Einmal Lagerfeuer und zurĂĽck

Ob es um Fernsehen, Internet oder soziale Medien geht – früher oder später wird der Begriff vom "globalen Dorf" fallen. Geprägt hat ihn der kanadische Medientheoretiker Marshall McLuhan bereits 1962.

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Das Buch damals hieß "Die Gutenberg-Galaxis". Fünf Jahre später etablierte McLuhan ein weiteres Schlagwort, das bis heute geschmeidig in jede Mediendebatte passt: "Das Medium ist die Botschaft." (Dabei war im Original nicht von Message, sondern von Massage die Rede – ein Druckfehler, der McLuhan angeblich so gut gefiel, dass er ihn stehen ließ.)

Spätestens dieses Werk verschaffte McLuhan (1911–1980) einen unverwüstlichen Ruf als Visionär. Seine zentrale These lautet: Bis zur Erfindung der Schrift lebte der Mensch im akustischen Raum der Lagerfeuer-Erzählungen – "im Dunkel der Seele, in der Welt der Gefühle". Dann kamen Alphabet und Buchdruck als serielle visuelle Medien. Sie brachten nicht nur Rationalität, sondern auch "Fragmentierung, Spezialisierung und Distanzierung" mit sich. In der Folge entstanden "Straßen, Armeen und Verwaltungsapparate".

Der "elektrische Schaltkreis" drehe das Rad nun wieder zurück und lasse "die multidimensionale Raumorientierung des ,Primitiven' von neuem entstehen". So "fördert er Tendenzen der Vereinigung und stärkt das Engagement".

Klingt ja alles ganz schön schlau. Nur: Was folgt daraus? Und welche Botschaft genau hat welches Medium? Hier wird McLuhan vage. Stringente Argumente sind nicht so sein Ding. Stattdessen lässt er lieber seinen Assoziationen freien Lauf: Von der Schrift hangelt er sich zum Fließband (ist schließlich beides irgendwie seriell), von der Zentralperspektive in der Malerei kommt er zur Freiheitsstrafe (hat beides was mit Räumen zu tun). Gern macht er auch apodiktische Aussagen wie: "Die Erlebniswelt der Jugend ist mythisch und voller Tiefe." Erläuterungen, Belege gar? Keine.

Mag sein, dass solche Gedanken seinerzeit neu und aufregend wirkten. Doch warum ist das Buch immer noch populär? Wahrscheinlich, weil es ein Supermarkt voller überpointierter Aphorismen ist, die gut außerhalb jedes Zusammenhangs funktionieren, weil der Autor selbst es mit dem Zusammenhang nicht so genau nahm.

Marshall McLuhan, Quentin Fiore: "Das Medium ist die Massage", Tropen, 160 Seiten, 12 Euro

(bsc)