Die Gewinner

Anfang Juni riefen wir den Wettbewerb creativ ’07 ins Leben und luden unsere Leser ein, den ultimativen Technik-Kurzfilm zu drehen. Über fünfzig Filmemacher folgten dem Ruf und stellten sich dem Votum von Redaktion, heise online-Usern und IFA-Publikum.

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Über hundert Anmeldungen potenzieller Teilnehmer erreichten uns nach der Wettbewerbsankündigung, von denen die Hälfte pünktlich zum Stichtag, dem 13. August, einen Beitrag ablieferten. Die Gesamtzahl an Wettbewerbsbeiträgen war zu hoch, um sie komplett dem Online- und IFA-Votum zuzuführen. Deshalb entschlossen wir uns, zwölf Beiträge in eine Nominiertenliste zu wählen.

Die Vorauswahl fiel schwer, doch am Ende der internen Diskussionen im creativ-Team standen die Anwärter fest. Ihre Beiträge enthielten den gewünschten Technik-Bezug, erzählten eine kleine Geschichte und hielten sich - in etwa - an den vorgegebenen Zeitrahmen von 30 Sekunden.

Insgesamt stellten sich die zwölf nominierten Beiträge dem Urteil von über 1500 Juroren. Jeweils zu einem Drittel gewichteten wir das Votum der c't-Redaktion, der heise online-Leser und des IFA-Publikums. Letzteres genoss die Filme standesgemäß mit Popcorn im eigens errichteten Kino auf dem Heise-Stand.

Den dritten Platz in der Gesamtwertung belegte der Beitrag „Zukunftsvision“ von Heiko Thies. Der Protagonist lernt die Tücken der modernen Heimautomation kennen und flüchtet am Ende zum guten alten Amiga im Keller. Als Preis kann sich Herr Thies über eine NAS-Lösung (Netgear RND4250-100) mit ein TByte-Speicher freuen.

Auf Platz zwei schaffte es der Beitrag „Lampe 2.0“ von Martin Brühl, der sich als Regisseur und Hauptdarsteller nur kurz über seine sprachgesteuerte Hightech-Leuchte freuen kann und am Ende mit der alten Kerze dasitzt. Er kann seine Videos in Zukunft auf dem 24-Zoll-LCD-Monitor HD13441W von Eizo bearbeiten.

Ganz oben in der Gunst der Juroren stand eindeutig die „Mouse-Falle“ von Eckhard Kruse - Atari-ST-Fans bekannt als Programmierer des Spiels „Ballerburg“. Die Geschichte des widerspenstigen Eingabegerätes, das zum Schluss seinen Herrn und Meister über den Tisch zieht, konnte am meisten Stimmen auf sich vereinen. Für seine perfekt in Szene gesetzte Kurzgeschichte erhält Herr Kruse einen HD-fähigen Camcorder von JVC (GZ-HD7).

Doch nicht nur die drei Hauptgewinner haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Als Beispiel sei nur das Klogespräch in „Kleine Zahlen“ genannt, das auf dem Messestand zum Running-Gag avancierte („Ach, die Pi. Die ist doch irrational!“) und zu weiteren Zahlenspielereien animierte („Trifft ne Null ne Acht: ,Schöner Gürtel’“).

Besonders das IFA-Publikum ließ sich vom 30-Sekünder „Countdown“ mitreißen, in dem der „speziell auf Style ausgebildete CIA-Agent Jack“ in Jump&Run-Manier zur Entschärfung einer Bombe eilt. Für die c't-Redaktion hingegen war „Das letzte Bit“ besonders aufschlussreich: Nun weiß man als Redakteur endlich, was wirklich zum gefürchteten Bluescreen führt und kann in Zukunft mit dem letzten Bit gemeinsam leiden.

Um die Arbeit und Mühe wertschätzen zu können, hieß es für die c't-Redaktion schon im Vorfeld des Wettbewerbs „Ärmel hochkrempeln“. Auch wir produzierten mit unserem Lego-Mann und seinen Doubles einen Kurzfilm in Stopp-Trick-Technik. Was wir jedoch von den Wettbewerbssiegern zu sehen bekamen, ließ uns vor Neid erblassen.

Heiko Thies nutzte für den Dreh seiner „Zukunftsvision“ eine modifizierte HDV-Kamera von Sony (HDR-HC1), die durch einen selbst gebauten Objektivvorbau für das richtige Kinogefühl sorgt: „Beim sogenannten Projekt35 handelt es sich um einen selbst gebauten Adapter, mit welchem man die aus Kinofilmen bekannte geringe Tiefenschärfe auch für digitale Camcorder nutzbar machen kann“, so Thies gegenüber c't. „Die Anleitung hierzu kursiert im Internet. Die Teilnahme bei creativ ’07 war das erste richtige Kurzfilm-Projekt, in dem wir den Adapter genutzt haben.“

Mit im Team war der Hauptdarsteller und Cinema4D-Spezialist Felix Roth. „Um den Effekt des Hologramms zu realisieren, muss-te Felix vor dem Hintergrund freigestellt werden. Wir wussten, die Sequenz wird etwas länger, also entschlossen wir uns, die Szene mit einem Greenscreen zu drehen, um Felix nicht Bild für Bild freistellen zu müssen“, so Thies. „Die Bewegungen von Felix’ Händen auf dem virtuellen Display mussten wir während des Drehs an das zuvor animierte Menü anpassen. Danach haben wir das fertige Holo-Menü in die eigentliche Szene gebracht und perspektivisch richtig positioniert, um den Eindruck zu erwecken, es würde im Raum schweben.“ Abschließend wurden mit Adobe After Effects einige weitere Effektebenen angewandt, um den Leuchteffekt zu verstärken und dem ganzen Hologramm einen wässrigen Look zu geben, der auf Berührungen reagiert.

