Texas baut schusssichere Schule

In den USA kommt es immer wieder zu Amokläufen an Bildungseinrichtungen. Da sich die Regierung nicht auf eine Verschärfung des Waffenrechts festlegen will, sollen nun bautechnische Maßnahmen helfen.

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In der amerikanischen Politik wird über kaum ein Thema härter gestritten als über eine Änderung der im Vergleich zu anderen Ländern äußerst liberalen Schusswaffengesetzgebung. Daran dürften auch die Großdemonstrationen der letzten Wochen, bei denen Schüler in Reaktion auf die jüngsten Amokläufe an Bildungseinrichtungen vehement eine Verschärfung des Waffenrechts forderten, nichts ändern.

US-Präsident Donald J. Trump wird den zweiten Verfassungszusatz, das Second Amendment, mit dem der Waffenbesitz für die Bürger erlaubt wird, nicht antasten, es vielleicht höchstens erschweren, dass Menschen mit nachgewiesenen psychiatrischen Erkrankungen an Schießeisen gelangen – wenn überhaupt.

Was also tun, um Angriffe auf Schulen und Universitäten, wie sie in den letzten Jahrzehnten regelmäßig – und zuletzt wieder gehäuft – auftreten, zu verhindern? In einer Grundschule in einem Vorort von Dallas im US-Bundesstaat Texas hat man nun eine Antwort gefunden: Ein Schulgebäude, das spezifisch darauf ausgelegt ist, Amokläufe zu verhindern.

Die Gefahr ist durchaus real: So gab es in den letzten drei Jahrzehnten mehr als 30 Angriffe auf Bildungseinrichtungen in den USA, bei denen mindestes drei Personen starben. Besonders schlimm waren etwa das Massaker an der Sandy Hook Elementary School 2012 mit 28 Toten (inklusive dem Attentäter) oder der Angriff auf die Stoneman Douglas High School im Februar mit 17 Opfern, die die jüngste Protestwelle lostrat.

Die "George W. Bush Elementary" ist erst kürzlich fertiggestellt worden und kostete die zuständige Schulbehörde knapp 20 Millionen US-Dollar, wie das "Wall Street Journal" schreibt. Die Einrichtung ist so gestaltet, dass es Angreifer schwer haben, überhaupt in das Gebäude einzudringen. So ist der einzige Eingang mit nur wenig Grün ausgestattet, so dass Menschen, die sich der Schule nähern, schon von weitem gesehen werden.

Einlass wird nur über eine Sicherheitsschleuse gewährt, die von Mitarbeitern geöffnet und geschlossen wird. Damit sie den Besucher vorlassen, muss er eine Identifikationskarte vorlegen (etwa einen vom Staat ausgestellten Führerschein), die gescannt und mit einer Datenbank abgeglichen wird. Hat der Besucher einen auffälligen Eintrag, etwa als registrierter Sexualstraftäter oder verurteilter Kinderschänder, darf er erst gar nicht rein.

Und selbst ein Amokläufer, der die Sicherheitsschleuse überwindet, soll es schwer haben. Die Schulflure sind besonders breit und ohne Versteckecken gestaltet, so dass niemand der flächendeckenden Videoüberwachung entgehen kann. Die Klassenräume sind zudem mit Fenstern ausgestattet, damit Lehrer sehen können, ob sich jemand nähert.

Man versuche, von neuen Schulamokläufen stets "zu lernen", so der Sprecher des für die "George W. Bush Elementary" zuständigen Schuldistrikts gegenüber dem "Wall Street Journal". Dazu gehört auch, dass die Schule mit den Kindern regelmäßig Notfallübungen durchführt. Polizisten können das Gebäude im Ernstfall zudem über eigene Sicherheitskarten schnell betreten.

(bsc)