Deutsche Internet-Nutzer für Online-Apotheke

Die überwiegende Mehrheit der Internet-Nutzer in Deutschland befürwortet den Medikamentenhandel im Internet.

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Von
  • Wolfgang Stieler

Die überwiegende Mehrheit der Internet-Nutzer in Deutschland befürwortet den Medikamentenhandel im Internet. Nach einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa geht dies aus einer am heutigen Mittwoch veröffentlichten repräsentativen Umfrage des Hamburger Forschungs- und Beratungsinstituts MediaTransfer unter 1000 deutschen Internet-Nutzern hervor. Demnach sind 89 Prozent aller Befragten der Meinung, dass der Vertrieb von Arzneimitteln über das Web zugelassen werden sollte. Positiv bewerteten die Befragten vor allem "günstige Preise" und die "Bequemlichkeit" des Online-Pillenkaufs. Nur jeder Zehnte bestellte jedoch bereits Gesundheitsprodukte in einer Online-Apotheke. Grund für die Zurückhaltung beim Kauf seien neben fehlender Fachberatung auch die ungeklärte rechtliche Situation, stellten die Marktforscher fest.

Der Internet-Handel mit apothekenpflichtigen Medikamenten ist in Deutschland verboten – allerdings hatte das Bundesgesundheitsministerium im letzten Jahr eine Abschaffung dieses Verbots angekündigt. Mitte Dezember 2000 luden das Gesundheitsministerium und die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) diverse Verbände zu einem Workshop zum "E-Commerce mit Arzneimitteln" nach Bonn, auf dem "Argumente zur Entscheidungsfindung über geeignete Regelungen" zusammengetragen werden sollten. "Aufgabe der Politik kann es nicht sein, den Verbraucher durch ein Verbot zu bevormunden", erklärte die zu diesem Zeitpunkt noch amtierende Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer. "Dem Wunsch des Patienten, auch über das Internet Medikamente zu beziehen, muss Rechnung getragen werden." Die Bundesvereinigung der Deutschen Apothekerverbände (ABDA) lehnt die Freigabe des Internet-Pillenhandels dagegen vehement ab. In einem weiteren Workshop will das Gesundheitsministerium Erfahrungen aus europäischen Ländern auswerten, in denen der Internet-Handel mit Medikamenten bereits Realität ist. Wann dieser Workshop stattfinden wird und wie der weitere Zeitplan des Ministeriums für die Einführung von Internet-Apotheken in Deutschland aussieht, verrät das Gesundheitsminiterium allerdings noch nicht.

Das politische Tauziehen wird unterdessen von einer juristischen Auseinandersetzung begleitet: In den vergangenen Monaten hatten die Landgerichte in Berlin, Stuttgart und Frankfurt widersprüchliche Entscheidungen zum Online-Verkauf von Medikamenten getroffen. Die Richter in Stuttgart und Berlin erlaubten der niederländischen Internet-Apotheke DocMorris auf Grund einer EU-Ausnahmevorschrift den Online-Vertrieb auch an deutsche Kunden. Die Frankfurter dagegen untersagten DocMorris mit einer einstweiligen Verfügung den Deutschland-Vertrieb. DocMorris erfüllt diese Verfügung zumindest formal: Besteller mit deutschem Wohnsitz müssen die Arzneimittel persönlich abholen oder von einem Kurier abholen lassen. Zusätzliche Kosten entstehen dem Kunden dadurch allerdings nicht – den Boten zahlt DocMorris. (wst)