CES

VR-Headset Pimax 8K ausprobiert: Schön scharf, aber ansonsten nicht so schön

Das VR-Headset Pimax 8K sorgt seit seiner Ankündigung für Furore unter qualitätsbewussten VR-Fans. Wir haben einen aktuellen Prototyp der vermeintlichen Zauber-Brille auf der CES ausprobiert.

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VR-Headset Pimax 8K ausprobiert: Schön scharf, aber ansonsten nicht so schön
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Jan-Keno Janssen

Aktuelle VR-Headsets schaffen noch nicht einmal 4K-Auflösung – und dann kündigt auf einmal ein Hersteller eine 8K-Brille an. Kein Wunder, dass die Pimax 8K in der Vorbesteller-Aktion auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter im vorigen Jahr richtig abgeräumt hat. Über 4 Millionen US-Dollar fuhr das chinesische Unternehmen ein, rund 21 Mal so viel wie das ursprüngliche Ziel – und mehr als 2012 die Oculus Rift.

Dabei sind die "8K" ganz schön gemogelt: Vor jedem der beiden Augen steckt jeweils nur ein Display mit 3840 × 2160 Pixeln, im Gehirn kommt also etwa 4K-Auflösung an. Viel problematischer allerdings: Maximal nimmt das Headset lediglich ein Videosignal mit 2560 × 1440 Pixeln entgegen, das dann hochskaliert wird.

Ein scharfes Bild produziert die Pimax-Brille dennoch: Von unserem Probelauf auf der CES waren wir durchaus beeindruckt. So detailliert hatten wir die Wal-Szene im VR-Klassiker "theBlu" noch nie gesehen – wenn wir den Kopf ruhig hielten. Sobald Bewegung ins Spiel kommt, offenbart die Pimax-Brille ihre Probleme: Das Headtracking hat eine Latenz von deutlich mehr als 20 Millisekunden, was zu einem Unterwasser-Gefühl führt. Auch wenn das zur Demo passt, zerstörte es bei uns das Mittendrin-Gefühl maßgeblich. Außerdem war das Handcontroller-Tracking ungenau. Verwendet wurden übrigens auf der CES die Controller der HTC Vive mit dem zugehörigen Lighthouse-Trackingsystem. Damit soll auch die fertige Fassung kompatibel bleiben, man will aber zukünftig eigene Controller- und Tracking-Hardware verkaufen.

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Die Pimax 8K soll nicht nur mit einer hohen Auflösung, sondern auch mit einem riesigen Sichtfeld punkten – die Rede ist von einem horizontalen FOV (Field of View) von 200 Grad, viele andere Headsets schaffen nur die Hälfte. Auch der Breitbildeffekt funktioniert beeindruckend, allerdings leider ebenfalls nur, wenn der Nutzer stillhält. Bewegt er den Kopf, fallen sofort seltsame Verzerrungen und Artefakte auf, die vermutlich von den ungewöhnlichen Linsen stammen: Es handelt sich dabei um eine Kombination aus einer Fresnel-Linse mit den charakteristischen Kreismustern und einer konventionellen Linse ohne Fresnel-Schliff. Die irritierenden Verzerrungen scheinen am Übergang zwischen Fresnel- und konventioneller Linse aufzutreten.

Ein weiterer Juckepunkt ist die Bildfrequenz: Bislang schafft das Headset die über DisplayPort 1.4 theoretischen 90 fps nicht, der von uns ausprobierte Prototyp lief mit 80 fps.

Ob Pimax die Probleme bis zur Markteinführung in den Griff bekommt, ist unklar – ebenso wie der Auslieferungstermin. Ursprünglich hieß es, dass die ersten Kickstarter-Unterstützer im Januar ein Headset bekommen, aber das scheint wohl nicht mehr rechtzeitig zu klappen. Die Rede ist nun vom ersten Quartal 2018.

Bezogen auf den CES-Prototypen bieten die erhältlichen PC-Headsets (Vive, Oculus Rift, Windows MR) ein unschärferes, aber insgesamt besseres Gesamterlebnis. Geld spart man übrigens auch nicht: Für das blanke Headset (ohne Tracking-Hardware und Hand-Controller) will Pimax 500 US-Dollar, Windows-MR-Komplettsets gibt es dagegen ab 400 Euro. (jkj)