Intel ermuntert eigene Mitarbeiter gegen starke AMD-Konkurrenz

Intels interne "Circuit News" fĂĽr Mitarbeiter erwarten starke Konkurrenz durch Ryzen 3000 und Epyc Rome und rufen zur Geschlossenheit auf.

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Intel ermuntert eigene Mitarbeiter gegen starke AMD-Konkurrenz

(Bild: c't/Christof Windeck)

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Walden Kirsch, bei Intel Chef der hausinternen "Circuit News", informiert seine Kollegen darin über die bevorstehende Konkurrenz durch die AMD-Prozessoren der Baureihen Ryzen 3000 (Matisse) und Epyc 2 (Rome). In einer längeren Einleitung und in einem Frage-und-Antwort-Text mit Steve Collins von Intels "Konkurrenzbeobachtungsteam" erklärt Kirsch, dass AMD sich zu ungewohnter Stärke aufgeschwungen habe.

Kirsch und Collins vergleichen die Situation mit der beim Erscheinen des AMD Athlon vor 20 Jahren und betonen, dass Intel damals gestärkt aus der Schwächephase hervorgegangen sei.

Laut der internen Mitarbeiterinformation, die via Reddit als Screenshot veröffentlicht wurde, erwartet Intel, dass der am 7. Juli kommende AMD Ryzen 3000 mit bis zu 12 Kernen den hauseigenen Core i-9000 mit bislang höchstens 8 Kernen in Multithreading-Benchmarks schlagen wird. Der Core i-9000 soll aber in "lightly threaded Productivity Benchmarks" und "vielen Gaming-Benchmarks" führen können. Als "Stärkungsmaßnahmen" für den Core i-9000 hatte Intel kürzlich einen höher taktenden Core i9-9900KS sowie die Tuning-Software Performance Maximizer angekündigt.

Der Text übt Kritik am Benchmark Cinebench, weil dieser "kein repräsentativer Benchmark für die allgemeine Bewertung von Plattformen" sei. Man "arbeite mit der Presse weiter daran, [stattdessen] echte Applikationen" dafür zu nutzen.

Intel selbst hat in der Vergangenheit allerdings oft auch selbst eigene Cinebench-Ergebnisse veröffentlicht, ohne groß Kritik zu äußern – aber da lag man ja selbst vorne. Umgekehrt hatte AMD mehrfach den BAPCo SYSmark kritisiert, in dem die eigenen Bulldozer-Prozessoren wegen schwacher Singlethreading-Performance abfielen.

Vorsprung dank 7-nm-Chiplets: AMD Ryzen 3000.

(Bild: YouTube/AMD)

Das Intel-Papier erwartet erheblichen Preisdruck auch bei den bisher sehr profitablen Xeon-Prozessoren fĂĽr Server durch den Epyc "Rome". Letzterer arbeitet bekanntlich mit denselben Zen-2-Kernen wie der Ryzen 3000, die CPU-Kerne sitzen ebenfalls in Chiplets aus der 7-Nanometer-Produktion von TSMC. Intel erkennt die technologische FĂĽhrung dieser 7-nm-Chips im Vergleich zur hauseigenen 14-nm-Technik an.

Interessanterweise untermauert das Intel-Papier den Ausblick auf starke neue Produkte in der Zukunft nicht mit konkreten Ankündigungen. Es wird beispielsweise erwartet, dass Intel bei Desktop-PC-Prozessoren 2020 mit dem Ice-Lake-Nachfolger "Tiger Lake" aus der 10-nm-Fertigung wieder aufholen will und mit Hochdruck an Ice-Lake-Xeons arbeitet, die wohl mehr Kerne und auf jeden Fall mehr Speicherkanäle bringen. Doch zu kommenden Produkten äußern sich die Autoren des Textes nicht.

Anscheinend befürchtet Intel wegen der ungewohnten Situation des Rückstands auf die Konkurrenz schädliche Reaktionen der Mitarbeiter. Vorbeugend ruft der Text zur Geschlossenheit und zu Vertrauen in die Vertriebs- und Marketingabteilungen des Konzerns auf. Außerdem sei eine Veränderung der Firmenkultur (cultural Transformation) zur Bewältigung der Herausforderungen (Challenges) nötig.

Für das Geschäftsjahr 2019 rechnet Intel mit einem Umsatzrückgang, auch wegen steigenden Preisdrucks. Wie stark dabei die zusätzlichen Rückgänge durch den Wegfall von Verkäufen an Huawei bereits eingerechnet sind, ist unklar. (ciw)