DaimlerChrysler bündelt Aktivitäten im Internet-Geschäft
Der Autokonzern DaimlerChrysler bündelt seine weltweiten Aktivitäten im elektronischen Business in der neuen DCX NET Holding mit einem Startkapital von 550 Millionen Euro.
Der Autokonzern DaimlerChrysler bündelt seine weltweiten Aktivitäten im elektronischen Business und hat dafür eine eigene Gesellschaft gegründet. Mit der neuen DCX NET Holding wolle das Unternehmen alle Bereiche vom Einkauf bis zum Absatz schneller, effizienter und wettbewerbsfähiger machen, sagte Eckhard Cordes, in der DaimlerChrysler AG als Vorstandsmitglied für Konzernentwicklung und IT-Management zuständig, am Montag in Stuttgart vor Journalisten. In der Holding würden alle existierenden und künftigen E-Business-Investitionen und Beteiligungen zusammengefasst werden.
Die DCX NET Holding ist mit einem Startkapital von 550 Millionen Euro ausgestattet. Unter dem Kürzel DCX wird die DaimlerChrysler-Aktie an den Börsen gehandelt. Die Holding hat die Gesellschaftsform einer GmbH und ist direkt an die DaimlerChrysler AG angegliedert. Kurzfristig sei an einen Börsengang nicht gedacht, mittel- oder langfristig wolle er dies aber nicht ausschließen, sagte Cordes. Die DaimlerChrysler-Aktie legte am Montag bis zum Mittag um 3,53 Prozent auf 52,80 Euro zu.
Das Internet werde alle internen und externen Abläufe der Automobilindustrie revolutionieren, ist man beim deutsch-amerikanischen Konzern überzeugt. Diese Entwicklung begreife DaimlerChrysler als einmalige Chance zur besseren Positionierung im internationalen Wettbewerb. "Die gewaltigen Wettbewerbsvorteile, die sich durch professionell betriebenes E-Business bieten, wird DaimlerCHrysler schnell aufgreifen und optimal ausschöpfen", sagte Vorstandschef Jürgen Schrempp dazu.
Dazu gehören vor allem geschäftliche Transaktionen mit Zulieferern wie auch Autoverkäufe per Internet oder die Beteiligung an Internet-Firmen. DaimlerChrysler hat bereits COVISINT, den nach eigenen Angaben weltgrößten Internet-Marktplatz, mitinitiiert. Daran sind auch die Automobilkonzerne General Motors, Ford und Nissan/Renault beteiligt. COVISINT hat die Kartellhürden in den USA und Deutschland genommen und die Geschäfte aufgenommen. Mehr als 330 Millionen Euro habe DaimlerChrysler bereits in Beteiligung an Internet-Firmen investiert. Ein Venture Capital Fonds für die Beteiligung an Start-Ups sei kürzlich von 20 auf 120 Millionen Euro aufgestockt worden.
DCX NET setzt sich laut DaimlerChrysler aus vier Bausteinen zusammen: Die Vernetzung zum Kunden (B2C), die Vernetzung der Wertschöpfungskette (B2B/Zulieferer, Einkauf etc.), die Vernetzung der Produkte und die Vernetzung der Belegschaft. Für alle Mitarbeiter sei die Beschäftigung mit dem Internet deshalb eine tägliche Plichtaufgabe, hieß es.
Einen hohen Stellenwert sollen auch der Autohandel im Internet sowie die Telematik (internetgestützte Dienste und Verkehrssteuerung) im Rahmen von DCX NET einnehmen. Künftig werden alle in den USA verkauften Mercedes-Benz-Pkw mit einem Internetzugang ausgestattet sein. Der smart war das weltweit erste Fahrzeug, das per Internet konfiguriert und bestellt werden konnte. Heute werden auch neue Mercedes-Benz-Pkw im Internet angeboten. Schon in den nächsten Jahren würden 90 Prozent aller Kunden sich im Internet ausführlich über die Angebote informieren. Allerdings wird nach Einschätzung des Autokonzerns auch weiterhin die Mehrheit ein Fahrzeug in der Realität anschauen und Probe fahren wollen.
Cordes sagte zum Thema E-Business, "wir wissen auch nicht, wie die Entwicklung exakt weitergeht. Aber wir müssen so aufgestellt sein, um allen Anforderungen gerecht werden zu können." Zwar sei die "E-Hype" vorbei, aber das E-Business fange jetzt erst richtig an, meinte der Manager. (dpa) (jk)