Tirols Regierungschef für höhere deutsche Lkw-Maut
Im deutsch-österreichischen Streit um Fahrverbote in Tirol fordert der Tiroler Ministerpräsident Günther Platter (ÖVP) „eine Anhebung der in Deutschland niedrigen Lkw-Maut auf das Niveau von Österreich, die das Fünffache beträgt“
- dpa
Im deutsch-österreichischen Streit um Fahrverbote in Tirol fordert der Tiroler Ministerpräsident Günther Platter (ÖVP), Deutschland müsse endlich an Maßnahmen arbeiten, speziell den Transit-Schwerverkehr zu reduzieren.
„Dabei ist eine Anhebung der in Deutschland niedrigen Lkw-Maut auf das Niveau von Österreich, die das Fünffache beträgt, das Gebot der Stunde“, sagte Platter der Passauer Neuen Presse. Das Fahrverbot auf bestimmten Strecken an Wochenenden und die Lkw-Blockabfertigung an der Grenze seien absolut notwendig. „Die Belastungsgrenze für Mensch, Natur und Infrastruktur in unserem Land ist überschritten“ sagt der Tiroler Spitzenpolitiker.
(Bild: h/o Archiv)
Am vergangenen Wochenende waren im Raum Innsbruck erstmals verschiedene Ausweich-Routen für den Transitverkehr gesperrt worden. Rund 1000 Autofahrer waren auf die Autobahn zurückgeschickt worden. Wegen der Sperren plant das deutsche Bundesverkehrsministerium eine Klage gegen den Nachbarn.
Unterdessen will auch das Bundesland Salzburg gegen den Ausweichverkehr vorgehen. Zwischen dem 13. Juli und 18. August können auf der Tauernautobahn (A10) bei Bedarf erstmals einzelne Autobahnabfahrten komplett gesperrt werden oder nur für den Ziel- und Quellverkehr offenbleiben. Mit der Maßnahme sollen Touristen auf der Autobahn gehalten und die Anrainergemeinden entlastet werden.
Nach einer Analyse des österreichischen Verkehrsclubs VCÖ sind 2018 erstmals mehr Lastwagen über den Grenzpass Brenner gefahren als über alle Schweizer und zwei französische Alpenübergänge zusammen. Die Route über den Brenner hätten 2,4 Millionen Transporter genommen, über die vier Schweizer Alpenpässe Gotthard, San Bernardino, Simplon und Großer St. Bernhard sowie die zwei französischen Übergänge Frejus und Montblanc seien insgesamt 2,37 Millionen Lastwagen gefahren. „Während in der Schweiz der Alpentransit Jahr für Jahr zurückgeht, nimmt er über den Brenner massiv zu“, sagte VCÖ-Experte Markus Gansterer.
In der Schweiz sei die Lkw-Maut deutlich höher als in Österreich, so der VCÖ. Auch sei Dieselkraftstoff höher besteuert als in Österreich. Außerdem werde in der Schweiz seit Jahrzehnten die Schieneninfrastruktur konsequent ausgebaut und verbessert. Der Verkehrsclub bringt das Konzept einer Alpentransitbörse ins Spiel. Sie sehe eine Deckelung der Zahl der Lkw-Fahrten über die einzelnen Übergänge vor. Nötige Transitrechte könnten bei der Alpentransitbörse erworben und gehandelt werden. (fpi)