Funk-Evolution

Mittlerweile streuen bessere Internet-Provider keine WLAN-Router nach dem angestaubten 802.11g-Standard mehr unters Volk, sondern moderne Draft-N-Geräte, die vielfachen Durchsatz und mehr Reichweite versprechen. Wer aber gerade keinen neuen Vertrag abschließen will, steht vor einem Dilemma: Die alte Basisstation weiternutzen oder der Wirtschaft aus der Krise helfen?

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Inhaltsverzeichnis

Wer heute seinen Internet-Zugang von vier auf 16 oder mehr MBit/s hochstuft, wundert sich unter Umständen, dass das Notebook am anderen Ende der Wohnung davon gar nichts mitkriegt. Das kann am vorhandenen WLAN-Router liegen, der noch nach dem inzwischen veralteten IEEE-Standard 802.11g funkt und bestenfalls 10 MBit/s schafft, weil Wände dämpfen und der Nachbar sein Funknetz ebenfalls nutzt.

Seit mittlerweile vier Jahren ist eine neue WLAN-Generation auf dem Markt, die mit mehreren technischen Verbesserungen die Datenrate im Funknetz hochzwiebelt: Durch Protokolloptimierung, gleichzeitigen Einsatz mehrerer Antennen (MIMO, siehe Link am Artikelende) und Verdoppelung der Funkkanalbreite kann die WLAN-Basisstation heute 300 MBit/s brutto statt 54 MBit/s durch die Luft schicken. Obendrein soll auch noch die Reichweite steigen, machen einem die Hersteller weis.

Was davon in der Praxis beim GegenĂĽber ankommt und mit welchen Kniffen man das Maximum herausholt, schildert der nachstehende Beitrag ab Seite 90. Hier geht es um die Einordnung der WLAN-Standards fĂĽr verschiedene Anwendungen, die wichtigsten Konfigurationseingriffe und Hinweise zur Sicherheit.

Ab 2001 begann sich das vormals teure WLAN mit dem IEEE-Standard 802.11b als Massen-Vernetzungstechnik auszubreiten: DSL war mit ein bis zwei MBit/s vergleichsweise langsam und 802.11b mit seinen 5–6 MBit/s Nettodurchsatz passte gut dazu. Damit war komfortables Sofa-Surfen und auch Audiostreaming möglich. 11b-Geräte sind seit Langem veraltet. Von Gebrauchtangeboten auf Online-Marktplätzen sollten Sie die Finger lassen, auch weil damit meist keine sichere Verschlüsselung möglich ist. Nicht nur deshalb sollten auch alte WLAN-Telefone durch moderne ersetzt werden: Wenn ein 11b-Gerät an der 11g- oder 11n-Basisstation angemeldet ist, schaltet diese in einen Kompatibilitätsmodus, der deutlich Durchsatz kostet (siehe Seite 90).

Von 2003 an etablierte sich die nächstschnellere Version 802.11g und das Gedränge im verwendeten 2,4-GHz-Funkband nahm zu. Das damals bereits verfügbare 5-GHz-Band, in dem 802.11a-Geräte arbeiten, ließen Hersteller und Verbraucher links liegen, weil die neuen Funker sich auch mit den alten 11b-Geräten verständigen sollten. Anders als heute waren Basisstationen mit zwei Funkmodulen, die beide Bänder gleichzeitig bedienen, noch unerschwinglich. 11g verfünffacht den Bruttodurchsatz und erlaubt – bei halbwegs guter Funkverbindung – auch Videostreaming im Standardformat. Wenn das ausreicht, können Sie 11g-Hardware moderaten Alters nachkaufen, um ihr WLAN zu erweitern. Besser angelegt ist das Geld aber in modernen, dualbandfähigen Adaptern, die wahlweise bei 2,4 oder 5 GHz funken; die veralteten IEEE-Modi 802.11b und 802.11g beherrschen sie ja ebenfalls. USB-Adapter eignen sich für stationäre PCs, bei Notebooks lässt sich eventuell die integrierte Karte tauschen [1,2].

