Infomatec kündigt Entlassungen an

Nach der Börsenaffäre will das am Neuen Markt notierte Softwareunternehmen Infomatec sich durch eine harte Schrumpfkur stabilisieren.

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Von
  • Christian Persson

Nach der Börsenaffäre will das am Neuen Markt notierte Softwareunternehmen Infomatec sich durch eine harte Schrumpfkur stabilisieren. Firmengründer und Vorstandschef Gerhard Harlos hatte am Freitag in München angekündigt, er und Co-Chef Alexander Häfele würden spätestens zum Jahresende aus dem Vorstand ausscheiden.

Das Unternehmen räumte ein, dass als Folge der Vorfälle zahlreiche Kunden abgesprungen sind. Die Banken kündigten Kreditlinien und zogen ihre gesamten Darlehen von 13 Millionen Euro zurück. "Die operative Lage der Infomatec AG ist kritisch", sagte Hanspeter Kipfer von der Geschäftsführung. Durch ein drastisches Restrukturierungsprogramm solle jedoch die Zukunft des Unternehmens gesichert werden.

Im Mittelpunkt stehe die Konzentration auf das Kerngeschäft, Soft- und Hardware-Lösungen rund um interaktives Fernsehen und Internet. Kipfer kündigte einen Stellenabbau von 120 der weltweit 750 Beschäftigten des Konzerns an. Zudem würden Kosten durch Reduzierung der angemieteten Büroflächen reduziert. Infomatec verfügt nach Auskunft von Finanzchef Karl-Heinz Gruns über ausreichend finanzielle Mittel und kann auf einen Wertpapierbestand von 38 Millionen Euro zurückgreifen.

Die Vorwürfe von Aktionärsschützern, falsche Börsenpflichtmitteilungen veröffentlicht und den Aktienkurs manipuliert zu haben, wiesen die beiden Vorstände Harlos und Häfele als haltlos zurück. Nun soll ein Wirtschaftsprüfer, von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) beauftragt, die Vorgänge untersuchen. Die SdK hatte Strafanzeige gegen die beiden Vorstände gestellt. Die Augsburger Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die kritisierten Börsenmitteilungen hätten deshalb korrigiert müssen, weil Zusagen und Abmachungen durch Vertragspartner nicht eingehalten worden seien, sagte Finanzdirektor Dietmar Luz. Das Unternehmen prüfe in diesem Zusammenhang rechtliche Schritte gegen den Telekommunikationkonzern Mobilcom und die französische Worldwide Database Company.

Die Infomatec AG hatte Ende August ihre Ergebnisprognosen für das laufende Jahr drastisch nach unten korrigiert. Entgegen früheren Ankündigungen wurden die Umsatzerwartung um die Hälfte auf 50 Millionen Euro zurückgeschraubt und ein Verlust vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von fast 26 Millionen Euro veranschlagt. Im kommenden Jahr soll der Umsatz auf 65 Millionen Euro steigen und ein ausgeglichenes Ergebnis erreicht werden. (cp)