O2-Kunde wartet monatelang auf Entstörung
Ein DSL-Leitungsschaden sollte eigentlich schnell behoben sein. Doch im Service-Dickicht von Providern und Netzbetreiber kann es zu massiven Problemen kommen.
- Tim Gerber
Seit vielen Jahren ist Achim D. mit seinem Internetanschluss zufriedener Kunde bei O2. Im November 2017 traten jedoch erstmals Störungen auf. Statt der gewohnten 50 MBit/s erreichte der Downstream nur 9 MBit/s, der Upstream kam nicht mehr über 850 kBit/s hinaus, obwohl er eigentlich 10 MBit/s erreichen sollte. Zunächst glaubte Achim D. an eine nur vorübergehende Beeinträchtigung. Denn an der nächsten Straßenkreuzung war in dieser Zeit der Gehweg an mehreren Stellen geöffnet und es wurde an den Telekommunikationsleitungen gearbeitet.
Doch auch nachdem die Bauarbeiter wieder verschwunden waren, blieb die Störung auf der DSL-Leitung bestehen. Vernünftiges Arbeiten im Internet war mit der bescheidenen Bandbreite kaum mehr möglich. Also meldete Achim D. die Störung bei seinem Provider O2. Der schickte alsbald einen Techniker, um der Sache auf den Grund zu gehen. Doch alles, was der Techniker feststellen konnte, war, dass der Fehler nicht auf den letzten Leitungsmetern zwischen dem Anschlusskasten in seinem Haus (APL) und seiner Wohnung zu finden war. Ab diesem Übergabepunkt fallen Störungen – und mithin ihre Beseitigung – in die Zuständigkeit des jeweiligen Netzbetreibers.
Folglich zog der Techniker unverrichteter Dinge wieder ab, die Störung aber blieb bestehen. Also eröffnete Achim D. wieder ein Störungsticket, vereinbarte einen Techniker-Termin, mit demselben Ergebnis. Etwa ein halbes Dutzend Entstörungstechniker kamen seit Jahresbeginn auf diese Weise bei ihm vorbei, so genau kann sich Achim D. schon gar nicht mehr erinnern. Einer der Techniker sei dreimal bei ihm gewesen, schildert D. der c’t. Man kennt sich schon. Alle Techniker stellten unisono fest, dass es einen Kurzschluss auf der Straße, zwischen dem Verteiler und dem Haus des Kunden, gebe. Es könnte Feuchtigkeit in eine Erdmuffe eingedrungen oder bei den Arbeiten im November fehlerhaft gearbeitet worden sein, vermuteten die Fachleute vor Ort. Jedenfalls konnten sie feststellen, dass das Signal von der DSL-Leitung des Kunden überspringt und gleichzeitig auf zehn Leitungen liege. Ein Entstörungstechniker habe sehr ausführlich nachgemessen und ihm die Ergebnisse auch gezeigt. Die ihm immer wieder gestellte Diagnose laute auf Kurzschluss. Den müsse der Tiefbau des Netzbetreibers beseitigen und das werde von den Technikern intern auch so weitergegeben, versprach man dem Kunden wiederholt.
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