MP3-Erfinder tĂĽftelt an "intelligenter Stereoanlage"
Die "intelligenten" Stereoanlage soll ein Klangbild in den Raum zaubern, sagte der 46-jährige Karlheinz Brandenburg.
Der MP3-Erfinder Karlheinz Brandenburg aus Ilmenau bastelt an einer "intelligenten" Stereoanlage. "Sie soll ein Klangbild in den Raum zaubern", sagte der 46-jährige Träger des Deutschen Zukunftspreises 2000 am gestrigen Freitag in einem dpa-Gespräch. Die Anlage soll mit digitaler Signalverarbeitung den Raum ausmessen und das Wohnzimmer in einen Konzertsaal verwandeln. "Wir erzeugen virtuelle Klangquellen", sagte er. Damit würden mehr Lautsprecher gebraucht, aber sie fielen nicht mehr auf. Die Hifi-Anlage soll nach den Plänen Brandenburgs nicht nur viel Musik speichern. "Sie hilft auch, Musik zu suchen", sagte der Leiter der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Elektronische Medientechnologie. Dann soll es laut Brandenburg möglich sein, die eigene Wunschmusik zu einer bestimmten Zeit vom lokalen Speicher der Anlage oder später über das Internet abzurufen. "Internet und Radiosender fließen mehr und mehr zusammen", sagte der 46-Jährige.
Die Arbeitsgruppe für Elektronische Medientechnologie soll allerdings auch weiter an dem Thema Audiocodierung arbeiten. Aber auch neue Techniken für die Unterhaltungselektronik stehen im Zentrum der Arbeit. Ziel sei es, die Musikwiedergabe für zu Hause zu verbessern. "Um eine wirklich gute Akustik zu haben, müsste man derzeit im Prinzip sein Haus um die Anlage herum bauen. Doch das kann sich kaum jemand leisten", meinte Brandenburg bei der Gründung der Fraunhofer-Arbeitsgruppe im August. Durch raumangepasste Wiedergabe, den Einsatz von Vielkanaltechnik und mehreren Lautsprechern wollen die Wissenschaftler einen neuen Standard setzen: "Der Qualitätssprung wird dem Fortschritt von Mono zu Stereo vergleichbar sein", meinte Brandenburg.
Die Musik-Piraterie sieht Brandenburg ebenso kritisch wie die Musikindustrie. "Ich stehe auf Seiten der Musiker, Autoren und Musikverlage", sagte er. Ein Problem sei, dass es Leute gebe, die selbst eine Software zur Datenumwandlung bauen. Es seien nun aber legale günstige Angebote für die Encoder-Software auf dem Markt. "Viel schlimmer ist, wenn Leute Musik, die ihnen nicht gehört, zum freien Herunterladen anbieten." Er sei sich mit der Industrie einig, dass das zurückgehen müsse. "Die Technik ist aber auch eine Chance für die Musikindustrie, langfristig mehr Umsatz zu machen." (jk)