Microsoft: Mit künstlicher Intelligenz gegen die Informationsflut
Auf der Fachkonferenz DEMO 2001 stellte Microsoft den Outlook Mobile Manager (MOMM) vor.
Der moderne Mensch hat es schwer. Immer und überall will er erreichbar sein, und auch auf seine E-Mails will er unterwegs nicht verzichten. Die Folge: Piepende Handys, rüttelnde Pager – der PDA hat noch eine Message aufgeschnappt. Alle diese elektronischen Helferlein, von den Amerikanern liebevoll "Gadgets" genannt, verlangen nach einem: Aufmerksamkeit. Doch in der Informationsgesellschaft wird die Aufmerksamkeit zum höchsten Gut des modernen Hightech-Nomaden. Mitten in einer wichtigen Konferenz ist die E-Mail von Tante Ruth auf dem Handy nur bedingt von Interesse, während im Urlaub die Mail vom Chef – seien wir ehrlich – ebenfalls eher lästig ist.
Hier verspricht Microsofts Outlook Mobile Manager (MOMM) Abhilfe. MOMM hat als Outlook-Erweiterung die Aufgabe, E-Mails auf mobile Endgeräte eines Nutzers umzuleiten. Aber MOMM kann laut Microsoft mehr: Das Programm soll E-Mails auch für sich behalten. Ähnlich dem Outlook-Regelassistenten entscheidet das Programm, wie mit einer eingehenden Mail zu verfahren ist: Soll sie an ein mobiles Gerät weitergeleitet werden oder kann sie auf dem Desktop-PC warten?
MOMM stützt diese Entscheidung auf verschiedene Kriterien. Das Programm beobachtet zum einen, wie der Nutzer selbst mit Mails verschiedener Absender verfährt: Werden sie ungelesen gelöscht? Werden sie normalerweise gelesen, gesichert oder sogar beantwortet? Zum anderen wird die Mail einer sprachlichen Analyse unterzogen: MOMM versucht hierbei die Dringlichkeit einer Mail auf Basis bekannter Textfragmente zu bestimmen. Auch die Frage, ob der Absender im Adressbuch des Nutzers hinterlegt ist, geht in die Beurteilung ein. Am Ende entscheidet MOMM, ob die Nachricht dem Nutzer übermittelt werden soll. Hierbei können auch verschiedene Profile unterschieden werden. Befindet sich der Nutzer im "Urlaubsmodus", werden andere Meldungen zugestellt als im "Arbeitsmodus".
Die "künstliche Intelligenz", die hinter MOMMs Entscheidungsprozess stehen soll, ist ein Kind von Microsoft Research. In der 1991 gegründeten Forschungseinrichtung beschäftigen sich inzwischen 620 Mitarbeiter mit der Grundlagenforschung zur Computersoftware, etwa mit künstlicher Intelligenz, Spracherkennung oder neuronalen Netzwerken. Eric Horvitz, einer der leitenden Wissenschaftler bei Microsoft Research und Mitentwickler von MOMM, zeigte sich begeistert: "Viele von uns haben Prototypen des Mobile Manager über Jahre im täglichen Leben getestet. Wir freuen uns, ihn nun in den Händen der User zu sehen." Bleibt zu hoffen, dass MOMMs virtueller IQ den seines kleinen Bruders Karl (auch "die Klammer" genannt) deutlich übersteigt. (sha)