Die schnellste Kamera der Welt
In Hamburg erzeugt ein Teilchenbeschleuniger künftig die stärksten und kürzesten Röntgenblitze der Welt. Mit ihnen sollen sich chemische Prozesse auf Molekülebene filmen lassen.
Knapp 3,4 Kilometer ist das neue Wunderwerkzeug der Physik lang. Im Vergleich zum LHC in Genf (26,7 Kilometer) ist der „European XFEL“ in Hamburg zwar immer noch ein Winzling. Dafür aber kann er die weltweit stärksten und kürzesten Röntgenblitze erzeugen. Sie dauern weniger als 100 Femtosekunden (0,0000000000001 Sekunden). In dieser Zeit druchquert Licht gerade einmal ein menschliches Haar.
Mit ihnen können Forscher beispielsweise ultraschnelle Vorgänge filmen, etwa die Bildung chemischer Verbindungen bei der Photosynthese. Sie wollen die Struktur von Biomolekülen entschlüsseln oder extreme Drücke und Temperaturen erzeugen, um die Zustände im Erdinneren zu simulieren. Aber die Möglichkeiten sind so vielfältig, dass die Forscher selbst noch ausloten müssen, was genau sich alles anstellen lässt.
Anfang Oktober wurde der XFEL nach siebenjähriger Bauzeit eingeweiht. Entwickelt wurde die Anlage vom Hamburger Forschungszentrum Desy mit zahlreichen europäischen Partnern. Elf Länder haben sich an der Finanzierung beteiligt. Die größten Teile der Baukosten von 1,22 Milliarden Euro steuerten Deutschland (58 Prozent) und Russland (27 Prozent) bei.
(grh)