Wohnheim aus Würfeln

Die TU Darmstadt und ein Fertighausspezialist haben eine neue modulare Wohnbauweise entwickelt, um Studierende nachhaltig unterzubringen.

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Das Problem kennt man in vielen Regionen Deutschlands: Wohnraum insbesondere in großen Städten ist knapp – entsprechend schwierig ist es für Studenten heutzutage, eine kostengünstige Unterkunft zu finden. Ein Team des Fachbereichs Architektur der Technischen Universität Darmstadt hat gemeinsam mit dem Fertighausspezialisten DFH ein modulares Hauskonzept entwickelt, mit dem sich besonders viel Wohnraum auf wenig Platz errichten lassen soll.

Das Cubity-Konzept vereint Wohnraum für zwölf Studenten auf einer Grundfläche von 16 mal 16 Metern. Der Bau ist als Plusenergie-Haus geplant – es wird mehr Energie erzeugt, als für den täglichen Betrieb notwendig wäre.

Cubity von Innen.

(Bild: DFH)

Für ein Cubity-Haus gruppieren sich sechs zweigeschossige Wohnwürfel in Form einer Holzkonstruktion mit Polycarbonatfassade, die sogenannten Cubes, um einen großen zentralen Gemeinschaftsbereich mit "Marktplatz" zum Verweilen samt einer Kochzone. "Das räumliche Konzept des Entwurfes folgt dem Haus-im-Haus-Prinzip", erklären die Macher. Dabei will man Privatsphäre des Individuums mit dem Gemeinschaftsgefühl der Gruppe kombinieren.

Für den Hochschulwettbewerb "Solar Decathlon Europe 2014" entworfen, setzt das Cubity-Haus auf ein anspruchsvolles Energiekonzept – es wird ausschließlich Sonnenenergie verwendet. Aufgebaut wurde der Cubity-Prototyp bereits für den Wettkampf in Frankreich, in Versailles in der Nähe von Paris.

Grundriss Seitenansicht.

(Bild: TU Darmstadt)

Nun steht der Praxistest an: als Studentenwohnheim in Frankfurt soll Cubity zeigen, dass das Konzept auch in der Realwelt funktioniert. Dort wird die Kubus-Anlage im Stadtteil Niederrad mindestens drei Jahre lang stehen. "Bald startet der einjährige Praxistest, den die TU Darmstadt wissenschaftlich begleitet. Dann sehen wir, wie sich das vollkommen nachhaltig konzipierte Gebäude im Alltag bewährt", sagt Thomas Sapper, Vorstandsvorsitzender der DFH.

Das Gebäude soll sich harmonisch in die Landschaft einfügen.

(Bild: DFH)

Das Grundstück stellt die Nassauische Heimstätte, eine Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft, die zur Hauptsache dem Land Hessen gehört. Die beiden Initiatoren des Cubity-Projekts an der TU Darmstadt sind Professorin Anett-Maud Joppien vom Fachbereich "Entwerfen und Gebäudetechnologie" sowie Professor Manfred Hegger vom Fachbereich "Entwerfen und energieeffizientes Bauen".

Gemeinschaftsbereich und Bereiche der Privatsphäre sollen im Cubity-Projekt kombiniert werden.

(Bild: DFH)

Die Cubity-Würfel lassen sich leicht transportieren: So sollen drei der vormontierten Studenten-Kuben auf einem Sattelschlepper angeliefert werden können. Bei Kühlung und Beheizung setzen Joppien und Hegger auf ein Wärmepumpenkonzept mit Heiz- und Kühldecken. Der Strom dafür kommt aus der Solaranlage, die auch eine Batterie erhält, damit möglichst der gesamte Sonnenstrom lokal verwendet werden kann.

In der Praxis dürfte interessant werden, ob das Grundkonzept von vielen Personen auf recht engem Raum aufgeht – mit Ausgleich durch Gemeinschaftsräume. Pro Student stehen 7,2 Quadratmeter zur Verfügung, die durch zahlreiche Einbaumöbel flächenmäßig maximal ausgenutzt werden sollen. Ein kleines Bad mit Klo, Dusche und Waschbecken ist enthalten. (bsc)