Böse böse
Wege und Mittel aus der Falle moralischer Ansprüche.
"Don't be evil!" – "Sei nicht böse" lautete bis Anfang Mai 2018 das Motto des Internetkonzerns Google. Seitdem ist die ultimative moralische Aufforderung aus dem Verhaltenskodex gestrichen. Jetzt heißt es allgemeiner: "Do the right thing" – "Mach' das Richtige!"
Kritiker des Konzerns mutmaßen, dass die stillschweigende Korrektur dem Konzern mehr moralische Beinfreiheit verschaffen wollte. Tatsächlich wurden 2018 denn auch zwei umstrittene Google-Projekte öffentlich: Im Projekt Maven entwickelte Google eine KI, die Bilder von Überwachungsdrohnen auswertet, im Projekt Dragonfly eine chinesische Suchmaschine, die kompatibel zu Netzkontrolle der chinesischen Regierung sein soll. Beide Projekte wurden nach erheblicher öffentlicher Kritik eingestellt.
Vielleicht ist den Männern an der Spitze des Konzern aber auch einfach ein bisschen langweilig geworden. Immer nur gut sein – Rollenspieler wissen, wie öde das sein kann. Manchmal möchte man doch wenigstens ein kleines bisschen hinterhältig sein – oder doch mindestens ein bisschen schadenfroh.
Wissenschaftler der University of California in Berkley haben jetzt einen eleganten Weg gefunden, um dieses Bedürfnis auszuleben. Laut IEEE Spectrum entwarfen die Forscher um Ken Goldberg – nicht verwandt mit Rube Goldberg – "feindselige Objekte", Gegenstände, die zwar ganz harmlos aussehen, aber von Robotern mit zweifingrigen Greifern extrem schwer zu packen sind. Würfel beispielsweise, bei denen auf zwei Flächen sehr flache Pyramiden aufgesetzt sind, oder ein Cuboctahedron – ein Objekt mit acht dreieckigen und drei quadratischen Seitenflächen.
Um die Objekte zu entwerfen, trainierten die Wissenschaftler extra eine KI, ein generatives neuronales Netz, das keine andere Aufgabe hat als unschuldigen Robotern das Leben schwer zu machen.
Offiziell dient die Forschungsarbeit natürlich nicht dazu, Roboter zu quälen, sondern verbesserte Roboter-Greifer zu entwickeln. Aber ich bin sicher, zumindest ein kleines bisschen Schadenfreude wird dabei gewesen sein.
(wst)