Aufstieg der Maschinen
Warum schreibt ein Politologe, der sich am Londoner King's College hauptamtlich mit "War Studies" beschäftigt, ein Buch über die Geschichte der Kybernetik?
Was ist die Kybernetik? Eine Wissenschaft, die bereits in den 1980er-Jahren "an Auszehrung gestorben ist", wie Thomas Rid selbst schreibt.
Weil die von Norbert Wiener und seinen Mitstreitern in den 1950er-Jahren entwickelte "allgemeine Theorie der Maschinen" die Entwicklung des Silicon Valley geprägt hat wie keine andere Denkrichtung.
Wer die stellenweise leider manchmal etwas detailverliebten historischen Passagen bewältigt, wird mit vielen spannenden und lehrreichen Geschichten belohnt: vom Pazifisten Wiener beispielsweise, der den Grundstein für den Cyberkrieg legte, den ersten Cyborgs, die die Nasa ins All schicken wollte, und dem Krypto-Anarchisten, der einen wasserdichten Plan entwarf, um korrupte Politiker töten zu lassen.
Das ist manchmal zu schwer für warme Sommerabende, aber die Mühe lohnt sich. Denn der Mythos vom Aufstieg der Maschinen, der "bis heute nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat", produziert ständig neue kühne Visionen, die man nach Rids Lektüre bedeutend nüchterner betrachtet.
Thomas Rid: "Maschinendämmerung: Eine kurze Geschichte der Kybernetik", Propyläen Verlag, 496 Seiten, 24 Euro (E-Book 22,99 Euro) (bsc)