UMTS-Lizenz in Italien für British Telecom fraglich

Die Zahl der Bewerber um eine der fünf UMTS-Lizenzen, die das italienische Ministerium für Kommunikation vergeben will, wird eventuell erneut kleiner.

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Von
  • Christian Rabanus

Die Zahl der Kandidaten, die sich um eine der fünf UMTS-Lizenzen bewerben, die das italienische Ministerium für Kommunikation vergeben will, droht erneut kleiner zu werden. Nachdem sich ursprünglich acht Unternehmen und Konsortien um die Teilnahme an der Vergabeverfahren nachgesucht hatten, wurden nur sieben zugelassen. Das Konsortium Anthill, das in letzter Minute vor Bewerbugsschluss aufgetaucht war, erfüllte einige Zulassungsvoraussetzungen nicht.

Als nächstes wurde das Konsortium TU Mobile am letzten Donnerstag ausgeschlossen. TU Mobile schaffte es nicht, die geforderte Bank-Bürgschaft über 4000 Milliarden Lire – das sind umgerechnet rund 2,07 Milliarden Euro – beizubringen.

Jetzt droht das Aus für den italienischen Mobilfunkbetreiber Blu, den kleinsten und jüngsten Anbieter auf dem italienischen Markt. Blu hat allerdings nicht mit Bedingungen des Ministeriums zu kämpfen, sondern mit internen Querelen. Die italienischen Gesellschafter, allen vorweg die Autobahngesellschaft Autostrade, verlangen nämlich von British Telecom (BT), dass das Unternehmen einen größeren Anteil der Kosten trägt, die für die UMTS-Lizenz fällig werden. BT ist derzeit mit 20 Prozent an Blu beteiligt und damit hinter dem Unternehmen Autostrade, das 32 Prozent hält, der zweitgrößte Gesellschafter, aber einziges Telekom-Unternehmen im Kreis der Blu-Anteilseigner. BT, sowieso von enormen Schulden gedrückt, zeigt bislang keine Bereitschaft, einen größeren Anteil des derzeit auf gut drei Milliarden Euro taxierten Mobilfunkanbieters zu erwerben. Mit einem höheren Anteil wäre natürlich auch ein größerer Anteil der Lizenzkosten fällig, BT müsste also gleich zweimal zahlen.

Sollten sich die Gesellschafter nicht bis übermorgen einigen können – am Donnerstag beginnt die Auktion in Italien – und die Bewerbung von Blu zurückziehen, so droht dem italienischen Staat eine Versteigerung von fünf Lizenzen unter fünf Auktionsteilnehmern, nämlich Telecom Italia Mobile, Omnitel, Wind, Andala und Ipse. Das wäre eine denkbar schlechte Ausgangslage, um die erhofften 20 bis 40 Milliarden Euro einzunehmen. Das italienische Ministerium für Kommunikation prüft deshalb momentan die Möglichkeit, die Zahl der zu vergebenden Lizenzen gegebenfalls zu verringern, um den Wettbewerbsdruck auf die Bieter zu erhöhen.

Sollte Blu keine UMTS-Lizenz erhalten, hätte das Unternehmen auf dem italienischen Mobilfunkmarkt schlechte Karten. Während es sich momentan zwar über eine Übererfüllung der Planzahlen freuen kann, hat es bislang nur rund ein Prozent Marktanteil in Italien – das ist eindeutig zu wenig, um als kleiner GSM-Anbieter neben UMTS-Anbietern bestehen zu können, die auch im GSM-Markt sehr viel besser positioniert sind. Allerdings ist es auch unwahrscheinlich, dass die Gesellschafter von Blu ihr bislang nicht profitables Unternehmen aufgrund innerer Querelen abschreiben und aufgeben werden. (chr)