Vereinigung europäische Registrare will .eu-Registry
CO-EURs Ziel ist es, eine starke Vertretung der europäischen Registrierunternehmen zu schaffen und sich um den Betrieb der Top Level Domain .eu zu bewerben.
Zur ersten öffentlichen Sitzung des neugegründeten Vereins europäischer Registrare (Council of European Registrars, CO-EUR), trafen sich am gestrigen Freitag in Brüssel ein Dutzend ICANN-Registrare, sowie Vertreter von Länderadressverwaltungen (ccTLD) und ein Beobachter der EU-Kommission. CO-EURs Ziel ist es, eine starke Vertretung der europäischen Registrierunternehmen zu schaffen und sich bei der Kommission um den Betrieb der geplanten Top Level Domain .eu zu bewerben. Ob CO-EUR sich selbst um den technischen Betrieb der Registry kümmern wird oder diesen weitervergibt, dazu wollte der erste CO-EUR-Präsident Francois Collignon sich vorerst noch nicht äußern. "Das ist ein heißes Eisen", sagte der Direktor Registrierung des Registrierunternehmens 7Ways/TLDNames nach der Sitzung.
Die Europäische Kommission hat im Dezember dem Rat und dem Europäischen Parlament einen Vorschlag eingereicht, die Aufsicht über die geplanten Europa-Domain per Verordnung zu regeln. Die Verordnung würde die Auswahl des Registry-Betreibers und wesentliche Entscheidungen über die Registrierbedingungen in die Hände der Kommission legen. Noch im Januar wird der Rat den Verordnungsentwurf diskutieren; auf eine Entscheidung von Rat und Parlament hofft Kommissionsvertreter Christopher Wilkinson noch während der schwedischen EU-Präsidentschaft.
Man müsse abwarten, ob die Vertreter der Mitgliedsländer die Gewichte noch einmal stärker zu Gunsten der Mitgliedsländer verschieben, sagte Wilkinson gegenüber heise online. "Die Übertragung des Managements einer öffentlichen Ressource an eine private Institution durch die EU hat es in dieser Form noch nicht gegeben", meinte Wilkinson. Alle Rechte an der entstehenden Datenbank behält sich die Kommission vor, um gegebenenfalls auch einen neuen Betreiber einsetzen zu können.
Auf die Vergabe der Registry will CO-EUR auf jeden Fall vorbereitet sein, daher hatten Collignon, der SaarbrĂĽcker Domainprovider Keysystems und Robert Fox von BB Online UK/Nominet im November in Berlin den Verein gegrĂĽndet. Mitglieder des so genannten Interim Steering Committee, das der Kommission im vergangenen Herbst einen Vorschlag fĂĽr die Organisation der Registry vorgelegt hatte, kritisierten daher die VereinsgrĂĽndung. Beim Treffen in BrĂĽssel gab es Auseinandersetzungen zu der Frage, ob eine Registry-Organisation nicht auf eine breitere Basis gestellt werden mĂĽsse.
"Die Registrare sind ja nicht alles", sagte beispielsweise ICANN-Registrar Siegfried Langenbach nach dem Treffen. "Es geht um die Gesamt-Registry-Organisation und darin müssen möglichst auch andere Interessensgruppen wie Nutzer, Länderregistrare oder Markenschützer vertreten sein." Langenbach, wie Colliginon aktiv im Interim Steering Committee, setzt darauf, dass die Kommission die Organisation der Registry am ehesten einer solchen Organisation überträgt. Eine Vertretung der Registrare sei dabei durchaus sinnvoll, CO-EURs Satzung aber durchaus noch veränderungswürdig, kommentierte Langenbach.
"Es war uns einfach wichtig, den Prozess in Gang zu bringen", sagte Collignon. Dennoch einigte man sich in Brüssel darauf, CO-EUR in mehrfacher Hinsicht zu öffnen. Erstens sollen nicht wie in der bestehenden Vereinssatzung vorgesehen nur EU-Registrare – oder gar nur ICANN-akkreditierte Registrare aus der EU – Mitglieder werden können. Auch bei den verschiedenen Länderregistries akkreditierte Registrare werden zugelassen. Berücksichtigung sollen dabei im übrigen nicht nur Registrare der EU-Mitgliedsstaaten finden, sondern grundsätzlich alle europäischen Registrare. Die Kommission hatte sich ihrerseits bislang so geäußert, dass zunächst nur Unternehmen und Bürger aus der Union Adressen erhalten können.
Zweitens will CO-EUR verstärkt auch die Nicht-Registrarwelt in die Diskussion einbinden. Ab kommender Woche sollen in fünf offenen Arbeitsgruppen zu den Bereichen Technik, Finanzen/Geschäftsmodell, Kommunikation, Recht/Registrierungsrichtlinien und Mehrwert konkrete Positionen für .eu erarbeitet werden. Vereinspräsident Collignon betont, dass er auf breite Beteiligung hoffe: "Ich will die Arbeit ja nicht alleine machen." Inwieweit Nicht-Registrare auch reguläre Mitglieder in CO-EUR werden können, ist noch offen. Allerdings sehe die Satzung schon jetzt die Möglichkeit vor, dass Personen, die einen wesentlichen Beitrag zum Vereinszweck leisten können, einen Antrag auf Mitgliedschaft stellen können.
Beim nächsten Treffen am Rande der nächsten Veranstaltung zu .eu in Brüssel (EC-POP), sollen dann weitere CO-EUR-Organe aus der Taufe gehoben und Fragen wie die nach der Höhe der Mitgliedsbeiträge beantwortet werden. Zahlreiche Registrare hätten inzwischen bereits ihr Interesse an der Mitgliedschaft erklärt, sagte Collignon. Vorerst allerdings besteht der Verein erst mal noch aus dem vierköpfigen Vorstand: einem Präsidenten, einem Vizepräsidenten, einem Schatzmeister und dem Pressesprecher. (Monika Ermert) / (jk)