Alles wird schlimm

Marc Goodman schreibt über die Verbrechen der Zukunft und wie wir uns dagegen schützen können.

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Marc Goodman schreibt über die Verbrechen der Zukunft und wie wir uns dagegen schützen können.

Der Klappentext führt ein wenig in die Irre: "Bestens ausgebildete Elite-Kriminelle", heißt es da, "mischen neben Terrororganisationen, Geheimdiensten und ausländischen Regierungen immer öfter mit beim globalen Daten-Monopoly. Das Internet wendet sich gegen uns. Es wird Zeit, dass wir aufwachen." Aber der erste Eindruck täuscht. In "Global Hack" geht es um mehr als Hacker, die Banken ausspähen, und Geheimdienste, die unsere Handys knacken: Im zweiten Teil des Buches – und das ist der sehr viel spannendere – geht es vor allem um die Zukunft des Verbrechens.

"Was die rein technische Bedrohung unserer Sicherheit angeht, so ist die Zukunft längst da", schreibt Goodman. "Sie erwacht gerade im Laptop des Jugendlichen neben Ihnen in der Bibliothek, der die nächste Silk Road und den nächsten Assassination Market gründet. Sie lauert in der Garage eines hasserfüllten Biohackers, der es leid ist, in der Schule gehänselt zu werden, und es jetzt seinen Klassenkameraden mit dem neuen Bakterienstamm mal so richtig zeigen will. Sie stapelt sich beim Discounter, der Quadrocopter-Drohnen im Sonderangebot feilbietet, die ohne Murren auch Waffen über Gefängnismauern und Flughafenzäune tragen."

Neben der Bedrohung durch Malware und der alltäglichen Überwachung durch Smartphones und Big Data diskutiert Goodman die zahlreichen Möglichkeiten, die sich Verbrechern bieten, wenn sie technisch auf der Höhe der Zeit sind. Angefangen bei Drohnen, über Funkjammern, die elektronische Schlösser, Alarmanlagen und GPS-Module außer Gefecht setzen, über die kreative Nutzung von 3D-Druckern für kriminelle Zwecke bis hin zu den Möglichkeiten böser Biohacker. Natürlich ist dieser Teil des Buches hoch spekulativ – obwohl Goodman die einzelnen Abschnitte mit zahlreichen Fußnoten unterfüttert.

Und der Autor ist notorisch pessimistisch: Auch wenn beispielsweise nicht klar ist, ob Biohacker in Zukunft wirklich maßgeschneiderte Biowaffen entwerfen, die gezielt einzelne Personen töten könnten, geht Goodman immer vom Schlimmsten aus. "Alle Warnzeichen sind da, die Lage ist ernst, und wir dürfen keine Zeit mehr verlieren", schreibt er. "Ich darf Ihnen versichern, dass die Kriminellen, die Terroristen, die anderen bösen Jungs ganz gewiss keine Zeit verlieren."

Dennoch sind die Vorschläge Goodmans zur Lösung der Misere spannend und bedenkenswert – gerade weil der Autor der festen Überzeugung ist, dass Polizei und Ermittlungsbehörden zurzeit dabei sind, das technische Wettrennen mit den Verbrechern dieser Welt zu verlieren.

Denn was dem ehemaligen Mitarbeiter des FBI vor-schwebt, ist eine Art Crowdsourcing gegen das Verbrechen. Freiwillige Helfer beispielsweise könnten in einer Art Spiele-Umgebung Phishing-E-Mails ansehen und versuchen, in Echtzeit betrügerischen Spam zu identifizieren. "Es gibt einen Weg aus der Masse der technischen Bedrohungen", schreibt Goodman. "Indem wir den einfachen Bürger mobilisieren und uns die Kontrolle über unsere eigenen Geräte zurückholen, können wir das Potenzial aller zum allgemeinen Besten ausnutzen." Da wechselt der Pessimismus in Idealismus. Trotzdem ist zu hoffen, dass er recht behält.

Marc Goodman: Global Hack, Carl Hanser Verlag, 600 Seiten, 24,90 Euro (bsc)