Heute ist Draft-N-WLAN nach dem Entwurf (Draft) für den WLAN-Standard 802.11n angesagt, das derzeit mit auf 40 MHz Breite verdoppelten Funkkanälen und zwei räumlich parallel übertragenen Datenströmen (Spatial Streams) maximal 300 MBit/s brutto schafft. Es liefert genug Durchsatz, dass selbst HD-Videos ruckelfrei über die Funkverbindung laufen können.

Die meisten billigen Draft-N-Basisstationen arbeiten nach wie vor nur im 2,4-GHz-Band, etwas teurere Geräte funken alternativ auch bei 5 GHz. Selbst Modelle, die beide Bänder gleichzeitig bedienen, sind für unter hundert Euro zu haben. Sie erlauben, ältere Clients auf 2,4 GHz weiterzunutzen und die neuen, schnellen Adapter im freien 5-GHz-Band zu betreiben. Weil dann ohnehin nur 11n-Clients zu versorgen sind, empfiehlt es sich, den leicht bremsenden Kompatibilitätsmodus für die älteren Verfahren 802.11b und 11g abzuschalten. Wenn Sie die WLAN-Clients, die maximal 11g beherrschen, nicht gleich ersetzen wollen (iPhones, Spielekonsolen oder auch Notebook-Schätzchen aus dem WLAN-Neolithikum), greifen Sie zu einem Dualbander, der zwei Funkmodule enthält [3].

Seit Kurzem existieren auch schon Draft-N-Notebooks, die mit drei Streams bis zu 450 MBit/s transportieren, doch gibt es noch keine dazu passenden Basisstationen. Die könnten im Herbst auf den Markt kommen. Dann soll auch endlich der IEEE-Standard 802.11n ratifiziert werden, der maximal 600 MBit/s mit vier Streams definiert. Ob bezahlbare 600-MBit/s-Geräte jemals erscheinen, steht wegen des hohen Hardware-Aufwands – vier Antennen mit eigenen Sender/Empfängerzügen – in den Sternen.

Dass der 11n-Standard noch nicht verabschiedet ist, muss indes niemanden vom Kauf abhalten. Die derzeit erhältlichen Draft-N-Geräte funken schon gut genug und eine weitgehende Kompatibilität unter Geräten verschiedener Hersteller ist gewährleistet.

Ein weiterer Trend geht zu abgespeckten 802.11n-Adaptern: Der gleichzeitige Einsatz mehrerer Antennen setzt einen Mindestabstand zwischen den Wellenfängern voraus, damit Spatial Multiplex gut funktioniert. Deshalb funken kompakte Draft-N-USB-Sticks oft schlechter als die in Notebooks integrierten Adapter, wo die Antennen im Displayrahmen mit ausreichend Abstand zueinander sitzen.

Daher verzichten manche Hersteller gleich ganz auf die zweite Antenne, sodass die 11n-Chips in den „N-Lite“-Stiften auf 150 MBit/s brutto Höchstgeschwindigkeit festgenagelt sind. Wenn die Basisstation dann noch auf einen 20 MHz breiten Funkkanal eingestellt ist, um Reibereien mit Nachbarnetzen zu vermeiden, schaffen die Billig-Stöpsel bestenfalls 75 MBit/s brutto, nur wenig mehr als das etablierte 11g-WLAN. Geben Sie Ihr Geld lieber für ausgewachsene Draft-N-Adapter aus.

Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 13/2009.

Literatur

[1] Ernst Ahlers, USB-Schnellfunker, USB-Adapter fĂĽr Draft-N-WLAN, c't 17/08, S. 152

[2] Ernst Ahlers, Turbo-WLAN, Notebooks mit Draft-N-WLAN aufrĂĽsten, siehe Link

[3] Ernst Ahlers, Doppelfunker, Dualband-Basisstationen vermeiden Funkgedrängel, c't 19/08, S. 130

www.ctmagazin.de/0913086


"WLAN wie geschmiert"

Artikel zum Thema "WLAN wie geschmiert" finden Sie in der c't 13/2009:
Technische Grundlagen von WLANs S. 86
Tuning-Tipps fĂĽrs eigene Funknetz S. 90

(ea)