Spanien rollt die Vergabe der UMTS-Lizenzen neu auf

Nach der Kritik wegen der geringen Erlöse aus der Vergabe der UMTS-Lizenzen will die spanische Regierung offenbar einen zweiten Anlauf nehmen.

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Von
  • Christian Rabanus

Nach heftiger Kritik wegen der geringen Erlöse aus der Vergabe von vier UMTS-Mobilfunklizenzen im vergangenen März will die spanische Regierung offenbar einen zweiten Anlauf nehmen. Es werde bereits die Erteilung neuer Lizenzen geprüft, sagte Anna Birules, die Chefin im spanischen Ministerium für Wissenschaft und Technik, nach Presseberichten. Das Ministerium erwäge die Vergabe von zwei weiteren Lizenzen, einer neuen GSM-Lizenz und einer weiteren UMTS-Lizenz. Die Ministerin betonte, dass es nicht das Ziel sei, größere Einnahmen zu erzielen, vielmehr wolle man durch einen weiteren neuen Mobilfunkanbieter den Wettbewerb ankurbeln. Über das Vergabeverfahren machte Birules noch keine genaueren Angaben. Bis Ende Oktober wolle ihr Ministerium ein Papier erstellen, in dem es Vorschläge oder eventuell schon Anordnungen präsentieren werde.

Die Regierung hatte die vier Lizenzen in einem so genannten Schönheitswettbewerb für umgerechnet etwa 130 Millionen Euro vergeben. Bei einem Schönheitswettbewerb, der derzeit beispielsweise auch in Schweden praktiziert wird, entscheiden ökonomische und technische Kriterien über die Lizenzvergabe. Für die spanische Regierung war die Höhe der geplanten Investitionen der Bewerber das wichtigste Kriterium. Angesichts der knapp 50 Milliarden Euro, die im August bei der UMTS-Auktion in Deutschland erzielt wurden, war in Spanien aber starke Kritik an dem Vergabeverfahren laut geworden. Die oppositionellen Sozialisten sprachen vom "größten Geschenk in der Wirtschaftsgeschichte" des Landes. Birules räumte ein, dass man den Wert der UMTS-Lizenzen im März unterschätzt habe. Man überlege nun, auch die Gewinner aus der Vergabe im März noch einmal mit einer zusätzlichen Abgabe zu belegen.

Im März hatte neben den drei spanischen GSM-Netzbetreibern Telefonica, Airtel und Amena nur das Konsortium Xfera, an dem der französische Mischkonzern Vivendi, die finnische Telefongesellschaft Sonera und einige weitere spanische Firmen beteiligt sind, eine UMTS-Lizenz erhalten. Die Deutsche Telekom war mit ihrem Partner Jazztel ebenso leer ausgegangen wie France Telecom, die sich in Konsortium Movi2 beworben hatte. France Telecom gilt aber als aussichtsreichster Kandidat, falls eine weitere UMTS-Lizenz vergeben werden sollte. (chr)