Ausstellung in Köln zeigt die USA der 60er Jahre
Diners und Baseball-Spiele auf der einen, Obdachlose und Porno-Sets auf der anderen Seite: Die Ausstellung America '67 zeigt ab September Einblicke in die USA der 1960er Jahre aus den Perspektiven der Fotografen Henry Maitek und Pete Marifoglou.
Henry Maitek, VII
(Bild: © Historisches Archiv der Stadt Köln)
- Marten Siegmann
Eine Reise in die Vergangenheit aus zwei ganz unterschiedlichen Perspektiven: Die USA der 60er Jahre sind das Thema der Doppelausstellung America '67. Sie ist ab dem 14. September bis zum 29. Oktober in den Kunsträumen der Michael Horbach Stiftung in Köln zu sehen. Ausgestellt sind Arbeiten der beiden Fotografen Henry Maitek (1922 – 2007) und Pete Marifoglou (*1954). Insbesondere die Präsentation von Maiteks Bildern gleiche einer kleinen Sensation, schreiben die Organisatoren.
Der Grund: Mit dem Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln 2009 schien das Werk des jüdischen Fotografen Henry Maitek komplett zerstört worden zu sein. Von den 24.000 Foto-Negativen, die dort gelagert waren, konnten bis zuletzt nur wenige geborgen werden."Dann tauchte vor etwa einem Jahr ein umfangreicheres Konvolut mit Fotografien einer Amerikareise auf, die Maitek 1967 unternommen hatte", schreibt Kurator Thomas Linden. Eine Auswahl dieser Bilder ist jetzt erstmals öffentlich zu sehen.
Unterwegs in New York und dem Mittleren Westen
Wie großformatige Fenster öffnen Maiteks Farbfotografien über die historische Distanz eines halben Jahrhunderts hinweg den Blick auf das Leben in New York und den Mittleren Westen. Es handele sich bei diesen Aufnahmen zum großen Teil um Fotografien, die von einer Konsumwelt erzählen, deren Ambiente sich deutlich von dem des heutigen Amerika unterscheidet. "Maitek fotografierte Tankstellen, Billboards und Diners – noch bevor diese zu Ikonen der Pop-Kultur wurden", schreibt Linden. Zu einem Kleinod werden seine Bilder vor allem deshalb, weil sie die komplementäre Sicht eines Europäers auf jene Lebenswelt der USA zeigen.
Ausstellung America '67: Henry Maitek (8 Bilder)

Am Porno-Set von Andy Warhol
1967 fotografierte auch Pete Marifoglou in den Straßen von New York. Der 1954 geborene Sohn griechischer Einwanderer wuchs in Lower Manhattan auf und studierte an der School of Visual Arts. Als Teenager war er besessen von der Arbeit mit der Kamera und fand früh den Zugang in die Filmateliers von Andy Warhols Factory. Während der Drehpausen fotografierte Marifoglou am Set der Pornos, die Warhol dort produzierte; in den Ghettos nahm er Tatorte von Mordfällen auf, noch bevor diese mit dem Eintreffen der Polizei verändert wurden. Auch wenn Marifoglou behaupte, dass ihn die ästhetische Seite der Fotografie nicht interessiere und der Wert seiner Arbeiten allein in ihrer emotionalen Aussage bestünde: "Tatsächlich hält er in seinen ernüchternden Bildern des American Way of Life keinen Trost bereit", schreibt Linden.
Ausstellung America '67: Pete Marifoglou (7 Bilder)

© Pete Marifoglou
Die Vernissage für die Ausstellung America '67 beginnt am Donnerstag, 14. September, um 19 Uhr in den Kunsträumen der Michael Hornbach Stiftung, Wormser Straße 23, Köln. Ab dann sind die Bilder von Henry Maitek und Pete Marifoglou noch bis zum 29. Oktober zu sehen. (msi)