Fahrbericht: Chevrolet Camaro Coupé V8

Chevrolet legt den Camaro neu auf. Das neue Coupé bietet V8-Power und Fahrspaß für einen annehmbaren Preis und damit eine Alternative zu Fords durchaus gelungenem Mustang

vorlesen Druckansicht 22 Kommentare lesen
Fahrbericht: Chevrolet Camaro Coupé V8
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Wolfgang Gomoll
Inhaltsverzeichnis

Goodwood (GB), 28. Juni 2016 – GM möchte Chevrolet von einer Billig-Marke zu einem Sportwagenspezialisten machen. Corvette und Camaro sind dafür ja bereits gut positioniert. Fords Mustang ist dabei die Messlatte für den neuen Camaro. Wie fährt sich das neue Modell?

Die technische Basis stammt nun vom Cadillac ATS / CTS und soll den Camaro rund 100 Kilogramm leichter werden lassen als seinen Vorgänger. Die wichtigsten Änderungen betreffen die Hinterachse und den 6,2-Liter-V8-Motor mit 333 kW / 453 PS (intern „LT-1”), einen Direkteinspritzer mit zwei Ventilen pro Zylinder, Stoßstangen und Kipphebeln. Ja, auch so etwas gibt's. Der Motor ist eine Variante des LT1, der bereits die Chevrolet Corvette befeuert. In dieser Geschichte haben wir das Kraftpaket einmal seziert.

Fahrbericht: Chevrolet Camaro Coupé V8 (20 Bilder)

Das Chevrolet Camaro Coupé V8 bietet in seiner Klasse viel Auto fürs Geld.
(Bild: GM (alle))

Der Small-Block macht trotz dieser Leistung keinen ausgesprochen brachialen Eindruck und will als typischer Kurzhuber mit häufigen Gangwechseln bei Laune gehalten werden. Da das knackige manuelle Sechsgang-Getriebe mit kurzen Wegen und einer präzisen Führung überzeugt, bereitet die notwendige Handarbeit aber richtig Freude. Spielereien gibt es auch: Mit einem Zug an einem der beiden Wippen hinter dem Lenkrad löst man beim Runterschalten einen Zwischengas-Stoß aus. Lustig – man fragt sich allerdings, wozu.

Eine elektromechanisch unterstützte Lenkung setzt die Befehle des Fahrers präzise um und gibt jederzeit transparente Rückmeldung über die Fahrdynamik. Ein mechanisches Sperrdifferenzial hilft in Kurven ebenso wie die Gewichtsabnahme, schließlich zählt nahe am Grenzbereich jedes Kilogramm.

Kraft ist genug vorhanden. In 4,6 Sekunden erreicht der Camaro die 100-km/h-Marke, rennt bis zu 290 km/h und soll im Durchschnitt 12,8 Liter pro 100 Kilometer verbrauchen. Wir waren überrascht, als der V8 bei unseren Fahrten sogar knapp drei Liter weniger benötigte, jedenfalls laut Bordcomputer. Das Infotainment ist ebenfalls verbessert, auch wenn es nicht die Perfektion erreicht: Apple Car Play und Google Auto helfen beim Einbinden des Smartphones. Das Navigieren durch die verschiedenen Menüs bedarf keiner großen Erklärung und da der Acht-Zoll-Touchscreen leicht nach unten geneigt ist, sind die Anzeigen auch bei hochstehender Sonne vernünftig ablesbar.

Der Technik-Transfer von den Cadillac-Modellen beschert dem Camaro viel Zeitgemäßes, wie einen Totwinkelassistenten oder das Head-Up-Display. Nicht erhältlich sind allerdings Parksensoren vorne.

Die bequemen Sportsitze fixieren den Piloten auch bei schnellen Kurven. Da der Camaro kürzer ist, als der Vorgänger, ist die Rückbank für Erwachsene ungeeignet. Dafür ist der Kofferraum reisetauglich. Den Innenraum haben die Amerikaner deutlich aufgewertet. Lederverkleidungen und eine mit 24 Farben einstellbare Ambiente-Beleuchtung sollen eine behagliche Stimmung schaffen. Der Hartplastik-Anteil bleibt allerdings recht hoch und die Verarbeitung nicht immer über jeden Zweifel erhaben. Wie das Cockpit in fünf Jahren ausschaut, bleibt abzuwarten.

Bei den Farb-Bezeichnungen übrigens hat Chevrolet das Duell mit dem Mustang schon gewonnen. Ein Lack-Ton heißt „Teufelskerl-Grau” (Son of the Gun Grey) und das Rot „Auf frischer Tat erwischt” (Caught Red Handed).