Online-Werbung: IAB greift E-Privacy-Pläne der EU an

Die Werbeindustrie macht gegen die kommende E-Privacy-Verordnung der EU mobil. Wenn Kunden Websites nutzen könnten, ohne der Übermittlung von Daten zuzustimmen, sei das quasi eine Lizenz zum Ladendiebstahl, behauptet der Chef des Werbeverbandes IAB.

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IAB greift E-Privacy-Pläne der EU an

Gebäude des Europaparlaments in Straßburg.

(Bild: europarl.europa.eu)

Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Torsten Kleinz

Der Chef des Online-Werbung-Verbands Interactive Advertising Bureau (IAB) hat in einem Gastbeitrag auf Business Insider in harschen Worten die Pläne der EU für eine ePrivacy-Verordnung scharf angegriffen. Die Verordnung soll bereits 2018 in Kraft treten und die Nutzerdaten im Internet umfassender als bisher schützen.

Rothenberg greift die Pläne scharf an: Insbesondere ein mögliches Verbot, Nutzer, die einer Datenübermittlung nicht zustimmen, von dem Besuch einer Website auszuschließen, wäre aus seiner Sicht desaströs. Der US-Manager vergleicht dies mit einer Erlaubnis zum Ladendiebstahl. Damit sei eine Grundfunktion des Internets – Rothenberg bezeichnet so die derzeitige Praxis der Werbeauslieferung – außer Kraft gesetzt. Dies sei in niemandes Interesse: So müssten Verbraucher jeden Monat Hunderte Euro zahlen, wenn sie individuell für die bisher werbefinanzierten Dienste zahlen müssten.

Die Folgen wären laut Rothenberg auch politisch desaströs. Da nur wenige Verbraucher bereit seien, die zum Betrieb von Medien notwendigen Umsätze freiwillig zu zahlen, müssten viele Medien ihren Betrieb einstellen – "und das zu Zeiten, in denen immer mehr autoritäre Regierungen versuchen, mehr Kontrolle über Medien und Unterhaltungsindustrie zu erlangen." Bereits im Mai hatten sich europäische Verleger ähnlich geäußert.

Als Lösung schlägt Rothenberg vor, in die noch in Arbeit befindliche Verordnung eine Generalerlaubnis für Werbetreibende aufzunehmen. So könne eine gesundes Geschäftsklima für Medien und Nutzer aufrechterhalten werden. Generell plädiert er dafür, den Vorrang der Privatsphäre in der Gesetzgebung fallen zu lassen. Stattdessen sollten Firmen neue Ansätze zum Schutz der Privatsphäre entwickeln, die den Erwartungen der Konsumenten und den Marktrealitäten gerecht würden.

Die notwendige Anpassung der Werbeindustrie an die ab kommenden Jahr gültige EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und die ePrivacy-Verordnung sind auch ein Thema der Mitte September in Köln stattfindenen Fachmesse für Onlinewerbung dmexco. Zahlreiche Dienstleister wollen Unternehmen dabei helfen, ihre Plattformen an die neuen Gesetzeslage anzupassen. Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass hier in der IT-Branche allgemein noch großer Nachholbedarf herrscht. (jo)