Alle Aufnahmen zum Film entstanden an einem Wochenende. Zum zeitlichen Aufwand für die ausgefeilten Effekte der „Zukunftsvision“ machte das Team um Heiko Thies keine Angaben.

Doch man musste nicht unbedingt High-Tech einsetzen, um einen Platz auf dem Treppchen zu ergattern. Wer hinter der Laufschrift von Martin Brühls „Lampe 2.0“ Animationseffekte vermutet, wird überrascht sein: „Die Texte in der Lampe wurden aus einem Werbeprospekt ausgeschnitten und spiegelverkehrt mit Tesafilm in die Lampe geklebt“, so der Filmemacher gegenüber c't. „Dann habe ich die Aufzeichnung einfach durchlaufen lassen und die Kugel immer Stück für Stück gedreht. Anschließend habe ich die entsprechenden Frames am PC ausgeschnitten.“ Eine Art von Stopp-Trick, dessen Ergebnis sich durchaus sehen lassen kann.

Auch bei der Vertonung griff Brühl auf Hausmittel zurück: „Das Update-Geräusch ist die kleine Tröte des zweijährigen Thilo von nebenan und das Registrierungsgeräusch entstand, indem ich in eine leere Plastik-Mineralwasser-Flasche pustete.“ Für das Glasklirren opferte der Filmemacher ein Senfglas. Als Produktionszeit gab Martin Brühl etwa acht Stunden plus die Erarbeitung des Drehbuchs an. Brühl arbeitet mit Adobe Premiere Pro, als Camcorder nutzt er eine Canon XM2.

Der Mann hinter dem erstplatzierten Film „Mouse-Falle“, Eckhard Kruse, hat schon deutlich tiefer in die Trickkiste gegriffen. Das beginnt schon beim „abgefilmten“ Bildschirm: „Die Bildschirmszenen habe ich als 3D-Animationen in Cinema4D erzeugt. Das ist zwar zunächst mehr Aufwand, macht aber die Kamerafahrten entlang des Mauszeigers besonders einfach“, so Kruse gegenüber c't. „Um trotzdem nicht nur am Bildschirm kleben zu müssen, modellierte ich zusätzlich den Monitor und im Hintergrund ein Regal mit Ordnern. Dank Tiefenunschärfe und kurzen Einstellungen sollten dem Zuschauer die simplen Modelle nicht auffallen.“

Für die Schlussszene musste der Filmemacher Realität und Computeranimation verschmelzen: „Da sich in der Szene außer dem lachenden Mauszeiger nichts bewegt, reichte als Hintergrund ein Foto des Zimmers. Die hohe Fotoauflösung konnte ich hinterher für die Kamerafahrt gut gebrauchen. Für einen Teil der realen Szene erstellte ich 3D-Modelle in Cinema4D, die mit dem Foto als Textur versehen wurden - sogenanntes Camera mapping“. Fehlte nur noch die Bewegungsanimation der lachenden Maus: „Das Modell des Mauszeigers ist schnell erstellt, für die Charakteranimation in Cinema4D muss man es zudem mit einem Knochengerüst ausstatten.“ Die eigentliche Animation entstand auf Basis der Tonspur, frei nach der Formel: Lachen = Kopf in den Nacken werfen + mit den Händen auf die Schenkel klopfen.

Die Idee zum Kurzfilm entstand in einem Brainstorming. Kruse sammelte Stichwörter, Ideenbröckchen, Erlebnisse und Querverbindungen. Die Themenvorgabe half ihm die Suche zu fokussieren: „Ich fragte mich, was typische Handlungen am Computer sind, was alles passieren kann und was ich dabei fühle. Plötzlich fügten sich die Steinchen zu etwas Neuem zusammen: Was passiert, wenn die Maus ein Eigenleben entwickelt?“

Die reinen Filmaufnahmen mit einer MiniDV-Kamera (Sony PDX 10 P) dauerten laut Kruse „einige Stunden“, wobei er die reale Welt durch Schlagschatten (Halogenstrahler) und nachträgliche Farbbearbeitung ästhetisch bewusst gegenüber der bunten Computerwelt abgrenzte. Bei 3D-Animationen, Compositing, Vertonung und dem Schnitt mit Sonys Vegas 7.0 dürfte so manche Stunde ins Land gegangen sein.

Allen Gewinnern herzlichen Glückwunsch und vor allem viel Spaß mit ihren wohlverdienten Gewinnen. Ein Dankeschön auch an all die, die dieses Mal leer ausgegangen sind: Die gesamte Bandbreite an Einsendungen war es, die creativ ’07 für alle beteiligten Juroren und Beobachter so spannend gemacht hat.

creativ '07 - Abstimmungsergebnisse
c't-Redaktion heise online IFA-Publikum
Platz 1 Mouse-Falle Lampe 2.0 Mouse-Falle
Platz 2 Kleine Zahlen Mouse-Falle Countdown
Platz 3 Lampe 2.0 Zukunftsvision Zukunftsvision
Platz 4 Das letzte Bit Little Bytes Lampe 2.0
Platz 5 Countdown Kleine Zahlen Das letzte Bit

(sha)