Laptops für alle Schüler – oder doch nicht?
Am Sonntag ist Wahl in Baden-Württemberg und die CDU hatte sich viel vorgenommen: "Jedem Schüler einen Laptop" – nun bläst Ministerpräsident Teufel zum Rückzug.
Auf dem 42. Landesparteitag der CDU Baden-Württemberg war die Welt noch in Ordnung. Mit ihrem Regierungsprogramm "Mit der Kraft des Südens die Zukunft gewinnen" verabschiedeten die Delegierten ihre Vision für die Legislaturperiode 2001 bis 2006. Im Bereich Bildungspolitik hielten sie fest: "Unser Ziel ist es, dass Baden-Württemberg das erste Bundesland sein wird, in dem der Laptop für jeden Schüler spätestens ab Klasse 9 eingeführt wird." Die Junge-Union Baden-Württemberg (JU-BW) war hoch erfreut, hatte der entsprechende Passus doch nur durch ihr beharrliches Drängen Eingang in das Regierungsprogramm gefunden. "Laptops für alle! Es steht im Regierungsprogramm," jubelte Edith Grupp, Landesvorsitzende der JU-BW, auf der Homepage der CDU-Jugendorganisation.
Umso größer war die Ernüchterung, als Ministerpräsident Teufel den Plänen vergangene Woche eine jähe Absage erteilte: In einem Redaktionsgespräch mit der Eßlinger Zeitung lehnte Teufel das Projekt ab: "Das ist mit absoluter Sicherheit nicht zu finanzieren", erklärte Teufel. Überraschend die Begründung Teufels, warum der Passus dennoch im Regierungsprogramm zu finden ist: "Ich war bei diesem Beschluss nicht im Saal, weil ich die Frau Angela Merkel gerade empfangen habe." Zudem machte der Ministerpräsident klar, dass er auch grundsätzliche Zweifel an der Einführung von Laptops hegt: "Ich glaube auch gar nicht, dass das notwendig ist."
Damit will sich die Junge Union jedoch nicht zufrieden geben. Landesvorsitzende Grupp zeigte sich von den Äußerungen Teufels "irritiert" und bewertete sie in einer Mitteilung kurzerhand als "reines Wahlkampfgetöse". Sie kündigte an, dass die JU auf der Forderung beharren wolle. Trotz der ablehnenden Haltung Teufels sieht sie einen Konsens: "In den Zielen sind wir uns ja prinzipiell einig", meinte Grupp gegenüber heise online, "nur über den Weg herrscht noch Unklarheit." Grupp zeigt sich dennoch optimistisch: "Als wir vor fünf Jahren forderten, dass alle Schulen ans Internet müssen, war das Geschrei groß. Heute ist der Internetanschluss an Schulen eine Selbstverständlichkeit." (sha)