"Digitalpakt" für Schulen: DGB fordert den Bund zu mehr Tempo auf
Die "Digitalpakt"-Pläne des Bundes dürften heute und morgen bei einem Spitzentreffen zur Informationstechnologie eine große Rolle spielen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund möchte schnell konkrete Pläne sehen – noch vor der kommenden Bundestagswahl.
Vor dem Nationalen IT-Gipfel in Saarbrücken hat der Deutsche Gewerkschaftsbund Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) aufgefordert, ihren Ankündigungen zum digitalen Klassenzimmer nun rasch Taten folgen zu lassen. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack sagte gegenüber dpa: "Der angekündigte Digitalpakt, also die bessere IT-Ausstattung der Schulen, droht zu einer Luftnummer zu werden, wenn die versprochenen Milliarden nicht schleunigst im Bundeshaushalt verankert werden."
Siehe dazu auch:
- D21-Bildungsstudie: Digitale Lebenswelt bleibt an vielen Schulen draußen
- D21-Digital-Index: Deutsche fallen bei Internetkompetenz zurück
- Digitale Schule: Eltern geben Schulen schlechte Noten für IT-Ausstattung
- DGB: Wankas Digital-Programm für Schulen reicht nicht - große Länder-Unterschiede
- Wanka fordert Digital-Pakt: Milliarden für Computer und WLAN an Schulen
Gesamtpaket schnüren
Es reiche nicht, "diesen Pakt auf die Zeit nach der Bundestagswahl zu verschieben. Die Bundesregierung muss jetzt beim Nationalen IT-Gipfel eine klare, belastbare Ansage machen. Die Verhandlungen mit den Ländern müssen rasch beginnen." Bund und Länder sollten "ein Gesamtpaket aus Schulsanierung, Schulsozialarbeit und digitaler Ausstattung schnüren", sagte Hannack. Es dürfe "nicht nur um die Ausstattung mit WLAN und Tablets gehen". Notwendig sei auch eine Debatte über Chancen und Risiken der Digitalisierung.
Nach den Plänen von Bundesbildungsministerin Wanka sollen alle rund 40.000 Schulen in Deutschland in den nächsten fünf Jahren mit einem Fünf-Milliarden-Euro-Programm für digitale Bildung fit gemacht werden. Während der Bund das gesamte Geld geben will, müssten sich die für Schulpolitik zuständigen Länder verpflichten, pädagogische Konzepte, Aus- und Fortbildung von Lehrern sowie gemeinsame technische Standards umzusetzen. Über einen solchen Pakt wolle sie bald mit den Ländern sprechen, ehe das Digitalisierungsprogramm für die Schulen nach der Bundestagswahl 2017 in Koalitionsverhandlungen eingebracht werden könne, sagte Wanka Mitte Oktober.
Eltern wünschen bessere Ausstattung
Das Handlungsbedarf besteht, zeigt eine repräsentative Umfrage des Bitkom. Eltern stellen den Schulen ihrer Kinder demnach in Sachen digitaler Ausstattung derzeit kein gutes Zeugnis aus. 40 Prozent der Befragten bewerten den Zustand der Computertechnik als "schlecht" oder "sehr schlecht". Acht von zehn der Befragten fordern mehr Investition in die technische Ausstattung der Schulen. Allerdings sollte die bessere technische Ausstattung nach Meinung von 76 Prozent nicht zu Lasten anderer Investitionen etwa für Gebäudesanierung und Instandhaltung gehen. Zudem müssten auch die Lehrer besser im Umgang mit Technik und Medien geschult werden.
Der zweitägige IT-Gipfel startet am Mittag mit einem Auftaktprogramm. Inhaltlicher Schwerpunkt ist die digitale Bildung. Insgesamt werden in Saarbrücken mehr als 1000 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft erwartet, darunter am Donnerstag Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). (kbe)