus vorliegenden MPEG-Dateien verlustfrei DVDs zu erzeugen.
Grundlegende Projekteinstellungen wie Format (DVD oder Mini-DVD), Seitenverhältnis und Füllstand der zu erstellenden Disc zeigt MovieGate in einem Infobereich am rechten Fensterrand an. Die anderen Bearbeitungsoptionen erreicht man über die vier Reiter „Video“, „Kapitel“, „Diaschau“ und „Menü“.
Zunächst lädt man die Videospur, wobei eine gleichnamige Audiospur automatisch mitgeladen wird. Dabei zieht MovieGate eine etwaig vorhandene AC3-Spur MP2 vor. Mehrere Audiospuren unterstützt MovieGate 2 leider nicht. Beim Laden des Videos fragt MovieGate nach, ob man das Video neu kodieren oder ob man es unverändert beibehalten möchte. Bei DVB-Mitschnitten wird man sich für Letzteres entscheiden. MovieGate packt mehrere Filme problemlos hintereinander und erlaubt bei Übergröße auch das Requantisieren des Videos, sprich das schnelle Eindampfen mit vergleichsweise geringem Qualitätsverlust. Bei DVB-T sollte man darauf wegen der ohnehin niedrigen Bitrate verzichten, bei DVB-C und -S um nicht mehr als 20 Prozent eindampfen. Sind alle Einstellungen vorgenommen, fügt man die Audio/Videospuren mit einem Klick auf „Add“ der Bearbeitungsliste hinzu.
Wer manuell Kapitelmarken setzen will, benötigt für die Vorschau auch bei MovieGate die MPEG-Wiedergabekomponente von QuickTime. Den meisten Nutzern dürfte die Option, n Kapitelmarken gleichmäßig über die gesamte Filmlänge zu verteilen aber völlig ausreichen („Create n Chapters“).
Auch Bilder lassen sich in Form einer Diaschau als Film mit auf die DVD brennen: Man wählt einfach die gewünschten Bilder aus und stellt das Darstellungsintervall ein. Schicke Übergangsanimationen soll es erst in der kommenden MovieGate-Version 2.5 geben, die allerdings kostenpflichtig sein wird. Beim Druck auf „Add Slideshow“ erzeugt MovieGate die Diaschau und übergibt den MPEG-Strom an die Bearbeitungsliste.
Im letzten Bearbeitungsschritt kann man ein einfaches DVD-Menü erzeugen, bei dem sich Position, Größe und Vorschaubilder der Schaltflächen frei definieren lassen. Für jede Videodatei im Projekt legt MovieGate eine Schaltfläche an; Kapitelmenüs gibt es nicht. Mitunter ist in der Vorschau die Darstellung der Schaltflächen nicht korrekt, bei der fertigen DVD waren sie jedoch stets fehlerfrei.
Das in der unteren rechten Ecke des DVD-Menüs angezeigte MovieGate-Logo kann man unter Preferences/Menu abschalten. Hier lässt sich auch die Farbe (de)aktivierter Schaltflächen-Rahmen in DVD-Menüs anpassen. Benötigt man bei seinem Projekt mal keine Menüs, entfernt man einfach das Häkchen „Create a menu“ im Infobereich am rechten Fensterrand.
Ein Druck auf den Start-Button setzt den eigentlichen Authoring-Prozess in Gang. Per Voreinstellung erzeugt MovieGate neben einem VIDEO_TS-Ordner auch ein Disc-Image (*.img), das man direkt aus der Applikation heraus brennen kann. Alternativ lässt sich später das Festplatten-Dienstprogramm des Mac dafür bemühen. Deaktiviert man das Erzeugen des Images (unter Preferences/Burn/Create a Disc Image), spart man zwar Platz, benötigt zum DVD-konformen Brennen der Video-DVD aber zwingend Roxio Toast 7.
Literatur
[1] Sven Hansen, Filmothek Marke Eigenbau, c't 8/06, S. 152