Doktor Tux
Im Software-Dschungel moderner Distributionen verbergen sich viele hilfreiche Diagnoseprogramme und im Notfall essenzielle Reparaturwerkzeuge. Viele unterstützen den Linux-Guru bei der täglichen Arbeit oder helfen ihm in Notsituationen aus der Patsche - manche davon retten auch den Windows-Anwender aus brenzligen Situationen.
- Thorsten Leemhuis
Schon im Programmmenü einer gängigen Linux-Distributionen finden sich etliche Programme - tausende weitere Schätze für die Kommandozeile bleiben jedoch ohne Menüeintrag. Doch gerade in diesem Dickicht befinden sich zahlreiche Tools zur Systemdiagnose und Wartung, über die selbst erfahrene Linux-Nutzer manchmal erst nach Jahren stolpern.
Ein nicht unerheblicher Teil dieser Anwendungen kann in Notsituationen auch Anwendern zur Seite stehen, die normalerweise kein Linux einsetzen - etwa wenn die Partitionstabelle beschädigt wurde und rekonstruiert werden will oder die Hardware zickt. Durch die zahlreichen kostenlos erhältlichen Linux-Live-Distributionen für USB-Sticks, CDs oder DVDs ist ein Linux im Zweifel auch schnell am Start, wenn Windows nicht mehr bootet, DOS die Flügel streckt oder die selbst erstellte Windows-Live-CD nicht das nötige Rettungs-Tool enthält [1].
Schon Knoppix bietet sich als Plattform zur Diagnose oder Rettung im Notfall an - es enthält neben den zahlreichen grafischen Anwendungen auch viele der im folgenden erwähnten gängigsten Tools. Sie sind größtenteils auch auf der dieser c't-Ausgabe beiliegenden Knoppicillic-CD enthalten, die in der aktuellen Version 5 erstmals über das Boot-Menü ein Diagnose-Knoppix mit abgespeckter grafischer Oberfläche starten kann. Mit beiden Distributionen lässt sich zudem - Linux-kompatible Hardware vorausgesetzt - eine Verbindung ins Internet aufbauen. Details dazu beschreibt der Artikel auf Seite 168. Im Netz kann man mit Firefox nach Hinweisen und Werkzeugen zur Fehlerbeseitigung forschen.
Spezialisten
Neben Knoppix und Knoppicillin gibt es zahlreiche für Rettungs- und Diagnosezwecke speziell konzipierte Zusammenstellungen - etwa das 60 MByte kleine Insert, die 120 MByte umfassende System Rescue CD oder grml. Letzteres gibt es in einer 700 MByte großen Version sowie einer auf das Wesentliche zusammengeschrumpften Variante mit einem Umfang von 60 MByte. Alle vier sind kostenlos im Internet erhältlich - die URLs zu den Projekten und viele der im folgenden angesprochenen Programme finden Sie unter dem Soft-Link zu diesem Artikel.
Für neuere Hardware empfehlen sich Distributionen mit einem aktuellen Linux-Kernel - derzeit etwa Knoppix 5.1 (Vorabversion von 2.6.18), sowie das auf Linux 2.6.17 setzende grml und das Knoppicillin-5 von der beiliegenden CD. Für den Zugriff auf Daten von NTFS-Partitionen gilt es zudem einen genaueren Blick auf die NTFS-Unterstützung zu werfen - Knoppix oder Knoppicillin könnten dank der neuesten NTFS-Treiber für Linux besser auf NTFS-Partitionen schreiben.
Die Notfallmedien können auch eine beschädigte Linux-Installation wieder auf die Füße bringen. Dafür eignen sich auch die Rettungssysteme der Distributionen, die sich zumeist auf dem ersten Installationsmedium finden. Sie bringen zwar nicht gar so viele der Rettungs- und Diagnose-Programme mit, dafür können sie das installierte Linux meist komfortabel einbinden und reparieren. Die Rettungssysteme beherrschen zudem das korrekte Installieren und Entfernen von Software-Paketen mit rpm oder dpkg und verwenden die passende Prozessor-Architektur - mit einem generischen x86-Notfallmedium ist es etwa nicht möglich, per chroot direkt in eine x64-Installation zu wechseln.
Für Diagnosezwecke sollten Linux-Anwender schlicht bei ihrer normalerweise verwendeten Distribution bleiben. Zwar enthält kaum eine von ihnen wirklich alle der im folgenden angesprochenen Programme - die meisten sollten jedoch beiliegen oder sich problemlos mit apt-get, yast, yum und Co. aus zur Distribution passenden Paket-Sammlungen einspielen lassen. So sind sie dann auch optimal auf den Rest des Systems und insbesondere den Kernel abgestimmt, was bei einigen der im folgenden erwähnten Programme wichtig ist. Aus diesen Gründen finden Sie viele der in diesem Artikel beschriebenen Programme auch nur innerhalb des Diagnose-Knoppix der dieser c't-Ausgabe beiliegenden CD.
Literatur
[2] Datenbank mit Bezeichnungen von PCI-, AGP und PCIe-Hardware
[3] Liste mit Bezeichnungen von USB-Hardware
[4] Harald Bögeholz, Bärendienst, Wie ATA-Sicherheitsfunktionen Ihre Daten gefährden
[5] Johannes Endres, Boi Feddern, Clever vorsorgen, Festplattendiagnose mit SMART, c't 23/04, S. 236
| "Die Erste-Hilfe-CD" | |
| Weitere Artikel zum Thema "Die Erste-Hilfe-CD" finden Sie in der c't 21/2006: | |
| Software-Kollektion: System-Utilites | S. 114 |
| Heft-CD: Tools fĂĽr Hardware-Diagnose | S. 124 |
| Systemdiagnose und -wartung mit Linux | S. 130 |
(thl)