BITKOM bangt um fehlende IT-Experten
BITKOM-Vizepräsident Jörg Menno Harms stellte heute in Berlin die bereits im Februar angekündigte Studie "ICT skills in Western Europe" vor.
BITKOM-Vizepräsident Jörg Menno Harms stellte heute in Berlin die bereits im Februar angekündigte Studie "ICT skills in Western Europe" vor. Herausgeber der Studie ist das European IT Observatory, ein von der EU-Kommission gefördertes Projekt, an dem der Branchenverband BITKOM beteiligt ist.
Europaweit fehlen laut der Studie 1,9 Millionen IT-Fachkräfte, 3,8 Millionen sollen es im Jahr 2003 sein. Die europäische Wirtschaft laufe Gefahr, im Jahr 2003 ein zusätzliches Wirtschaftswachstum in Höhe von 2,5 bis 3 Prozent zu verschenken. In Deutschland sei der Fachkräftemangel innerhalb von Westeuropa am größten. Fünfzehn Prozent der Stellen für IT-Spezialisten könnten nicht oder nicht mit ausreichend qualifiziertem Personal besetzt werden. Diese Zahl werde bis 2003 bis auf siebzehn Prozent steigen. Erneut foderte Harms deshalb eine energische Reformen des Bildungssystems; mit jedem Jahr des Wartens gingen mehrere zehntausend zusätzliche Arbeitsplätze verloren.
14,5 Millionen Fachkräfte wurden nach Aussage der Studie im Jahr 2000 in Westeuropa gesucht. Der Bedarf an Fachkräften liege heute zum überwiegenden Teil außerhalb der eigentlichen IT-Branche. Banken, Versicherungen, öffentliche Verwaltung, produzierendes Gewerbe, Transportunternehmen und Wissenschaft forderten immer mehr entsprechende Qualifikationen. Der Mangel betreffe die Hersteller- und Anwenderseite gleichermaßen.
Mit 72 Prozent den größten Anteil an den gesuchten Fachkräften hätten die klassischen IT Berufsbilder, vom Nachrichtentechniker, Programmierer, Systemadministrator und IT-Berater bis hin zu Fachkräften in der Hardware-Produktion. 19 Prozent der Nachfrage ordnete die Studie dem Bereich E-Business zu, dazu gezählt wurden Web-Marketing, E-Commerce und E-Government. Neun Prozent der nachgefragten Fachkräfte seien in Call-Centern beschäftigt worden.
Den Gesamtbedarf an Fachkräften sieht die Studie bis zum Jahr 2003 auf 22 Millionen anwachsen. Allerdings könnten dann 18 Prozent der Stellen nicht besetzt werden; "jede sechste Stelle bleibt frei", warnt Harms. Besonders gefragt seien in Zukunft Kenntnisse im E-Business. Alleine in diesem Bereich könnte es schon im laufenden Jahr zu einer Nachfragesteigerung um 40 Prozent kommen, so die von Harms vorgestellten Zahlen. Bis zum Jahr 2003 könnte jede dritte Stelle im E-Business nicht mehr qualifiziert besetzt werden. Verbessern soll sich die Lage allerdings bei den Call-Center-Mitarbeitern. Trotz einer erwarteten Verdoppelung der Nachfrage geht die Studie davon aus, dort den Anteil der nicht oder nicht ausreichend qualifiziert besetzten Stellen von neun auf sieben Prozent senken zu können. (fro)