Vernetzte Unterhaltung

Die Verteilung von Medieninhalten in den eigenen vier Wänden ist unterm Berliner Funkturm immer noch Thema, auch wenn der PC die Schwelle zum Wohnzimmer noch nicht überwunden zu haben scheint.

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Philips ist ausgestiegen: Die auf der letzten IFA vorgestellten Media Center PCs fürs Wohnzimmer werden nicht mehr hergestellt, die Restbestände verkauft. Fujitsu Siemens hält an seinem Multimedia PC der Scaleo-Reihe immerhin fest, zur Funkausstellung sind allerdings nur moderate Anpassungen zu vermelden, die der allgemeinen Fortentwicklung der Hard- und Software geschuldet sind: etwas schnellere CPUs und Windows Vista.

Dem Thema des Heimunterhaltungsnetzes sind die Hersteller dennoch treu geblieben: So gibt es zahlreiche Streaming-Clients zu bestaunen, die Medieninhalte in verschiedenen Räumen nutzbar machen und auch bei den Server-Alternativen, die anstelle eines PC die Daten in den eigenen vier Wänden bereithalten, sind einige Neuigkeiten zu bewundern.

Ein Highlight der Messe dürfte Microsofts Home Server sein, der anstelle des herkömmlichen Desktop-PC die Rolle des Multimedia-Hubers im heimischen Datennetz übernehmen soll. Mit Medion und Fujitsu Siemens gibt es gleich zwei Anbieter, die ihren Homeserver auf der IFA vorstellen wollen. Während Fujitsu Siemens noch von einem Prototyp spricht, stehen für Medions Homeserver zumindest einige Rahmendaten fest: Das kompakte Gerät soll mit zwei SATA-Festplatten à 250 GByte ausgestattet sein und sich bis auf 2 TByte aufrüsten lassen.

Microsoft selbst präsentiert seine Vorstellung vom vernetzten Heim dieses Mal abseits des Messegeländes im Microsoft Showroom am Kurfürstendamm 26. Zusammen mit zahlreichen Kooperationspartnern wie Medion, Sony und der Deutschen Telekom zeigen die Redmonder, was mit Vista, Xbox-360 und anderen Geräten innerhalb des Microsoft-Universums alles möglich ist. Auf dem Messegelände selbst ist der Softwaregigant nur auf kleineren Partnerständen mit seinen Produkten vertreten.

Im Trend liegen kompakte NAS-Lösungen (Network Attached Storage), die bei niedrigem Stromverbrauch die Mediendateien im Heimnetz vorhalten. Fujitsu Siemens präsentiert seinen Activy Media Server 150. Das mit bis zu 500 GByte bestückte NAS ist mit einem UPnP-AV-Server von TwonkyVision ausgestattet. Der läuft auch in Netgears Ready NAS RND 4425. Zusätzlich hat der Netzwerkspezialist einen Server für die beliebten Audio-Streaming-Clients von SlimDevices integriert.

Mit Loewe nimmt sich nun auch ein klassischer Vertreter der Unterhaltungselektronik dem Thema Video-Streaming an. Mit der Serie „Connect Media“ bietet das Unternehmen stilvolle LC-Displays mit 32, 37 oder 42 Zoll Bildschirmdiagonale, die mit einem integrierten Streaming-Client ausgestattet sind. Videoinhalte lassen sich bis hin zu HD-Auflösungen per Ethernet ins Wohnzimmer streamen. Zusätzlich zum Netzwerkanschluss, der auch über WLAN erfolgen kann, bieten die Fernseher eine USB-Buchse zum direkten Anschluss beliebiger Speichermedien. Das Traditionsunternehmen sieht den Fernseher immer noch als den multimedialen Mittelpunkt des Heimes, was dessen Vernetzung als logische Konsequenz hat.

Netgear zeigt seinen HD-fähigen Streaming-Client Eva8000 (siehe auch den Test ab Seite 106). Die Streaming-Box im HiFi-Format bringt H.264-kodierte HD-Videos per HDMI auf hochauflösende Displays. Im Unterschied zum Vormodell hat sich Netgear dieses Mal gegen eine Zertifizierung nach Intels Viiv-Standard entschieden. Ein Menetekel, denn insgesamt ist es um die Wohnzimmer-Offensive des Chipherstellers verdächtig ruhig geworden. Nachdem die PR-Kanonen auf der vergangenen IFA ihr Pulver verschossen hatten, ging der Marketing-Maschine schnell die Luft aus. Wenige Hersteller sind auf den Viiv-Zug aufgesprungen und auch im damals angepriesenen Online-Portal findet man statt hochwertigem Content nur gähnende Leere vor.

Ganz am Rande der großen Server- und Streaming-Lösungen scheint sich im Bereich Audio-Streaming und Internet-Radio ein ganz eigenes Segment zu entwickeln. Mit der weiten Verbreitung von Flatrate-DSL-Anschlüssen und WLAN finden immer mehr Kunden Gefallen am weltweiten Radiovergnügen per Internet. Das US-amerikanische Unternehmen Tivoli Audio, das vor einigen Jahren mit seinem schicken UKW-Radio Model One überraschte, zeigt auf der IFA sein NetWorksGo. Das kompakte Gerät, das sich auch mit Batterien betreiben lässt, versteht sich als Weltempfänger der neuen Generation. Der NetWorksGo empfängt Radio per UKW, DAB oder Netzwerkverbindung und kann zu Hause als Streaming-Client per WLAN oder Ethernet auf die Audiosammlung zurückgreifen. Ein ähnliches Gerät präsentiert Revo Technologies mit dem Pico: Der kombinierte WLAN/DAB-Empfänger ist durch seinen integrierten Akku bis zu zwölf Stunden unabhängig vom Stromnetz.

Wenn es um die vernetzte Heimbespaßung geht, scheinen viele Hersteller momentan noch kleine Brötchen zu backen. In der Minimalversion nach dem Vorbild des Turnschuhnetzwerks wird es dem IFA-Besucher allenthalben begegnen: USB-Buchsen zum Anschließen von Speichermedien flanschen die Hersteller an alle möglichen und unmöglichen Geräte - egal ob Autoradio, Fernseher, Radiowecker oder Stereoanlage. Besonders die positive Entwicklung bei den Audiospielern zeigt, aus welchen Zutaten man im vernetzten Heim für ein Erfolgsrezept benötigt: reichhaltige Inhalte (lokal und online), bequeme Übertragungstechniken (WLAN) und ein attraktiver Preis. Treffen all diese Faktoren zusammen, wird die Vision des multimedial vernetzten Heims vielleicht schon zur nächsten IFA Realität.

Fujitsu Siemens Halle 13, Stand 101
Loewe Halle 6.2, Stand 101
Medion Halle 4.2, Stand 101
Metz Halle 21.B, Stand 102
Netgear Halle 12, Stand 119
Philips Halle 22, Stand 101
Revo Halle 2.1, Stand 110
Sangean Halle 25, Stand 137
Tivoli Audio Halle 3.2, Stand 109
(sha)