Roboter zur Frustabfuhr
Eine Human-Robot-Interaction-Spezialistin hat digitale "kathartische Objekte" geschaffen, die Menschen unter Stress beistehen sollen.
(Bild: Michal Luria)
Gewalt sei zwar grundsätzlich keine Lösung, in seinen Robotern zum Aggressionsabbau sieht Michal Luria jedoch eine Ausnahme. Die Doktorandin der Human Robot Interaction – also der Mensch-Maschine-Interaktion – an der Carnegie Mellon University (CMU) in Pittsburgh hat deshalb Roboter entwickelt, die mit verschiedenen Sensoren Frust und Stress bei Menschen erkennen und ihnen helfen sollen, diesen wieder loszuwerden. Dabei kann es durchaus einmal heftiger zugehen.
Gesichtslose Objekte
Der Name von Lurias "cathartic objects" ist Programm. Die Automaten sollen ihrem Besitzer eine Katharsis, also die Bekämpfung seiner im Inneren verdrängten Konflikte, ermöglichen, ohne die Wut an anderen Menschen auszulassen. Mehrere solcher Objekte hat die CMU-Forscherin bereits geschaffen.
Ihre erste Variante ist eine bunte, gesichtslose Stoffpuppe, die zu lachen anfängt, wenn sie registriert, dass ihr Nutzer sich aufregt. Er kann dann seinen negativen Gefühlen freien Lauf lassen und die Puppe schlagen oder werfen. Fühlt ihr Nutzer sich besser, hört sie auf, ihn zu "nerven". Der Roboter ist stabil gebaut und geht dabei nicht kaputt.
(Bild:Â Michal Luria)
Zwischen Kunst und Produkt
Ein weiteres Katharsis-Objekt ist ein Kissen zum Schütteln, Schleudern oder Erstechen, wozu passende Werkzeuge zur Verfügung stehen. Für Nutzer, die schimpfen, hat Luria außerdem noch ein Beleuchtungsobjekt entwickelt, dessen Spracherkennung registriert, wenn ihr Besitzer Schimpfwörter benutzt. Es reagiert darauf mit Farbwechseln.
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Die "cathartic objects" sind bislang nur Prototypen, wurden aber bereits auf Forscherkonferenzen vorgeführt. Lurias Paper dazu lautet: "Herausforderungen der Gestaltung von Mensch-Maschine-Interaktionen für negative Emotionen". Das Projekt ist laut Angaben Lurias aus einer theoretischen Arbeit über die historischen und kulturellen Hintergründe von Zerstörung entstanden. Schon damals entstand in ihrem Labor ein "Destruction Robot" für Kreativität, Katharsis und "emotionales Loslassen". Das Objekt hörte auf den Namen "iNkondi".
"Für viele Menschen ist Zerstörung stets mit negativen Assoziationen verbunden. Die Menschen haben aber über Tausende von Jahren immer wieder zerstört: Willentlich, spielerisch und zufällig. Auch wenn Zerstörung ein sehr normales Verhalten ist, wurde bislang wenig Forschung im Interaktionsdesign betrieben, die sich mit Aspekten der Zerstörung und der Katharsis beschäftigt", schreibt die Wissenschaftlerin.
Zerstörung im Büro
Dabei dürfte es kaum einen Technikbenutzer geben, der nicht schon einmal darüber nachgedacht hat, eines seiner Geräte an die Wand oder aus dem Fenster zu werfen. Es gibt berühmte virale Videos im Netz, die Büroarbeiter bei der Zerlegung ihres Arbeitsplatzrechners zeigen.
Luria geht es jedenfalls darum, den Menschen zu erlauben, "korrekt" mit negativen Gefühlen umzugehen, weil dies das Wohlbefinden erhöhe. Selbst Schmerzen sollen sich so heilen lassen – "und Gefühle der Fairness auf dem Arbeitsplatz" erzeugen.
(bsc)