"Persönliche Digitale Videorekorder" für den deutschen Markt
Als nach eigenen Aussagen erster deutscher Hersteller will Grundig einen "Personal Digital Recorder (PDR)" auf den hiesigen Markt bringen.
Als nach eigenen Aussagen erster deutscher Hersteller will Grundig einen Personal Digital Recorder (PDR) auf den hiesigen Markt bringen. Glaubt man den Marketingstrategen der Unterhaltungselektronik, lösen solche Geräte schon bald die herkömmlichen analogen Videorekorder ab, weil sie deutlich mehr Komfort bieten. So soll man beispielsweise ein Fernsehprogramm aufnehmen und zeitversetzt abspielen können, um etwa Werbeblöcke zu überspringen ("Timeshift"). Ein "elektronischer Programmführer" (EPG) verspricht mehr Übersicht im Dschungel der TV-Kanäle und ein individuelles Fernsehprogramm nach den Wünschen des Anwenders.
Der unter dem Namen "MediaTV" ursprünglich von Axcent entwickelte Grundig-PDR konzentriert sich vorerst auf digitale Satellitenprogramme. Mithilfe des eingebauten Astra- und Eutelsat-kompatiblen Tuners kann er derzeit etwa 45 deutschsprachige Kanäle empfangen. Ansonsten stecken in dem Gerät zum Teil herkömmliche PC-Komponenten wie etwa eine 20-GByte-Festplatte. Den PDR mit der HiFi-Turm-gerechten Optik (36 cm × 68 cm × 26 cm) schließt man direkt an den Fernseher an.
Laut Grundig passen bis zu 12 Stunden Fernsehprogramm auf die Festplatte. Alte Aufnahmen werden nach einer einzustellenden Zeit automatisch gelöscht, es sei denn, der Anwender möchte sie behalten. Zum Archivieren sollte man sie aber besser auf herkömmliche Videocassetten überspielen – ein passender SCART-Anschluss ist vorgesehen –, denn ein Massenspeicher etwa in Form eines CDR-Brenners oder DVD-RAM-Laufwerks lässt sich bislang nicht anschließen. Immerhin kann man nachträglich eine größere Festplatte einbauen, die dann bis zu 100 Stunden lang aufnehmen soll. Laut Pressesprecher Dieter Kreisle ist Grundig an dem von mehreren Herstellern initiierten Standard "Multimedia Home Platform" rege beteiligt; Internet-Daten vermag der DPR allerdings bislang noch nicht aufzubereiten.
Wiewohl die Hardware-Entwicklung abgeschlossen ist, verzögert sich die Markteinführung, bis der "Electronic Program Guide" verlässlich funktioniert, erklärte Kreisle. Ende des Jahres soll der PDR aber in den Ladenregalen stehen; man geht von einem Verkaufspreis unter 2000 Mark aus. Mit ähnlichen Ankündigungen anderer Hersteller ist zu rechnen. Neben Grundig steht beispielsweise auch die Fast TV-Server AG mit ihrem Konkurrenzprodukt in den Startlöchern. In den Vereinigten Staaten werden entsprechende Produkte bereits verkauft.
Digitale Videorekorder wird es in nächster Zeit auch zum Nachrüsten für PCs geben. Mehrere Peripheriehersteller haben Produkte mit einem dem PDR ähnlichem Funktionsumfang angekündigt. Wo DVB-Tuner in Form von PCI-Karten nur noch um die passende Software ergänzt zu werden brauchen (siehe auch Ausgabe 17/2000 der c't), kämpfen andere Hersteller noch mit der Kompression der hohen Datenmengen, die beim Empfang analogen Materials etwa aus dem TV-Kabel entstehen. Mit ersten Produkten, die Filme per MPEG-II-Encoder in Echtzeit schrumpfen, auf Festplatte spielen und auf Wunsch zeitversetzt abspielen, ist in den nächsten Monaten zu rechnen. (se)