Vor 20 Jahren: Steve Jobs sägt die Mac-Clones ab
Für mehrere Jahre lizenzierte Apple das Mac-Betriebssystem an PC-Hersteller. Mit dem Kauf des Haupt-Konkurrenten Power Computing setzte Jobs dem Geschäft ein schnelles Ende. Mac-Anhänger zeigten sich massiv enttäuscht.
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(Bild: David Mueller (CC BY-SA 2.5))
Nach der Rückkehr zu Apple begann der Mitgründer Steve Jobs im Jahr 1997 schnell mit einer umfassenden Neuaufstellung der Firma und dem radikalen Abschneiden alter Zöpfe: Auf die Auslagerung der Newton-Sparte in eine eigene Firma folgte das Ende der Lizenzierung von Mac OS, das PC-Herstellern für rund drei Jahre den Vertrieb von sogenannten Mac-Clones ermöglichte.
Verlustgeschäft Mac-Clones
Der langjährige c't-Chefredakteur Christian Persson schrieb am 4. September 1997 auf heise online: De-facto-Chef Steve Jobs erklärte, die Lizenzgebühren deckten nicht annähernd Apples Kosten für Entwicklung und Marketing der Plattform: "Im Endeffekt geben wir zu jeder MacOS-Lizenz einen Zuschuß von mehreren hundert Dollar." Auf diese Weise werde Apple niemals in die Gewinnzone zurückkehren, gleichgültig wie gut das Unternehme arbeite. Power Computing und "andere Lizenznehmer" seien nicht bereit gewesen, im Gegenzug für die Ausweitung der Lizenzen auf Notebooks und CHRP-Systeme einen fairen Anteil der Kosten zu übernehmen.
(Bild:Â David Mueller (CC BY-SA 2.5) )
Jobs hatte schnell erkannt, dass Apple auf diese Weise nicht zu retten ist und kaufte Anfang September 1997 kurzerhand den texanischen Hauptkonkurrenten Power Computing, der Apples Macintoshs mit schnellen Komponenten und übertakteten Boards in Benchmarks immer wieder alt aussehen ließ – und seine "PowerTower" und "PowerCenter" deutlich günstiger anbot.
Power Computing hatte eigentlich bis 1999 ein Anrecht auf alle neue Mac-OS-Versionen, dieses Recht kaufte sich Apple mit der 100 Millionen Dollar schweren Übernahme zurück – nicht gerade zur Freude vieler Mac-Nutzer.
"Goodbye Apple!"
Die Clone-Krise fand ein zwiespältiges Echo: Während die Wall Street auf Apples Schritte positiv reagierte und der Aktienkurs um einige Prozentpunkte stieg, herrschte in den einschlägigen Newsgroups von Macintosh-Anhängern massive Enttäuschung vor. Viele Teilnehmer warfen Apple vor, sich dem Wettbewerb zu entziehen und damit einen verhängnisvollen Fehler zu machen. "Computerei heißt heutzutage offene Standards und Wettbewerb. Goodbye Apple!" lautet eine typische Äußerung.
Die ganze Meldung zu Jobs Vorgehen gegen die Mac-Clones ist nach wie vor auf heise online zu finden (wenn auch ohne Kommentarmöglichkeit):
(lbe)